merken

Politik

Wenig Staatsakt, dafür viel Bürgerdialog

Mit Bürgergesprächen und Reisen in Partnerstädte soll bis nächstes Jahr an den Weg zur deutschen Einheit erinnert werden.

Matthias Platzeck ist Chef der Kommission für 30 Jahre deutsche Einheit. Er stellte jetzt wichtige Eckpunkte vor.
Matthias Platzeck ist Chef der Kommission für 30 Jahre deutsche Einheit. Er stellte jetzt wichtige Eckpunkte vor. © dpa

Berlin. Die Bundesregierung will mit acht zentralen Veranstaltungen sowie einer Reihe von Bürgerdialogen an die Entwicklungen von der friedlichen Revolution bis zur deutschen Wiedervereinigung vor 30 Jahren erinnern. Es solle „so viel Staatsakt wie nötig“, zugleich Raum für Debatten geben, sagte der Vorsitzende der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“, Matthias Platzeck (SPD), am Montag in Berlin. Man wolle „vermeiden, dass der große Veranstaltungsholzhammer rausgeholt wird“, so Platzeck. Das gesellschaftliche Klima derzeit sei „schwierig“, sagte Platzeck. Wenn man damit nicht sensibel umgehe, gebe es die Gefahr, dass sich Gräben weiteten statt zugeschüttet zu werden, sagte er mit Blick unter anderem auf die jüngsten Erfolge der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg. Das „Wessi-Bashing“ nehme wieder zu im Osten, gleichzeitig wachse das Desinteresse im Westen. Die Kommission hat im Auftrag der Bundesregierung Bausteine für das Gedenkkonzept erarbeitet.

Anzeige
Auf der Suche nach dem eigenen Talent

Vorbeikommen, entdecken, mitmachen — wenn in Weißwasser und Zittau die "Lange Nacht der Volkshochschulen" ist. 

Die acht zentralen Veranstaltungen sollen an Daten stattfinden, die heute als Meilensteine für das Erringen von Demokratie im Osten Deutschlands und die Einheit gelten. Die Feierlichkeiten im Verlauf des kommenden Jahres sollten an die historische Leistung der Einheit erinnern – und dabei insbesondere eher abgeneigte Bürger zur Teilnahme bewegen.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Neuer Politik-Newsletter - jetzt anmelden 

Immer bestens informiert - mit dem Newsletter "Politik in Sachsen" gibt es das Wichtigste aus Sachsen kostenlos aufs Handy, Tablet oder den Computer.

Sonderzüge Dresden-Prag

Am 28. September, dem Jahrestag der Ausreise von DDR-Flüchtlingen aus Prag, sollen Sonderzüge von Dresden in die tschechische Hauptstadt fahren. Am 9. Oktober, dem 30. Jahrestag der medial auch im Westen wahrgenommenen Montagsdemonstration in Leipzig, wird es dort einen Festakt geben. Am Tag des Mauerfalls am 9. November werden die Scheinwerfer wiederum auf Berlin gerichtet.

Gedenktage im kommenden Jahr sollen der 18. März, Jahrestag der ersten freien und demokratischen Volkskammerwahl in der DDR, der 1. Juli als Tag der Währungsunion, das Datum der Unterzeichnung des 2+4-Vertrags (12. September) und der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober sein.

Daneben plant die Kommission insgesamt 16 Bürgerdialogveranstaltungen, bei denen Menschen aus Partnerstädten in Ost und West zusammenkommen sollen. Diese Gespräche, bei denen Platzeck zufolge ehrlich und schonungslos über die Situation heute gesprochen werden soll, werden von der Kommission begleitet und sollen in Handlungsempfehlungen für die verantwortliche Politik münden. Laut Platzeck sollen diese Empfehlungen im August kommenden Jahres vorgelegt werden.

Den Auftakt bildete am Montag eine Diskussionsveranstaltung in Berlin zum 30. Jahrestag des Gründungstreffens der DDR-Reformbewegung „Neues Forum“. (epd/dpa)