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Weniger Arbeitslose, weniger Geld fürs Jobcenter

Sonderprogramme sollen einen Ausgleich schaffen, und junge Arbeitslose bekommen eine eigene Berufsagentur.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Landkreis. Die meisten ausländischen Hartz-IV-Bezieher im Landkreis Görlitz kommen aus Polen. Syrer stehen auf dem zweiten Platz. Insgesamt machen im vergangenen Jahr, Stand September 2016, Migranten acht Prozent der Hartz-IV-Bezieher im Kreis aus. Diese Zahlen stellte jetzt Felix Breitenstein, Chef des Landkreis-Jobcenters in Görlitz, während einer Pressekonferenz vor. Für ihn war der Auftritt in der Öffentlichkeit eine Premiere. Felix Breitenstein leitet das Jobcenter erst seit dem vergangenen Oktober. Der neue Behördenchef ist insgesamt mit der Entwicklung zufrieden. Die Zahl der Leistungsberechtigten, die erwerbsfähig sind, sank gegenüber dem Dezember 2015 um über 1800. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2016 bei 9,6 Prozent, 12344 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt als arbeitslos im Landkreis Görlitz gemeldet.

„Das Problem ist: Weil wir weniger Kunden haben, sinkt auch die Summe der Mittel, die für die Eingliederung vorgesehen sind“, sagt Felix Breitenstein. Einen Ausgleich sieht er in Sonderprojekten, die das Jobcenter bekommen konnte. „Damit wird das reduzierte Budget für die Eingliederung ausbalanciert“, sagt der Chef des Jobcenters. Eines der Sonderprojekte heißt „Soziale Teilhabe“. Damit sollen vor allem Langzeitarbeitslose angesprochen und für den Arbeitsmarkt wieder fit gemacht werden. Auch ohne Sonderprojekte fließen fast die Hälfte der Mittel, 48 Prozent, zur Eingliederung in diesem Jahr in „Fortbildungs- und Aktivierungsmaßnahmen“. Im vergangenen Jahr waren es 40 Prozent.

Auf gutem Weg sieht Felix Breitenstein den Kreis bei den unter 25-jährigen Arbeitslosen. Die Arbeitslosenquote liegt hier bei 8,6 Prozent, sechs Prozent beziehen Geld nach dem Sozialgesetzbuch II, das die Grundsicherung für Arbeitsuchende regelt. Insgesamt sind 700 junge Leute in dieser Altersgruppe im Landkreis arbeitslos gemeldet.

Gute Erfahrungen habe das Jobcenter mit dem Job-Speedating gemacht, sagt Felix Breitenstein. In kurzen Gesprächen können sich Arbeitsuchende dabei mit Vertretern von Firmen unterhalten, ihre Vorstellungen und Interessen aufzeigen. „Das ist ein erfolgreiches Format und soll in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer in diesem Jahr weitergeführt werden“, sagt der Chef des Landkreis-Jobcenters. Ein Termin ist für den Sommer vorgesehen, wahrscheinlich findet das Job-Speeddating in Görlitz statt. Hier gab es bereits eine derartige Veranstaltung im vergangenen Oktober. Damals machten 22 Unternehmen mit.

Beigeordnete Martina Weber setzt indes auf ein weiteres Angebot des Kreises, das in diesem Jahr startet: eine Jugendberufsagentur. Die wird es allerdings nur virtuell geben. „Ziel ist es, die Angebote des Jobcenters Görlitz, des Jugendamtes und der Bundesagentur für Arbeit in Bautzen zu verknüpfen“, sagt Martina Weber. Es werde eine gemeinsame Datenbank geben. Damit sollen unter anderem Dopplungen vermieden, die Zusammenarbeit aufeinander abgestimmt und das Vorgehen koordiniert werden. Eine entsprechende Software, die von allen drei Institutionen genutzt wird, wurde bereits erstellt, außerdem Mitarbeiter in den drei Einrichtungen qualifiziert. Am 23. März soll die Jugendberufsagentur dann offiziell starten. Vorgestellt wird sie in Oderwitz.