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Weniger Berlin, mehr Sachsen

Der frühere Thüringer Finanzminister Wolfgang Voß spricht sich in Meißen für stärkere Länder aus.

© Archiv/dpa

Von Peter Anderson

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Meißen. Einen bedenklichen Trend zur Zentralisierung hat der frühere Thüringer Finanzminister Wolfgang Voß ausgemacht. Der 69-Jährige ist in Sachsen kein Unbekannter. Unter anderem war er hier von 2000 bis 2010 Staatssekretär im Finanzministerium. Anschließend wechselte er als Minister in das Kabinett von Christine Lieberknecht (CDU). In Meißen hielt Voß jetzt seine Antrittsrede als Honorarprofessor an der Sächsischen Verwaltungshochschule. Er beschäftigte sich in seiner Ansprache mit dem schweren Stand nachhaltiger Finanzpolitik in den Ländern. Was wollen die Länder sein, frage Voß. Möchten sie starke Einheiten bilden, die letztlich weitgehend unabhängig vom Bund agieren? Oder geben sie sich mit einer Rolle als Erfüllungsgehilfen Berlins zufrieden? Um eine starke Position gegenüber der Zentrale vertreten zu können, bedürfe es einer finanziellen Unabhängigkeit, argumentierte Voß. Die Sachsen forderte er auf, stolz auf das in den Jahren seit der Wende Erreichte zu sein. Dies sei nur mit dem Gestaltungswillen der Menschen hier vor Ort möglich gewesen. „Der Wiederaufbau hätte sich nicht zentral verordnen lassen“, so Voß.

Zu der Verleihung der Würde als Honorarprofessor waren der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sowie der aktuelle sächsische Finanzminister Matthias Haß (CDU) nach Meißen gekommen.

Für einen Wettbewerb unter den Ländern um die besten Methoden sprach sich auch der Vorsitzende der Rektorenkonferenz der Hochschulen für den öffentlichen Dienst, Paul Witt, aus. Vertreter der insgesamt 38 Einrichtungen hatten sich zuvor in Meißen getroffen. Sie diskutierten über die Herausforderungen durch zurückgehende Bewerberzahlen, die Digitalisierung in Verwaltung und Lehre sowie die europäische Kooperation. Sachsen und Brandenburg komme hier eine wichtige Pionierrolle durch die Zusammenarbeit mit den polnischen und tschechischen Nachbarn zu, so der Rektor der Hochschule Kehl in Baden-Württemberg, Paul Witt.