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Verzicht auf Fernsehen und Süßes

In Bühlaus Kita „Apfelbäumchen“ fasten die Kinder. Sie lernen dabei, dass Verzicht auch Gewinn sein kann.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch und Thomas Zeiske

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Bühlau. Bonbons, Schokolade und Gummibärchen bleiben in den nächsten sechs Wochen zu Hause. Schon am Eingang zur Kindertagesstätte „Apfelbäumchen“ im Großharthauer Ortsteil Bühlau werden Eltern darauf hingewiesen. Auch ohne Süßes sind die Kinder fröhlich. Der kleine Felix darf am Tag unseres Besuches sogar eine glänzende blaue Krone tragen und sie am Nachmittag mit nach Hause nehmen. Denn er hat Geburtstag. Von den Erzieherinnen bekam er am Morgen ein Geschenk: ein Buch und etwas zu naschen. Statt Smarties sind es getrocknete Rosinen.

Die Kindertagesstätte in Trägerschaft der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Bühlau-Lauterbach lebt den Lauf des Kirchenjahres. Dazu gehört auch die Fastenzeit, die am Aschermittwoch begonnen hat und bis Ostern geht. Für die Kindertagesstätte heißt das, bewusst zu verzichten, ohne zu darben. Dabei sind auch die Eltern gefragt. Auch dann, wenn ihr Kind in diesen 40 Tagen Geburtstag hat. Denn Kuchen zur Geburtstagsfeier dürfen sie ihm nicht mitgeben. „Da müssen sich die Eltern halt was einfallen lassen. Vielleicht ein gesundes Frühstück, Obst oder Quark mit Früchten oder Kräutern“, sagt die Leiterin der Kindertagesstätte Gabriele Paul.

Weniger für mich, mehr für dich

Nicht nur auf Süßes wird jetzt verzichtet. In den Gruppen gibt es spezielle Pläne für die Fastenzeit, die auf die Altersgruppen abgestimmt sind. Bei den Größeren laufen sie unter dem Motto: ,,Weniger für mich, mehr für dich“. Hierbei können und sollen die Vorschulkinder jede Woche einen Zettel aus einer so genanten Fastenbox ziehen, auf denen kleine Aufgaben oder Vorsätze stehen, die von den Kindern Zuhause oder im Kindergarten umgesetzt werden sollen. Dabei geht es um Dinge, wie weniger fernzusehen, zu Hause den Müll raus zu bringen oder Mama bzw. Papa bei anderen Hausarbeiten zu helfen. Am Ende jeder Woche quittieren die Eltern, ob ihr Kind die Aufgabe erfüllt hat oder nicht. „Die Kinder sollen in der Fastenzeit lernen, weniger an sich zu denken, mehr anderen zu helfen und für eine gewisse Zeit auf etwas zu verzichten, das für sie wichtig ist.“, sagt Gabriele Paul.

In der kleinen Kindergartengruppe, den „Igelchen“, wird dieses Anliegen mit allen Sinnen vermittelt – nicht nur um zu verzichten, sondern auch um Neues zu entdecken. „Wir fasten mit dem Mund, indem wir singen. Wir fasten mit den Augen, indem wir raus gehen in die Natur, dort das Frühlingserwachen entdecken. Wir fasten mit der Nase, indem wir Düfte wahrnehmen. Und wir fasten mit den Händen, indem wir mit Materialien, wie Salzteig oder Knete, Dinge gestalten. Materialien, die die Zwei- und Dreijährigen bisher noch nicht kennen“, sagt Erzieherin Linda Pietschmann. Für die Kleinen hat sie ein Fastenpuzzle entwickelt, das jede Woche um ein Teil ergänzt wird. Die großen Bausteine, momentan der Renner in der Gruppe, sollen mal für eine Woche weggeräumt werden. Die Kinder sollen so Gelegenheit bekommen, die anderen Spielsachen im Gruppenraum (wieder) zu entdecken.

Die Wüste im Foyer

78 Mädchen und Jungen von der Krippe bis zum Hort werden in der Kindereinrichtung betreut. Alle sind ins Fasten eingezogen. Dazu gehört auch, ihnen den biblischen Hintergrund des Fastens kindgerecht zu vermitteln. Das geschieht gleich im Foyer, wo hinter einem kleinen Zaun Sand aufgeschüttet und breit gemacht wurde. Er symbolisiert die Wüste, in der Jesus 40 Tage lang ausharrte. Dreimal begegnete und widerstand er in dieser Zeit dem Teufel. Steine und Fladenbrot stehen, neben einer Teufelsmaske, für die erste Versuchung: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird“, sagte der Teufel. Worauf Jesus erwiderte: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“.

Eine Mauer aus Holzsteinen, an der die Kinder mitbauten, symbolisiert die zweite Versuchung. „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ Worauf Jesus sagte: „In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Ein Berg und eine geöffnete Truhe voller Schmuck stehen für die dritte Versuchung, bei der Teufel und Jesus gemeinsam auf einem Berg stehen und das ganze Land überschauen. „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest“, sagte der Teufel. Woraufhin Christus antwortete: „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.“ Die sieben Fastensonntage werden in Form stufenartig aufgestellter Kerzen dargestellt. Sie weisen den Weg zum Osterfest. In jeder Woche wird eine weitere Kerze angezündet. Die erste erstrahlt an diesem Montag.

Trotz des Fastens brauchen die Bühlauer Kinder auf ihr süßes Osternest natürlich nicht zu verzichten. Am Dienstag nach Ostern werden die Nester im Garten hinterm Haus versteckt.