merken

Weniger ist mehr beim Bilderbogen

Die Landesbühnen spielen an historischen Orten von Radebeul.

© Landesbühnen Sachsen

Von Peter Redlich

Radebeul. Von 19.30 Uhr bis kurz vor Mitternacht – Landesbühnenintendant Manuel Schöbel und sein Ensemble bieten dem Theatergast seit Freitagabend ein abendfüllendes Projekt. Der Hauptgedanke: kleine Stücke an Radebeuls historischen Orten wie der Villa Schuch, Karl-May-Museum, Wackerbarth und Hoflößnitz. Als Einführung erleben die Zuschauer im Haupthaus Improvisationstheater. Den Abschluss bildet Peter Hacks „Jahrmarktsfest zu Plundersweilen“, auf Kötzschenbroda gemünzt. Beides gut, der Hacks sogar köstlich und schon für sich ausreichend für einen Theaterabend.

Anzeige
Sachsen krempelt die #ärmelhoch
Sachsen krempelt die #ärmelhoch

Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

In Teil zwei des Abends können sich die Besucher etwa für einen musikalischen Salon entscheiden und in die Welt des späten Karl May als philosophierendem Friedensmahner eintauchen. In der Villa Schuch, nur wenige Schritte von den Landesbühnen entfernt, trifft May alias Matthias Henkel auf den Generalmusikdirektor der Dresdner Hofoper Ernst Edler von Schuch (Jan Michael Horstmann) und dessen Tochter Liesel (Miriam Sabba). In Liedern, Geschichten und Gedichten fabulieren sie über Richard Strauß und die Welt. Dafür öffnen die Besitzer und Bewohner freundlicherweise die Türen des Privathauses.

Ähnlich erhellend und amüsant müssen die Stücke mit Holger Uwe Thews und Jürgen Haase an der Villa Shatterhand, Sandra Maria Huimann bei Wackerbarth und Peter Kube in der Theaterkneipe sein. Zu den weiter entfernten Spielorten fährt das Publikum im Bus. Leider kann der Besucher vom Bilderbogen an historischen Orten nur einen erleben. Der eigentliche Sinn des Abends kommt zu kurz. Besser wäre ein Auftakt mit Einführung ins Geschehen und die Möglichkeit, mindestens zwei Spielorte an einem Abend besuchen zu können. Kurzum: Gute Idee mit dem Bilderbogen, aber weniger ist auch hier mehr. Zumal Manuel Schöbel bei gutem Zuspruch das Projekt fortsetzen will. Interesse besteht offensichtlich: 180 von gut 200 Karten wurden am ersten Abend verkauft.