merken

Weniger Straftaten, mehr Angst

Das Gefühl vieler Menschen im Landkreis Meißen orientiert sich nicht an der Statistik. Sie wünschen sich mehr Polizeipräsenz.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

Mit ihrer Forderung haben die CDU-Stadträte in Radebeul an einer Struktur gerüttelt, die seit Jahren gesetzt war: Ein eigenes Polizeirevier in Radebeul hat es seit 2011 nicht mehr gegeben. Damals wurde das gemeinsame Revier von Radebeul und Coswig im Zuge der Polizeireform mit Meißen zusammengelegt. In den beiden Orten blieben nur Polizeistandorte übrig. Nun soll wieder ein eigenes Revier her, gemeinsam gebildet mit den Nachbarn Coswig und Moritzburg. Viele Bürger teilen den Wunsch der Stadträte, vor allem, nachdem sich Einbrüche häufen. Aber wie ist die Polizei im Kreis wirklich aufgestellt?

Anzeige
Musik: eXtraHERb! Und dazu ein Bier
Musik: eXtraHERb! Und dazu ein Bier

Es wird herb im Bürgergarten - eXtraHERB. Am 8.8. treten vier Döbelner Vollblutmusiker auf und begeistern mit Rock, Blues und Soul. Der Eintritt ist frei.

© Grafik/SZ

Die Polizeireform

„Polizei 2020“ – im Jahr 2010 klang das noch nach ferner Zukunft. Trotzdem warnte der Bund Deutscher Kriminalbeamter, Landesverband Sachsen, schon damals: „Die sächsische Polizei steht vor einem personellen und strukturellen Aderlass, der einschneidende Änderungen mit sich bringen wird.“ Denn die Polizeireform brachte damals vor allem eines: Kürzungen und Einsparungen. Dinge, die der Bund Deutscher Kriminalbeamter damals vorausgesagt hatte, wie die Konzentration der verbliebenen Kräfte auf einige zentrale Standorte, sind eingetroffen.

Die Reviere und Standorte

Nach der Reform gibt es im Landkreis Meißen noch drei Polizeireviere (siehe Grafik): in Meißen, Riesa und Großenhain. In neun weiteren Orten gibt es Polizeistandorte. Laut Polizeihauptkommissarin Jana Ulbricht sind die drei Reviere rund um die Uhr besetzt und erreichbar. Von hier aus werden auch die Streifendienste organisiert. Zudem gehören zu allen Revieren Kriminaldienste und Bürgerpolizisten. Ulbricht: „Speziell die Bürgerpolizisten sind regional bestimmten Bereichen zugeordnet und stehen hier als stetiger Ansprechpartner für jedermann zur Verfügung.“

Die Verbrechen

„Die Kriminalitätsentwicklung im Landkreis Meißen ist in den vergangenen Jahren stetig rückläufig“, sagt Ulbricht. Die Zahlen der Straftaten im Landkreis Meißen hätten im vergangenen Jahr auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren gelegen. Und: „Dieser Trend scheint sich auch in diesem Jahr fortzusetzen.“ Ein Blick in die Jahresstatistik für 2016 zeigt, dass es 12 353 Straftaten im Kreis gab (567 weniger als im Vorjahr), von denen 7 078 aufgeklärt wurden – eine Quote von 57,3 Prozent.

Gut 77 Prozent der Tatverdächtigen waren Männer, 955 nichtdeutsche Tatverdächtige wurden 2016 ermittelt. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen nahm somit von 14,4 Prozent im Jahr 2015 auf 19,3 Prozent zu.

Das Sicherheitsempfinden

Auch die Polizei weiß, dass viele Bürger sich dennoch heute nicht sicherer fühlen als vor zehn Jahren. „Das subjektive Sicherheitsgefühl weicht offenbar von den tatsächlichen Zahlen ab“, sagt Ulbricht. Polizeipräsident Horst Kretzschmar wies schon bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik darauf hin, dass es in Radebeul und Coswig seit dem Jahreswechsel eine Häufung von Einbrüchen in Einfamilienhäuser gibt. Vielleicht also kein Wunder, wenn die Menschen dort sich ein Polizeirevier zurückwünschen.

Um das Sicherheitsempfinden der Bürger wieder zu erhöhen, wolle die Polizei zum Beispiel sichtbarer auftreten, erklärt Jana Ulbricht, „auch mit Einbeziehung anderer Kräfte der sächsischen Polizei“. Über die täglichen Medieninformationen und „Aufklärungsmeldungen, insbesondere von Straftaten, welche die Bevölkerung bewegten, aber auch Erklärungen zum polizeilichen Vorgehen oder zu Einsatzmaßnahmen sowie Präventionshinweise“ solle offen mit der Bevölkerung kommuniziert werden.

Die Wartezeiten

Anders als im Rettungsdienst gibt es bei der Polizei keine festen Zeiten, die bis zum Eintreffen eingehalten werden müssen. Manche Bürger, die weiter entfernt von einem Revier oder Standort wohnen, fürchten deshalb, im Notfall länger auf die Polizei warten zu müssen. Die Entfernungen seien tatsächlich ein Punkt, der auf die Dauer bis zum Eintreffen des Funkwagens Einfluss habe, so Ulbricht. „Um hier besser agieren zu können, ist beispielsweise im Polizeirevier Meißen ein Teil des Streifendienstes in Coswig untergebracht.“

Soweit möglich, werde auch der Funkwagen in der Nähe des Einsatzortes eingesetzt. Dabei kämen die regional zuständigen Bürgerpolizisten zum Einsatz, um die Eintreffzeiten zu verkürzen. Im Bedarfsfall würden die Funkstreifen auch über die eigentlichen Zuständigkeitsgrenzen hinaus eingesetzt. Ulbricht: „Auch von Dresden oder Großenhain aus kann eine Streife nach Radebeul geschickt werden.“

Die Zukunft

Nach dem Sparzwang der ersten Reformjahre kam es 2015 zur Wende: Eine Kommission beurteilte die Reform und empfahl dringend eine bessere personelle und technische Ausstattung der Polizei. Konkret: 1 000 neue Stellen. Für Kritiker noch viel zu wenige. Von Einsparungen ist heute keine Rede mehr. Doch bis die nötigen Polizisten zur Verfügung stehen werden, kann es noch Jahre dauern. Jahre, in denen andere aus Altersgründen den Dienst verlassen werden. Und die Forderung nach einem Revier in Radebeul muss erst in weiteren Ausschüssen besprochen werden.