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Weniger Unterricht für Schüler

Sachsens Schüler haben mehr Unterricht als die in anderen Ländern. Es gibt Pläne, die Stundenzahl zu verringern. In Zeiten von Lehrermangel scheint das besonders lohnend, ist aber auch umstritten.

© Symbolfoto: Peter Steffen/dpa

Dresden. Sachsen will den Schulunterricht reduzieren und damit in erster Linie die Schüler entlasten. Allerdings kann der Freistaat damit auch den akuten Lehrermangel etwas lindern. Nachdem am Freitag die Chemnitzer „Freie Presse“ über entsprechende Pläne berichtet, bestätigte das Ministerium zumindest das Anliegen grundsätzlich. Allerdings sei das bislang erst ein „Diskussionsstand“ und eine Entscheidung darüber noch nicht gefallen, sagte Ministeriumssprecher Dirk Reelfs.

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Nach dem Zeitungsbericht sollen ab dem Schuljahr 2019/2020 in der 5. Klasse die Fächer Kunst sowie Musik und in der 6. Klasse die zweite Fremdsprache um eine Wochenstunde reduziert werden. Außerdem sei geplant, das Fach Sport einheitlich für alle Klassenstufen und Schularten auf zwei Wochenstunden zu begrenzen. Im Gegenzug soll es dann in Abstimmung mit dem Landessportbund flächendeckende Angebote zur sportlichen Betätigung der Schüler geben. Mit der Reduzierung des Unterrichtes ließen sich etwa 800 Vollzeitstellen einsparen, hieß es.

Das Ministerium verwies darauf, dass es die Pläne bereits unter der früheren Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) gab. Sie habe seinerzeit angekündigt, mit dem neuen Schulgesetz auch die Lehrpläne aller Schularten zu überprüfen. Die Reduzierung der Stundenzahl soll es den Mädchen und Jungen ermöglichen, schulische Ganztagsangebote zu besuchen. Eine Veränderung der Stundentafeln dürfe aber nicht zu Lasten der Berufs- und Studierfähigkeit sächsischer Schüler gehen. Bei Kernfächern soll es deshalb keine Reduzierung geben.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte unlängst mit eindringlichen Worten auf den Lehrermangel hingewiesen, da zum Schulhalbjahr nicht alle freien Lehrerstellen besetzt werden konnten. „Es ist fünf nach zwölf“, sagte er. Eine Einigung mit der SPD zu einem „Maßnahmepaket“ steht noch aus. Es soll die Attraktivität des Lehrerberufes in Sachsen erhöhen und damit angehende Pädagogen bewegen, in Sachsen zu bleiben und nicht abzuwandern. Geplant ist unter anderem eine Verbeamtung von Lehrern bis zum 42. Lebensjahr.

Die Pläne zur Reduzierung der Stundenzahl stießen am Freitag überwiegend auf Kritik. „Es wäre gut, wenn der Koalitionspartner, wie vereinbart, die Argumente mit uns am Verhandlungstisch austauscht und keine veralteten Papiere an die Presse übermittelt“, erklärte SPD- Bildungspolitikerin Sabine Friedel. Eine Bildungspolitik, die sich „auf das willkürliche Streichen einzelner Fächerstunden oder auf einen Beamtenstatus konzentriert“, sei für die SPD nicht tragbar: „Genau deswegen verhandeln wir so hart und intensiv mit der CDU.“

Die Linken halten eine Reduzierung des Unterrichts in Musik und Kunst für „völlig inakzeptabel“. Beide Fächer seien zentraler Bestandteil von Allgemeinbildung und für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Die Grünen sprachen sich gegen eine pauschale Streichung oder Kürzung einzelner Fächer aus. Die AfD nannte die Pläne einen Offenbarungseid und eine endgültige Kapitulation vor dem Lehrerproblem. Die FDP vermisste ein pädagogisches Konzept hinter den Plänen.

Die CDU mahnte mehr Sachlichkeit in der Schuldebatte an: „Wer mehr digitale und politische Bildung will, muss sagen, was dafür weniger unterrichtet werden soll - ein Tag hat nur 24 Stunden“. Nach Ansicht des Landesschülerrates gilt es Lehrpläne in jedem Fach zu überprüfen. (dpa)

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