merken
Augusto

Wenn aus dem Auto eine Disco auf Reifen wird

Freitagabend. Das Wochenende steht vor der Tür. Unter normalen Umständen würde der Weg in einen Dresdner Club führen. Wäre da nicht Corona …

Disco in Corona-Zeiten.
Disco in Corona-Zeiten. © AdobeStock/Dragosh (Symbolfoto)

Während der Pläne für einen entspannten Abend mit einem dazugehörigem Dartturnier, klingelte das Handy mit einer Benachrichtigung: „Jetzt noch Tickets für die heutige Autodisko im Autokino Dresden sichern!“ Wir tauschten kurz die Blicke aus, nickten uns zu und schon waren die Tickets bestellt und ausgedruckt – es ging auf Party. Statt eines intensiven Stylings, gab es nur den Griff in die Haare – das geht schon so, die Frau fürs Leben wird man an diesem Abend sicherlich ohnehin nicht treffen, denn wie der Name „Autodisko“ schon sagt, fand das Ganze einzig und allein im Auto statt. Kurz gesagt, Lichthupe, statt Tanzbein schwingen und ein serieneingebautes Autoradio, statt hochqualitativer Soundanlage aus dem Club, lauteten die Rahmenbedingungen.

Wie geht eigentlich Tanzen auf dem Autositz?

Mit eigentlich geringer Erwartung, aber auch einem Stück Vorfreude ging es nun mit dem Auto Richtung Autokino. Unter normalen Umständen wäre zu diesem Zeitpunkt in der Straßenbahn wohl schon das erste Bier geöffnet gewesen, aber in Zeiten von Corona läuft vieles anders: Da wird mit dem Auto statt der Straßenbahn gefahren und Apfelschorle statt Bier getrunken … Sei‘s drum, alles Schlechte hat auch sein Gutes.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Angekommen am Flughafen Dresden die erste Überraschung, auf der Abbiegerspur staute es sich fast bis zur Autobahnabfahrt, wir waren also nicht die Einzigen, die heute Abend Lust auf Party hatten. Wir wurden aufs Gelände gelotst, bekamen Leuchtstäbe in die Hand und wurden in unsere „Party-Parklücke“ eingewiesen – unsere Position für die nächsten guten drei Stunden, ein Platzwechsel, wie im Club, um näher an die Bühne zu gelangen? Ausgeschlossen …

Auf den Leinwänden wurde die Frequenz eingeblendet, die im Radio einzustellen ist und um punkt 21 Uhr gab der erste DJ auch schon Vollgas und all meine gedämpfte Euphorie entwickelte sich schlagartig in absolute Partystimmung. Von Charts bis hin zu musikalischen Klassikern war an diesem Abend alles dabei, Musikfans kamen definitiv auf ihre Kosten. Das Autoradio lief auf Höchstleistung, der Bass brachte alles, was nicht niet- und nagelfest war zum Vibrieren und der Drang, das Tanzbein zu schwingen ließ sich an diesem Abend nicht leugnen. Mehr als den Hebel für die Lichthupe oder den Knopf für die Warnblickanlage zu betätigen, war an aber nicht möglich; der Spaß war allerdings buchstäblich derselbe. In jedem Auto strahlende Gesichter: Die einen die, die Stimmung wirklich genießen konnten und die anderen, die jeden Song so laut sie konnten mitsangen. Für Unterhaltung war an diesem Abend jedenfalls gesorgt. Diese Veranstaltung machte Mut, Mut für die Zukunft und dass diese Pandemiezeit endlich ist und wir uns auch wieder in den Partyclubs treffen werden.

An diesem Abend hat in jedem Fall alles gestimmt. Auch wenn die Party pünktlich null Uhr schon ihr Ende fand – was ja im Normalfall erst die Zeit ist, zu der es in die Clubs geht. Aber auch an die Anwohner rund um den Flughafen muss gedacht werden, nicht jeder wird um null Uhr die gleiche Partylaune verspüren wie wir … Mit guter Laune ging es nun also gesittet runter vom Partygelände und ab auf die Autobahn zurück nach Hause.

Fazit: In Zeiten von Corona war es eine tolle Abwechslung, die sich so hoffentlich noch einmal wiederholt. Und alles Schlechte, hat auch seine positiven Seiten, der Kater nach einem normalen Clubbesuch wäre am nächsten Morgen deutlich schlimmer ausgefallen, als der nach einer Autodisko und anderthalb Litern Apfelschorle. (Adrian Leyser)

© Foto: Adrian Leyser

Mehr zum Thema Augusto