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Wenn Autos über Gleise rollen

Die Muskauer Straße in Niesky ist gesperrt, die Behelfsstraße eröffnet. Aber damit sind nicht alle Probleme gelöst.

© Luftbild: Frank Flex

Von Thomas Staudt

Niesky. Es ist Montag kurz vor elf am Vormittag. Zwischen Autohaus Elitzsch in der Neuhofer Straße in Niesky und dem Penny-Markt in der Straße Am Bahnhof – dort, wo sonst Eisenbahngleise liegen – tasten sich die ersten Fahrzeuge über die frisch geteerte Behelfsstraße. Alle müssen sich noch an die temporäre Verkehrsführung gewöhnen. Das Vorfahrtsrecht in der Straße Am Bahnhof auf Höhe des Abzweigs in die Bahnhofstraße ist ausgesetzt. Stattdessen hat nun Vorfahrt, wer die Behelfsstraße nimmt. Das Provisorium ist zwischen 7,50 und 9,50 Meter breit und an den Seiten mit Warnbaken gesichert. Jede zweite krönt ein Blinklicht. Einen separaten Überweg für Fußgänger und Radfahrer gibt es nicht.

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Etwa zur selben Zeit ist der Bahnübergang in der Muskauer Straße bereits dicht, obwohl die Sperrung erst für 12 Uhr angekündigt war. Die Sperrung erfolge fließend, heißt es auf Nachfrage. Baulaster passieren den gesperrten Bereich oder rangieren entlang der Gleise fast im Minutentakt. Ein Mann mit einem kleinen Jungen an der Hand wechselt von der einen auf die andere Seite des Bahnübergangs. Fußgänger können weiterhin durch. Damit ihnen nichts passiert, wird zeitnah ein Korridor mit rot-weißen Schranken abgezäunt. Überall besprechen kleinere und größere Grüppchen mit oder ohne Warnwesten den Bauablauf. Schließlich ist der Neubau des Bahnübergangs der Grund für die Sperrung und den Bau der Behelfsstraße. Geplante Fertigstellung: Ende Juli.

Die Sperrung klemmt die nord-südlich verlaufende Hauptverkehrsader durch Niesky, entlang der Muskauer und der Görlitzer Straße, bereits an der zweiten Stelle ab. Seit Mitte Februar ist in der Görlitzer Straße auf Höhe der Tankstelle am Ortsausgang kein Durchkommen mehr. Der Schleichverkehr über Nebenwege treibt erste Blüten. Eigentlich wird der Verkehr über die nach Westen führende Bautzener Straße auf die B 115 umgeleitet. Die Ausfallstraße wird zusehends zum Nadelöhr, da die beiden anderen im Norden und Süden dicht sind. Da braucht nur mal ein Unfall zu passieren, dann geht in Niesky nichts mehr, unken Skeptiker.

Aber damit nicht genug. Nun ist eine weitere Sperrung im Gespräch. Nach SZ-Recherchen erwägt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), die S 122 an der Jänkendorfer Kreuzung Richtung A 4 zu sperren. Dort wird noch bis Juni ein Bypass gebaut. Er soll bei einer Sperrung des Tunnels Königshainer Berge den Verkehr von der Autobahn/S 122 ohne große Stauungen weiter in Richtung Görlitz umleiten. Die Sperrung in der Görlitzer Straße hängt damit unmittelbar zusammen.

S 122 Richtung Autobahn dicht

Nun kommt es dort zu einer neuen Behinderung des Straßenverkehrs. Das Landesamt bestätigt auf SZ-Anfrage, dass die Staatsstraße ab 23. April gesperrt wird. Ohne diese Umstellung seien „Zwangspunkte in der Terminkette“ nicht einzuhalten, so Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert. Für den Schwerverkehr gilt die bereits ausgeschilderte Umleitung. Der örtliche Verkehr wird über die S 109 und die S 55 bis Weißenberg umgeleitet, von dort über die S 111 zurück zur S 122. Am 12. Juni wird die Regelung wieder aufgehoben.

Niesky scheint derzeit mit Baustellen regelrecht gespickt. Das könnte zum Problem werden. Enrico Bachmann sieht aber auch die Kehrseite der Medaille. Das ist in diesem Fall die gute. „Da ist momentan enorm viel Bewegung drin“, meint der Mann von der Tiefbauverwaltung im Nieskyer Rathaus. Er spielt nicht grundlos auf die zahlreichen Infrastrukturmaßnahmen an, die seit dem letzten Jahr und noch bis 2020 in und um die Stadt herum laufen.

Da ist der Neubau der Niederschlesischen Magistrale – sie ist der Grund für die Sperrung des Bahnübergangs in der Muskauer Straße – mit einem Gesamtvolumen von 520 Millionen Euro, davon allein 884 000 Euro für den Bahnübergang an der Krone in Niesky. Für den Bypass an der Jänkendorfer Kreuzung investiert der Freistaat 1,35 Millionen Euro. Seit kurzem ist klar, dass noch in diesem Jahr der Neubau in der Puschkinstraße startet (Gesamtkosten Straßenbau: 412 000 Euro). Im nächsten Jahr ist die Goethestraße dran (Gesamtkosten Straßenbau: 650 000 Euro. Darüber hinaus wird das Breitbandnetz bis 2020 ausgebaut. Der Landkreis investiert allein in Niesky rund sechs Millionen Euro. Ganz schön dichter Geldverkehr auf kleinstem Raum. Die Autos, die derweil über die Behelfsstraße fahren, nehmen sich dagegen fast spärlich aus.