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Wenn Bier auf Pfefferkuchen trifft

Ein süffiges Experiment zum Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt war rasant ausverkauft. Nun wird mehr gebraut.

Von Reiner Hanke

Es gibt Pfefferkuchenlikör, Pfefferkuchenbratwurst und -Glühwein. Aber warum eigentlich kein Bier? So oder so ähnlich waren wohl die Gedanken, als ein Pfefferküchler und ein Bierfreund vor einem Jahr auf dem Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt unterwegs waren. Jens Förster, Chef der Pfefferküchlerei E. C. Groschky, und Axel Schneider, ein bierbegeisterter Lehrer aus Kamenz. Jens Förster: „Ein Kenner der Bierszene.“ Der zerstreute auch leise Zweifel am Erfolg und stellte mit Frenzel-Bräu in Bautzen den Kontakt zu einer noch recht jungen Braumanufaktur her. Deren Anfänge liegen kurz nach der Jahrhundertwende.

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„Es musste ja ein Brauer mit Experimentierfreude sein, der auch etwas Verrücktes macht.“ Und es sollte etwas handwerklich Ausgereiftes aus der Region werden, war dem Kamenzer wichtig.

Da waren der Bierkenner und der Pfefferküchler an der richtigen Adresse. Brauereichef Tobias Frenzel steckt voller Ideen. Ein Blick auf die Angebotsvielfalt exotischer Sorten genügt. Das reicht vom Rauchbier bis zum Senf-Honig-Bier. Passend zur kommenden Wintersaison gibt es noch ein Festbier, eine Weihnachtsedition und Glühbier für kalte Tage. Alle 20 Reifetanks seien gut gefüllt mit 150 Hektoliter Bier. Das mit Pfefferkuchennote als Novität inklusive. So ist die gute Nachricht für alle, die sich keine Flasche mehr sichern konnten: Es wird nachproduziert. Noch im November will der Brauer die nächste Charge auf den Markt bringen, etwa 1 200 Flaschen, also die doppelte Menge. Grundlage dafür ist ein Bockbier, verrät der Brauer. Dann kommt der Pfefferküchler ins Spiel. Der backe nach dem Groschky-Originalrezept Pfefferkuchen extra für die nächste Phase. Beides reife dann gemeinsam im Tank zu dem Pfefferkuchen-Bier, erklärt Tobias Frenzel – von Hause aus Koch und Brauerei-Autodidakt. Jens Förster erklärt außerdem, dass damit auch die Röstaromen mit eingehen. Die Kombination von Bier und Pfefferkuchen sei auch wie gemacht füreinander. Tobias Frenzel schätzt ein: Der malzige Geschmack dieses Bieres mische sich auf der Zunge und gehe eine sehr harmonische Verbindung ein.

Im Januar begannen die Partner mit dem Experimentieren und Verkosten. Bis noch rechtzeitig vor dem Pfefferkuchenmarkt das perfekte Rezept feststand. Einmalig in der Region, ist sich Frenzel sicher. Weil eine kleine Brauerei auch flexibler und offener für solche Ideen ist. Das sei natürlich auch preislich eine andere Kategorie als Massenware. Schon, weil nicht so große Mengen gebraut werden im Manufakturbetrieb. Nun hat sich Braukunst mit Pfefferkuchenhandwerk verbunden. Und das Bier wird zwölf Monate nach den ersten Gedanken zum Pfefferkuchenmarkt ein Renner. Pfefferküchler Jens Förster ist selbst überrascht. Er hätte nicht gedacht, dass die Spezialität so einschlägt. So ein Experiment sei ja auch mit Risiken verbunden, der Start deshalb vorsichtig gewesen. Auf dem Pfefferkuchenmarkt habe er die Flaschen tatsächlich kontingentieren müssen, sagt Jens Förster. Am Sonnabend sei der Posten nach einer Stunde raus gewesen. Axel Schneider: „Wir waren überwältigt vom Ansturm“ auf das Bier. Er bedankt sich als Initiator des Pfefferkuchen-Bieres und auch im Auftrag der Pfefferküchlerei sowie des Brauers für die überwältigende Reaktion und bittet um Verständnis. Kleinere Handwerksbetriebe seien kein Braukonzern, der solche Aktionen langfristig planen und Marktstudien dafür einholen kann: „Für uns ist das Ganze ein Experiment.“ Das hätte auch scheitern und das Bier ein Ladenhüter bleiben können. Es sei schwer kalkulierbar gewesen. Doch es war ein Erfolg. So geht es, wenn ein Mathelehrer, ein Pfefferküchler und ein Brauer etwas ausbrüten. Und deshalb reift jetzt auch die zweite Ladung des Pfefferkuchenbieres. Der Brauer versichert zudem, es sei auch noch mehr möglich. Ob das Bier ganzjährig oder als Saisonprodukt gebraut werde, orientiere sich am Absatz. Es soll eventuell auch noch weitere Geschäfte geben, in denen die Spezialität angeboten wird. Er schaue sich deshalb momentan um, so Tobias Frenzel.

Jens Förster empfiehlt unterdessen, das Bier mit einer Temperatur von 12 bis 15 °C aus einem kleinen Rotweinglas Schluck für Schluck zu genießen und auch den Duft auf sich wirken zu lassen.

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