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Wenn blaue Bohnen locken

Die Saatguttauschbörse im Lindenhof Auterwitz hat Tradition. Dabei ist tauschen gar nicht unbedingt nötig.

© Dietmar Thomas

Von Helene Krause

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Auterwitz. Auf einem Tisch im Backhaus des Lindenhofs in Auterwitz stehen Kästchen und Gläser mit Bohnen, Ringelblumen, Hirse, Amarant, Mais und anderem Saatgut. Mit jeder Menge Samen ist Holger Burig zur Saatgutbörse gekommen. Der 49-jährige wohnt in Auterwitz und möchte helfen, die alten Sorten zu erhalten. Mitgebracht hat er verschieden Bohnen, auch blaue, außerdem schwarzen Hafer, Hirse und andere Raritäten. Auch eine große Kiste Maiskolben hat er dabei und Mehl aus deren Körnern. Den Mais hat er mit einer Handmühle gemahlen. „Für Hühner ist Mais gut“, meint er. „Er ist energiereich. Die Hühner setzen damit Fleisch an.“ Zu seinen Maissorten zählt auch bunter Mais. „Das ist Indianermais“, erklärt er. Desweiteren können Interessierte bei ihm Purpurweizen tauschen und den Samen der blauen arabischen Nacktgerste erstehen. Das Saatgut erntet er durch Abstreifen mit der Hand. Die Bohnen pult er selber aus. Obwohl er auch Kartoffeln anbaut, fehlte deren Saatgut auf der Börse. „Ich konnte die Kartoffeln nicht mitbringen“, sagt er. „Die sind nicht nach Sorten sortiert.“ Und wie er meint, haben die alten bunten Kartoffelsorten mehr Nährstoffe als die neu gezüchteten. Getestet hat er, wie er sagt, schon viele Sorten von Saatgut.

Sein Vater und seine Mutter unterstützen ihn bei seinem Hobby. „Im Garten habe ich das Sagen“, sagt er. „Meine Eltern haben nur ein Bohnenbeet. Aber sie helfen mir beim Ernten.“ Auf der Tauschbörse interessieren ihn vor allem Kräuter. „Ich möchte einen Kräutergarten für Kräutertee anlegen“ sagt er. Zum Saatgutgewinnen ist er gekommen, weil ihn die Landwirtschaft schon immer interessiert hat. Obwohl Buhrig gelernter Elektriker ist, arbeitet er jetzt in Pulsitz in einem Kuhstall.

Aus Pulsitz bezieht auch Claudia Eberlein den Roggen für das Brot, dass im Backhaus im Lindenhof in Auterwitz gebacken wird. Eberlein und die Interessengemeinschaft „Lebendige Vielfalt - Netzwerk zur Erhaltung der Kulturpflanzen“ organisieren die Saatguttauschbörse. „Wir nutzen den Backtag gleich für die Tauschbörse“, sagt sie. „Früh wird gebacken und am Nachmittag werden Samen getauscht. Der Backofen spendet dann noch Wärme.“

Die wievielte Saatguttauschbörse es ist, kann sie nicht genau sagen. „Die dritte oder vierte“, meint sie. „Bevor die Interessengemeinschaft die Tauschbörse veranstaltete, gab es sie schon im ehemaligen Ökohof Auterwitz. Sie soll zur Erhaltung alter Gemüsesorten und Blumenzüchtungen beitragen.“

Auf der Börse können nicht nur Sämereien getauscht oder verschenkt werden, sondern es werden auch Erfahrungen über Pflanzenstandorte, mögliche Krankheiten, natürliches Düngen und anderes weitergegeben. Auch wer kein Saatgut zum Tauschen mitgebracht hat, konnte Samen mit nach Hause nehmen.

Kristin und Frank Zimmermann sind mit ihren Kindern Emma und Björn nach Auterwitz gekommen. „Wir haben keinen Samen mitgebracht“, sagt Kristin Zimmermann. „Wir wollen aber Saatgut mitnehmen. Wir suchen etwas Besonderes für unseren Garten“.

Die Saatguttauschbörse in Auterwitz ist eine von 19 in Sachsen. Auf den Börsen wird nur samenfestes Saatgut getauscht oder verschenkt. Samenfest ist Saatgut dann, wenn aus ihm Pflanzen wachsen, die dieselben Eigenschaften und dieselbe Gestalt wie deren Elternpflanzen aufweisen. Diese Sorten können wie früher natürlich vermehrt werden.