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Pirna

Wenn Bücher sprechen können

Die Festung Königstein war zu DDR-Zeiten ein Jugendwerkhof. Mit einer besonderen Aktion wird an dieses Kapitel erinnert.

Jugendliche, die im Jugendwerkhof der Festung Königstein einsaßen, mussten sich beim Maiumzug in der Elbestadt präsentieren.
Jugendliche, die im Jugendwerkhof der Festung Königstein einsaßen, mussten sich beim Maiumzug in der Elbestadt präsentieren. © Archiv Festung Königstein

Die Festung Königstein hat ein dunkles Kapitel. Sie war nicht nur Waffenlager und Kriegsversteck, sondern auch Erziehungsanstalt für Hunderte von straffällig gewordenen Jugendlichen. Ein Fakt, der den wenigsten bekannt ist. Um an diese Zeit zu erinnern, arbeitet die Festung Königstein mit der aktuellen Ausstellung „Jugendwerkhof Königstein 1949 – 1955“ ein Stück eigene und zugleich DDR-Geschichte auf.

Um dieses Kapitel erlebbar zu machen, lädt die Festung für Donnerstag, 9. Mai, zu einer „Lebendigen Bibliothek“ ein. Diese wird gemeinsam mit dem Verein „Weltbewusst“ aus Gohrisch veranstaltet. Geplant ist unter anderem eine Gesprächsrunde mit Zeitzeugen und Menschen, die aus persönlicher Erfahrung etwas zum Jugendwerkhof und zum Leben in der DDR erzählen können.

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Besucher können in dieser besonderen Bibliothek allerdings nicht in Büchern lesen. „Die Bücher sind Menschen aus Königstein und Umgebung, welche die Nachkriegszeit und frühe DDR-Zeit noch miterlebt haben“, sagt Maria Pretzschner, Kuratorin der Ausstellung und Mitorganisatorin der Veranstaltung. „Aus ihren Erinnerungen erzählen sie von Not und Entbehrungen, von Besatzern und Flüchtlingskindern, von Diktatur und Zensur, aber auch von Abenteuern, Mutproben, Improvisationstalent und Zusammenhalt.“

Der wohl älteste Zeitzeuge ist der Pirnaer Historiker Hugo Jensch. Er ist 93 Jahre alt und war Lehrer eines Jungen, der im Jugendwerkhof einsaß. Auch mehrere Erzieher aus verschiedenen DDR-Kinderheimen kommen zu Wort. Andrea Hoppe, Vorsitzende des Königsteiner Vereins Malerwinkel, erzählt von einer Bekannten, die Insassin des geschlossenen Jugendwerkhofes in Torgau war. Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer will vom Alltag in der Stadt während der späten DDR-Zeit berichten.

Die Veranstaltung findet im Königsteiner „Malerwinkel“ statt. Im Anschluss an die Gespräche sind alle Teilnehmer dazu eingeladen, zusammen mit den Zeitzeugen auf die Festung Königstein zu gehen – ganz unter dem Motto „Der etwas andere Maiumzug – auf Spurensuche in Stadt und Festung Königstein“. „Der Umzug soll daran erinnern, dass die Insassen immer am 1. Mai von der Festung herunter in die Innenstadt kamen, um ihre Arbeiten aus den Lernwerkstätten zu präsentieren“, erklärt Kuratorin Maria Pretzschner. Die „Lebendige Bibliothek“ endet mit einer Führung und Diskussionsrunde in der Sonderausstellung.

Ein Bustransfer bringt die Teilnehmer nicht nur auf die Festung, sondern anschließend zurück in die Königsteiner Innenstadt. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gibt es nach den Gesprächen im „Malerwinkel“ einen Transfer zur Festung. Alle Veranstaltungsorte sind barrierefrei zugänglich. Durchgeführt wird die Aktion von „Weltbewusst“ und der Festung Königstein im Rahmen des Projektes „LebensWerte Sächsische Schweiz – Lebendige Bibliotheken im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge“. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. (Maria Schiekel)

Die „Lebendige Bibliothek“ beginnt um 9 Uhr. Das Ende ist gegen 14 Uhr geplant. Anmeldungen bei Juliane Dietrich unter Telefon 0177 6090254 oder an  [email protected].

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna und www.sächsische.de/sebnitz vorbei.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.