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Wenn das Auto zum Paketboten wird

Die Freitaler Firma SES Solutions entwickelt Dachboxen, die mehr können als nur Dinge transportieren

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Carina Brestrich

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Freital. Auf die Größe kommt es an: Ob für den Kinderwagen, die Sport-Ausrüstung oder das Urlaubsgepäck – „beim Autokauf gehört der Stauraum zu den wichtigsten Entscheidungskriterien“, sagt Serle-Johann Espig. Er selbst stieß mit dem Platz in seinem Auto bereits an Grenzen. „Für einen Skiurlaub haben wir deshalb eine Dachbox benutzt, zu zweit aber 30 Minuten mit der Installation zugebracht“, erzählt der Unternehmer. So kam die Idee zu seinem Start-up SES Solutions. Mit seinem Team entwickelte Espig eine faltbare Dachbox, die sich per Knopfdruck binnen Sekunden ausfahren lässt, und genauso schnell wieder verschwindet, wenn sie nicht gebraucht wird.

Vor vier Jahren gegründet, hat SES Solutions seit 2013 seinen Sitz im Freitaler Technologie- und Gründerzentrum (TGZ). Inzwischen zählt das Unternehmen sieben Mitarbeiter und visiert den nächsten Schritt an. Nach mehreren Jahren Anlaufzeit soll die Dachbox dieses Jahr in Serie gehen. „Unsere erste Fertigungslinie ist fertig“, sagt Espig. Die Firma hat dafür einen sechsstelligen Betrag investiert und zusätzliche Flächen im TGZ angemietet. „Die Markteinführung ist für den September geplant“, sagt Espig. Dann will die Freitaler Firma ihre Dachbox auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main vorstellen.

Espig sieht großes Potenzial hinter seinem Geschäftsmodell. Mit mehreren Automobilherstellern und Zulieferern ist er bereits im Gespräch, erste Patente sind erteilt. So kann die Dachbox für eine breite Palette an Autos angepasst werden – auch für kompaktere Modelle, die mit der zunehmenden Urbanisierung immer gefragter sind, erklärt Espig. Und nicht nur für sie ist die Dachbox interessant. Mit dem wachsenden Umweltbewusstsein der Kunden steigt auch das Interesse an Hybridfahrzeugen. „Durch die speziellen Motorensysteme verlieren viele Modelle bis zu einem Drittel an Kofferraumvolumen. Das kann über die Box ausgeglichen werden.“

Doch Espigs Idee geht noch weiter, über die reine Transportfunktion seines Produkts hinaus. „Die Dachbox ist interessant, um neue Wege beim Thema Spedition und Logistik zu erschließen“, erläutert Espig. Erste Automobilhersteller, Zusteller und Onlinehändler experimentieren bereits in diesem Bereich. In Kooperation mit dem Zusteller DHL testet etwa Smart derzeit in Berlin seine Autos als Ablagestation für Pakete. Auch der Online-Riese Amazon schaut sich nach neuen Wegen um, um seine Pakete unabhängig von DHL schnell zum Kunden zu bringen. „In Zeiten des Online-Handels wird der Druck immer größer, Pakete kostengünstig und so schnell wie möglich zuzustellen, am besten noch am selben Tag“, sagt Espig. Die Dachbox aus Freital könnte dabei helfen. Sie eigne sich nicht nur als sicherer Ablage- und Annahmeort für Pakete, sondern soll die Infrastruktur stellen für sogenannte Mitpackgelegenheiten. Mithilfe der Dachbox könnte dann jeder Autofahrer zum Paketkurier werden. So könne ein Versender einem Privatboten, der zum selben Zielort möchte, ein Paket zur Mitnahme in die Dachbox legen. Der Empfänger könne dann das Paket am Zielort aus der Box nehmen. Erste Alternativen in diese Richtung gibt es bereits. Sie sind preiswerter und flexibler als herkömmliche Paketdienste, mitunter aber bleiben Haftungsfragen offen. Da es sich aber nicht um den Kofferraum handelt, sieht Espig Lösungen, den privaten Versand über die Dachbox attraktiver zu machen. „Über eine App könnte man regeln, dass nur berechtigte Personen Zugang zu der Box bekommen und der Fahrer gar nicht mit der Ware in Berührung kommt.“

Auch wenn seine Überlegungen noch Zukunftsmusik sind – Espig ist davon überzeugt, dass es funktionieren kann. Und nicht nur er glaubt an seine Ideen. Das zeigt das Interesse an SES Solutions. Um frisches Geld für sein Unternehmen einzuwerben, hatte Espig eine Crowdinvesting-Kampagne gestartet. Das Prinzip: Über eine Internetplattform investieren viele kleine Anleger in eine Geschäftsidee und erhalten – bei Erfolg – eine Rendite. Und tatsächlich: Das Ziel, in 90 Tagen mindestens 50 000 Euro einzusammeln, hat SES Solutions erreicht. Die Aktion wurde jetzt sogar verlängert.