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Familie

Wenn das Kind Motorrad fahren will

Gerade 16 Jahre alt und schon Motorrad fahren? Für viele Eltern eine Horrorvorstellung. Experten raten zur Gelassenheit - und zu guter Ausbildung.

In der Fahrschule lernen Motorrad-Anfänger wichtige Grundlagen, um mit dem Bike sicher unterwegs zu sein.
In der Fahrschule lernen Motorrad-Anfänger wichtige Grundlagen, um mit dem Bike sicher unterwegs zu sein. © dpa/Lukas Schulze

Von Fabian Hoberg, dpa

Köln/Bonn. Wenn Jugendliche in der Pubertät unbedingt einen Motorradführerschein machen wollen, haben viele Eltern ein ungutes Gefühl. Doch was tun sie, wenn der Nachwuchs die motorisierte Freiheit auf zwei Rädern erleben will? Ein Verbot ist keine Lösung. Gut informieren, lautet die Devise - und die Kinder begleiten.

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Mit der Fahrerlaubnis A1 dürfen Jugendliche ab 16 Jahren Zweiräder mit 125 Kubikzentimeter (ccm) Hubraum und bis zu 11 kW/15 PS fahren. Den Führerschein-Unterricht dürfen sie mit 15,5 Jahren beginnen, das Dokument bekommen sie aber frühestens am 16. Geburtstag.

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Der sogenannte kleine Motorradführerschein kostet je nach Region und Zahl der Fahrstunden durchaus bis zu 2.000 Euro. "Das klingt teuer", sagt Kurt Bartels vom Fahrlehrerverband Nordrhein. Aber es sei eine Komplettausbildung, die etwa auch Fahrten in Dunkelheit oder auf der Autobahn beinhaltet. Ein Vorteil: Fängt man ein Jahr später an, den Autoführerschein (Klasse B) zu machen, hat man bereits Fahrpraxis - und benötigt in der Regel weniger Fahrstunden.

Die beste Fahrschule finden Schüler zum einen durch persönliche Empfehlungen von Freunden oder Bekannten. Zum anderen gibt es ein paar objektive Kriterien: "Von Vorteil ist es, wenn der Fahrlehrer in den ersten Fahrstunden seinen Schüler mit einem eigenen Motorrad begleitet und nicht im Auto hinterher fährt", sagt Bartels.

"Gut sind diejenigen Fahrschulen, die eine gewisse Affinität zu Motorrädern haben", bestätigt auch Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Im jugendlichen Alter entwickle sich das Gefahrenbewusstsein für den Straßenverkehr erst. "Junge Fahrer müssen deshalb intensiv geschult werden, damit sie immer mit der Dummheit aller anderen Verkehrsteilnehmer rechnen", sagt Bente.

Ordentliche Motorrad-Schutzkleidung ist teuer

Das Thema Fahrsicherheit sollte im Unterricht also ganz besonders im Fokus stehen. Dazu zählt das Bewusstsein für defensives Fahren ebenso wie falsch eingeschätzte Geschwindigkeit - und Sturzgefahr.

Bevor sich Schüler zum Unterricht anmelden, sollten sie sich das Fahrschulmotorrad zeigen lassen und Probe sitzen. "Die Sitzposition muss bequem sein und der Fahrer muss mit beiden Füßen vollständig den Boden berühren", sagt Bartels.

Die Schutzkleidung sollte passen und in gutem Zustand sein. Dazu zählen Helm, Stiefel, Hose, Handschuhe und Jacke mit integriertem Rückenprotektor. Am besten sei es, wenn der Fahrer sie selbst schon hat und mitbringt, so Bartels. "Denn diese passt einwandfrei." Dafür muss man allerdings mehrere Hundert Euro einkalkulieren. Wer das Geld nicht hat, dem stellen die Fahrschulen die Ausrüstung.

Typische Einsteigermaschinen in der 125ccm-Klasse sind die Honda CB 125, Honda MSX 125, KTM 125 Duke, Yamaha YZF-R 125, Yamaha MT-125 und Vespa Sprint 125. Bei neueren Maschinen zählt das Antiblockiersystem ABS zum Serienumfang, eine Traktionskontrolle ist nach Meinung der Experten aber wegen der geringen Leistung nicht erforderlich. Sie verringert das Risiko durchdrehender Reifen beim Beschleunigen, wodurch das Heck ausbrechen kann (Highsider-Stürze).

Wer Angst hat, sollte gar nicht erst aufsteigen

Am wichtigsten ist bei allen Maschinen die Sitzposition. Der Fahrer muss mit der Maschine gut zurechtkommen und entspannt fahren können, also angstfrei und mit Spaß an der Sache.

Wenn ein Fahrschüler Angst vor dem Motorradfahren hat, solle er es lieber lassen oder sich damit intensiv auseinandersetzen. "Ängste zu ignorieren, ist schlecht, da man sie nicht verdrängen kann. Wer damit Motorrad fährt, handelt unvernünftig", erklärt Daniela Rechberger, Diplom-Psychologin und MPU-Beraterin aus Köln.

Eltern rät Rechberger, sich ebenfalls mit der Fahrschule zu beschäftigen und vielleicht selbst ein paar Fahrstunden zu nehmen. Ihre Kinder könnten sie außerdem unterstützen, indem sie weiter über die Gefahren sprechen und ihnen etwa nach der bestandenen Prüfung ein Fahrsicherheitstraining spendieren. Ihnen zu verbieten, den Führerschein zu machen, sei dagegen wenig hilfreich. 

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