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Wenn das Springkraut in den Himmel wächst

Anlieger der Lockwitz haben Sorge, dass sie beim nächsten Wolkenbruch Probleme bekommen.

© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Reinhardtsgrimma. Direkt hinter dem Haus der Familie Sobottka fließt der Lockwitzbach. Eigentlich. Denn durch die Hitze ist der Bach zu einem Rinnsal geworden. Zu sehen ist er nicht. Das Bachbett ist mit Springkraut zugewachsen. Das steht inzwischen so hoch, dass Dietmar Sobottka Mühe hat, es auszumessen. Sein zwei Meter langer Zollstock reicht nicht aus. „Das Kraut steht drei Meter hoch“, sagt der Reinhardtsgrimmaer.

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Das sieht nicht nur unschön aus. Die Sobottkas machen sich auch Sorgen. So befürchten sie, dass sich die Samen des Krauts in den nächsten Wochen ausbreiten und auch in ihrem Grundstück keimen werden. Und auf eine Unkrautplage haben sie keine Lust, sagt Charlotte Sobottka, die einen kleinen Laden mit Bürobedarf betreibt. Noch größer ist die Sorge, dass das Kraut den Abfluss des Wassers behindern könnte. Das dürfte beim nächsten Starkregen relevant werden.

Dass man damit auch in Reinhardtsgrimma rechnen muss, wissen hier viele. Die Erinnerungen an die tagelangen Regengüsse im August 2002 und im Juni 2013 sind unvergessen. Auch hier gab es Schäden. Deshalb sind die Reinhardtsgrimmaer sensibel geworden. „Ich habe in der Landestalsperrenverwaltung angerufen“, sagt Charlotte Sobottka. Dort habe sie auf die Zustände im Bachbett hingewiesen. Eine zufriedenstellende Antwort habe sie nach eigener Auskunft nicht erhalten. „Ich sollte mein Anliegen schriftlich einreichen“, berichtet sie.

Auch der Ortschaftsrat hat sich über die Lockwitz unterhalten – zum wiederholten Mal, sagt Ortsvorsteher Jochen Liebe (CDU). Denn mit dem hochgewachsenen Springkraut habe man es nicht zum ersten Mal zu tun. „Es ist wie jedes Jahr“, sagt der Ortschef. Die Ortschaftsräte haben die Stadt Glashütte gebeten, die Landestalsperrenverwaltung (LTV) zum Handeln zu drängen. Doch das war offenbar nicht notwendig.

Bei der LTV ist das Problem bekannt, versichert Pressesprecher Ronny Wecke. Allerdings kenne man das nicht nur aus dem Osterzgebirge. „Es gab und gibt Hinweise auf starken Bewuchs in allen Gewässern.“ Die LTV bemühe sich, Abhilfe zu schaffen. Da man für die Uferpflege auf insgesamt 625 Kilometern zuständig sei, müssten die Arbeiten geplant werden. „Der Rhythmus wird insbesondere durch die Wirtschaftsplanung, die Witterung und naturschutzfachliche Randbedingungen vorgegeben“, erklärt Wecke. Für den Lockwitzbach sei vorgesehen, dass dieser einmal im Jahr gepflegt wird. Zuletzt sei das 2017 geschehen. Die nächste Vegetationspflege ist in den nächsten Wochen geplant, konkret vom 6. bis zum 10. August.

Sollte es vorher ein Unwetter geben, dass einen rapiden Anstieg des Pegels zur Folge hat, dann sollte es in Reinhardtsgrimma nach den bisherigen Erfahrungen nicht zu Problemen kommen. „In der Regel legt sich das Springkraut bei höheren Abflüssen um“, sagt Ronny Wecke.