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Wenn das Wasser knapp wird

Im Osterzgebirge haben viele Orte auf eine zentrale Wasserversorgung verzichtet. Ein Dorf schwenkt jetzt offenbar um.

© picture alliance / dpa

Von Maik Brückner

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Glashütte. In Johnsbach wird derzeit viel diskutiert. Es geht sehr oft ums Trinkwasser. Das wurde in den letzten Monaten in vielen Häusern – vor allem im Unterdorf – knapp. Denn hier versorgen sich alle Anwohner ausschließlich mit Brunnenwasser. Nach der langen Trockenheit versiegten viele Brunnen. „Ich kenne drei Familien, die große Probleme hatten“, sagt Ortsvorsteher Udo Herm (Wählervereinigung Johnsbach).

Er hofft, dass es solche Schwierigkeiten in naher Zukunft nicht mehr gibt. Denn die Johnsbacher im Unterdorf bekommen jetzt die Chance, ans Trinkwassernetz angeschlossen zu werden. Den Anstoß dafür gab die Stadt Glashütte, die derzeit zusammen mit dem Landratsamt die Ortsdurchfahrt erneuert und einen neuen straßenbegleitenden Fußweg im Ort baut. Das eröffnet Möglichkeiten, erklärte Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) unlängst. Das Unterdorf könnte ans Trinkwassernetz angeschlossen werden. Der Trinkwasserversorger, die Weißeritzgruppe, sei bereit, zu investieren. Damit der Wasseranschluss im Unterdorf erschwinglich wird, ist die Stadt Glashütte bereit, das mitzufinanzieren.

Derzeit gibt es keine Förderprogramme. Allerdings knüpft die Stadt ihr Angebot an Bedingungen. Geld gibt es nur, wenn sich eine deutliche Mehrheit der betroffenen Haushalte für den Anschluss ausspricht. Nur so rechnet sich das Verlegen für alle Beteiligten. Das weiß auch der Ortschaftsrat. Deshalb führt er seit Wochen Gespräche mit den Betroffenen.

Was der Anschluss kostet

Im Glashütter Rathaus geht man derzeit davon aus, dass rund 260000 Euro gebraucht werden, um das Johnsbacher Unterdorf ans zentrale Netz anzuschließen. Die Stadt würde 130000 Euro übernehmen.

Würden alle Haushalte mitmachen, müsste jeder etwa 2160 Euro für die Hauptleitungen bezahlen. Ist die Zahl geringer, wird es teurer.

Hinzu kämen noch die Kosten für den Hausanschluss. Diese liegen je nach dem Abstand zur Hauptleitung zwischen 1280 Euro (bis fünf Meter Abstand zur Hauptleitung) und 2050 Euro (bis 15 Meter Abstand). (SZ/mb)

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Ende Oktober hatten sich 21 der 59 angeschriebenen Haushalte für das Angebot ausgesprochen. Inzwischen sind es 32. Das ist der Verwaltung zu wenig „Zur Realisierung des Vorhabens ist die Beteiligung der übergroßen Mehrheit der Grundstücke notwendig“, sagt Dreßler. Deshalb bekommen all jene, die sich bisher noch nicht für den Anschluss entschieden haben, Post vom Rathaus. Bis zum 6. Dezember sollen sie sich positionieren. Ortsvorsteher Herm ist zuversichtlich, noch mehr für den Trinkwasseranschluss zu gewinnen. Letztlich könnte es damit gelingen, die Bedingungen für die Johnsbacher zu vereinheitlichen. Denn bisher ist der Ort dreigeteilt. Im Mitteldorf gibt es eine zentrale Trinkwasserversorgung, die zu DDR-Zeit entstanden ist. Als die Weißeritzgruppe diese Anlage in den 1990er-Jahren übernahm und mit dem Speicher Altenberg verbunden hat, wurde im Oberdorf eine Hauptwasserleitung verlegt. Viele nutzten das, um sich ans Netz anzuschließen. Herm schätzt, dass gegenwärtig im Mitteldorf die übergroße Mehrheit am Netz ist, im Oberdorf ist es etwa die Hälfte. „In den letzten Wochen wurden drei weitere Häuser ans Netz angeschlossen“, so Herm. Das sei möglich gewesen, weil dort die Straße erneuert wird und eine Hauptwasserleitung im Erdreich liegt.

Chance kommt nicht gleich wieder

Die Entwicklung in Johnsbach wird auch im Stadtrat mit Interesse verfolgt. In der jüngsten Stadtratssitzung riefen mehrere Räte die Johnsbacher auf, diese Chance zu nutzen. CDU-Stadtrat Gotthard Müller appellierte an die Johnsbacher, für die Anbindung ans zentrale Netz zu stimmen. „Wasser ist Leben“, sagte er. Er sei zwar kein Klimaforscher, sagte der Luchauer. Doch es sei eine Tendenz sichtbar. Der Klimawandel wird auch im Osterzgebirge dafür sorgen, dass es öfters lange, trockene Sommer geben wird. Deshalb sollten die Bewohner im Unterdorf nicht zögern. Ähnlich sieht es Klaus Köhler (Wählervereinigung Reinhardtsgrimma). Der Oberfrauendorfer riet jedem, sich die Entscheidung gut zu überlegen. Ein Brunnenbau sei nicht billig und letztlich auch keine Garantie, dass man das ganze Jahr ausreichend Trinkwasser in der gewünschten Qualität habe. So könne es passieren, dass im Ort immer mehr neue, tiefere Brunnen gebohrt werden. Wer dazu in der Lage ist, könne seine Trinkwasserversorgung sicherstellen. Das Nachsehen haben unter Umständen die Nachbarn, weil deren nicht ganz so tiefe Brunnen versiegen. Deshalb regte Köhler an, dass sich die Johnsbacher Ortschaftsräte Experten einladen, damit die den Bürgern die Hintergründe zum Grundwasser und zur Geologie erklären.

Und das will Ortsvorsteher Udo Herm tun. Er hat am 22. November eine Ortschaftsratssitzung einberufen, in der es auch um die Trinkwasserversorgung geht. Dazu erwartet er Vertreter des Trinkwasserversorgers, Mitarbeiter des Glashütter Bauamtes und Bürgermeister Dreßler. Herm hofft, dass sie Argumente mitbringen, die die noch Unentschlossenen vom Anschluss an das Trinkwassernetz überzeugen. Stadtrat Thomas Flasche (CDU) hofft, dass die Johnsbacher die Zukunft im Blick haben. Wie will man junge Familien ins Dorf locken, wenn die dort Wasser aus Brunnen fördern müssen? Vor allem Städter dürfte das irritieren, sagt er. Verwundert werde sich der ein oder andere fragen: „Was, hier gibt es Breitband, aber kein Wasser aus der Trinkwasserleitung?“