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Familie

Wenn der Finger zum Kasper wird

Mit einfachen Puppenspielen können Familien kleine häusliche Höhepunkte schaffen. Und nebenbei werden Kommunikations- und Lernfähigkeit gefördert.

Kleine Höhepunkte im Alltag sind gerade in diesen schwierigen Zeiten wichtig. Fingerpuppen sind schnell selbst gemacht und Kinder haben Spaß am Spiel.
Kleine Höhepunkte im Alltag sind gerade in diesen schwierigen Zeiten wichtig. Fingerpuppen sind schnell selbst gemacht und Kinder haben Spaß am Spiel. © Adobe Stock/Natallia

Ein klassisches Puppentheater – so mit Kasper, Gretel und Großmutter – gehört längst nicht mehr zur Grundausstattung eines Kinderzimmers. Auch „modernere“ Formen spielen in den wenigsten jungen Familien eine Rolle. Was nicht heißt, dass Puppenspiel heutige Kids nicht mehr begeistern kann. „Selbst von einfachsten Geschichten mit improvisierten Puppen lassen sich Kinder oft mehr mitreißen als vom technisch perfektesten Film“, sagt die Erzieherin Elke Langheim. „Allerdings brauchen sie unbedingt eine Anregung. Es genügt nicht, ihnen einen Beutel Handpuppen hinzulegen.“

Nach dem Besuch einer Puppenbühne oder dem Überraschungsauftritt der Eltern zum Kindergeburtstag, so beobachtet es die Erzieherin, haben die meisten Kinder Lust aufs Ausprobieren und Nachmachen. Gerade in Zeiten wie diesen braucht es aber keinen besonderen Anlass, um einen solchen kleinen familiären Höhepunkt zu schaffen. Eine Decke im Türrahmen genügt vorerst als „Versteck“ für den oder die Puppenspieler. Und wer keine Handpuppen mehr auf dem Dachboden findet, bastelt sich die Figuren ganz einfach selbst.

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Dabei kommt es keineswegs auf Perfektion an, und je einfacher die Figur, desto besser lässt sie sich gerade von kleineren Kindern handhaben. „Unter Fünfjährige kommen erfahrungsgemäß am besten mit Fingerpuppen zurecht“, sagt Elke Langheim. „Wer sie nicht selbst herstellen kann, findet sie in großer Auswahl im Internet.“ Wichtig sei allerdings, dass sie zu einer Geschichte passen, die der Nachwuchs besonders mag. „Denn gerade im Vorschulalter braucht es keine große Abwechslung. Die Kinder lieben die häufige Wiederholung. Damit legen sie auch einen Grundstein dafür, später leichter Gedichte und anderen Lernstoff zu behalten.“

Episoden aus dem Lieblingsbuch

Nach wie vor eignen sich vor allem Märchen – oder auch Episoden aus dem Lieblingsbuch des Kindes. Wer für Letzteres keine ausreichend passenden Figuren findet, kann sich behelfen, in dem er Zeichnungen aus dem Buch kopiert, sie auf Pappe aufklebt und an einem Stock oder Löffel befestigt. „Die Eltern werden staunen, wie wortgetreu die Kleinen manche Texte beherrschen“, so die Erzieherin.

Übrigens muss man Puppentheater keinesfalls unbedingt in der traditionellen verdeckten Form spielen. Die heute von vielen Bühnen bevorzugte offene Spielweise – bei der die Spieler zu sehen sind und sogar als Kulisse oder Akteure mitwirken –, macht mindestens genauso viel Spaß. Und lässt sich noch flexibler praktizieren: beispielsweise am Bett als Gute-Nacht-Geschichte. Unterwegs oder im Wartezimmer können selbst die mit Filzstift angemalten bloßen Finger zu „Darstellern“ werden.

Puppen als „Vorbilder“

Puppen müssen auch nicht immer nur Akteure in einem „Theaterstück“ sein: Als Gesprächspartner und „Vorbilder“ der Kinder können sie deren Entwicklung ebenfalls sehr gut fördern. Denn neben der Entwicklung von Sprache und Kommunikation helfen Puppen auch, einfache Verhaltensregeln wie das Benehmen am Tisch einzuüben oder einen weniger angenehmen Arztbesuch spielerisch vorzubereiten. Manche Kinder sprechen ihre Sorgen und Ängste über den Umweg Handpuppe leichter aus als im direkten Gegenüber mit Eltern oder Erziehern. Und kuschelige Tier-Handpuppen eignen sich nicht zuletzt zum Schmusen, als Bettgenossen und Tröster.

Spielpuppen schnell gemacht

  • Einfachste Form, vor allem für unterwegs, ist das Anmalen der Finger mit einem (leicht abwaschbaren) Stift.
  • Eine Stabpuppe entsteht zum Beispiel, wenn man über einen Quirl oder Kochlöffel ein Stück Stoff legt und es am Ansatz des Stiels abbindet. Das Gesicht wird dann aufgemalt oder –geklebt.
  • Oder man kopiert bzw. paust Figuren aus Bilderbüchern, schneidet sie aus, klebt sie auf Pappe und befestigt sie an einem Stöckchen oder Löffelstiel.
  • Fingerpuppen lassen sich aus Stoffresten schnell – auch ohne Maschine – zusammennähen. Bei der Form sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
  • Handpuppen sind schon etwas komplizierter zu basteln und zu spielen. Wer es trotzdem versuchen möchte: Es gibt auch spezielles Zubehör zu kaufen.   
Ein Kochlöffel oder Schasch­lik-Spieß kann schnell zu einer Spielpuppe umfunktioniert werden.
Ein Kochlöffel oder Schasch­lik-Spieß kann schnell zu einer Spielpuppe umfunktioniert werden. © Adobe Stock/Konstantin Yuganov

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