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Wenn der Mond verschwindet

Am Freitag ist am Sternenhimmel einiges los. Hobby-Astronomen laden zum gemeinsamen Beobachten.

© Thomas Wolf

Von Maik Brückner und Daniel Förster

Glashütte/Graupa. Hobby-Sternengucker fiebern seit Längerem einem großen astronomischen Ereignis entgegen – der totalen Mondfinsternis am 27. Juli. Diese beginnt ähnlich wie die Mondfinsternis am 7. August 2017 unmittelbar nach Mondaufgang. „Doch dieses Mal ist die Konstellation etwas Besonderes“, sagt Jörg Klein.

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Der Hobby-Astronom wohnte viele Jahre in Glashütte, ist nun nach Ruppendorf umgezogen. „Letztes Jahr betrug die Bedeckung durch den Kernschatten nur ein Viertel des Monddurchmessers, und das Schauspiel war mit Einbruch der Dunkelheit auch schon wieder vorüber“, sagt er. Doch diesen Freitag läuft der Mond, wenn er um 21 Uhr im Südosten aufgeht, gerade erst in den Kernschatten hinein. Immer mehr verschluckt dieser vom linken Rand her den Mond. Ab 22 Uhr ist der Erdtrabant dann vollkommen verdeckt. Die maximale Verfinsterung wird 22.22 Uhr mitteleuropäischer Zeit erreicht sein. Ab 22.30 Uhr hebt sich der dunkelrote, kupferfarbene Mond vom Nachthimmel ab und gibt diesem Ereignis seinen eigentlichen Reiz.

Denn es kommt ein wenig Sonnenlicht zum Mond. Der Grund ist die Streuung des Sonnenlichts in der Erdatmosphäre, so Klein. Der blaue Anteil des Lichts verbleibt in den Luftschichten und gibt unserem Himmel das gewohnte azurblau. Der rote Anteil des Sonnenlichtes durchdringt unsere Lufthülle, wird aber durch die Atmosphäre in Richtung Mond abgelenkt und erhellt diesen unmerklich. Mit der fortschreitenden Dämmerung wird dieser zarte Schein immer deutlicher.

Mondgucken mit Experten

Hobby-Astronom Jörg Klein lädt am Freitag ab 21.30 Uhr zum Beobachten nach Ruppendorf ein. Er wird sich nahe des Futtermittelwerkes an der Straße zur Milchviehanlage mit seinem Fernrohr positionieren.

In Graupas wiederbelebter Sternwarte treffen sich am Freitag ab 19 Uhr Interessenten, um das Spektakel zu verfolgen. Das Gebäude befindet sich hinter der Grundschule an der Badstraße. Zu erreichen ist es allerdings über den Schönfelder Weg.

Gunter Baumann vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Tharandter Wald lädt am Freitag ab 20.45 Uhr an den Zeisigweg (nahe der Freiberger Straße) nach Kurort Hartha ein, um das Spektakel zu beobachten.

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Knapp unter dem Mond zeigen sich der leuchtend rote Mars sowie weiter westlich der Jupiter. Der Mars wird dabei seine größte überhaupt mögliche Helligkeit erreichen, die sogar den Jupiter an Glanz übertreffen wird. Der Mars wird zu einem auffällig hellen Gestirn. „Beide Planeten geben einen passenden Rahmen“, sagt Klein. Von Mitternacht an bis 1 Uhr morgens beginnt sich der Mond vom linken Rand her wieder zu erhellen. Da sich das Geschehen horizontnah in der Dämmerung abspielt, dürften Fotografen voll auf ihre Kosten kommen.

Spektakel dauert 103 Minuten

Die Finsternis dauert exakt 103 Minuten. Damit ist sie die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Die nächste totale Mondfinsternis wird es erst am 9. Juni 2123 geben. Die dauert dann noch zwei Minuten länger. Es gibt noch mehr gute Gründe, das Spektakel zu beobachten. Während eine helle Vollmondnacht eher ungeeignet für die Sternbeobachtung ist, bietet sich am Freitag die Gelegenheit, mit dem Fernrohr nicht nur die Planeten Mars und Jupiter, sondern auch die Venus und den Saturn zu sehen. Gegen 22.30 Uhr wird auch die Internationale Raumstation auftauchen, auf der der deutsche Astronaut Alexander Gerst mitfährt. Dessen zweite Langzeitmission begann am 6. Juni und soll bis zum Dezember dauern. Das Besondere: Während dieses Fluges soll er als erster Deutscher für zwei Monate auch die Funktion des Kommandanten übernehmen.

Wer ein Fernrohr besitzt, sollte es also aufstellen. „Generell sollte ein Beobachtungsplatz mit wirklich freier Horizontsicht gewählt werden, da der Mond gewissermaßen nur ‚eine Handbreit Höhe‘ erreicht“, erklärt Jörg Klein. Und wer noch mehr über diese ungewöhnliche Konstellation erfahren will, kann sich Hobby-Astronomen anschließen, die zum gemeinsamen Beobachten einladen. Jörg Klein lädt auf eine kleine Anhöhe bei Ruppendorf ein. Die Glashütter Sternwarte eignet sich nicht dazu, sagt er. Denn das Geschehen spielt sich sehr horizontnah ab. Und das lässt sich von der Sternwarte, die von einem kleinen Wald umgeben ist, nicht beobachten. In Graupa dagegen, wo zu DDR-Zeiten in einer Volkswirtschaftlichen Masseninitiative eine Schulsternwarte errichtet wurde, sieht’s günstiger aus.

Eigentlich kann nur das Wetter den Hobby-Astronomen einen Strich durch die Rechnung machen. Henry Geyer vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig verbreitet leichten Optimismus. Die Nacht zum Sonnabend wird warm. Am Anfang werden um die 25 Grad vorherrschen, später kühlt es sich auf 22 Grad ab. „Ideal, um draußen zu sitzen“, sagt er. Nach den bisherigen Prognosen wird es aber im Osterzgebirge Quellwolken am Himmel geben, allerdings mit Lücken, sodass sich das Spektakel beobachten lässt. „Im Bergland kann es auch Gewitter geben“, sagt Geyer. Auch mit dem einen oder anderen Schauer sei zu rechnen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es regnen wird, liegt zwischen zehn und zwanzig Prozent“, sagt Norbert Märcz vom Wetterverein Zinnwald. Keiner könne vorhersagen, wo es den Regen geben wird.