Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Wenn die Bläschen kommen

Die Hand-Mund-Fußkrankheit tritt häufiger auf. Dabei war sie in der Region Kamenz lange fast gar nicht bekannt.

Teilen
Folgen
NEU!
© Nicole Preuß

Von Nicole Preuß

Kamenz. Die ersten Anzeichen sind leichtes Fieber, Halsschmerzen oder auch einfach keinen Appetit. Doch dann kommen sie – die Bläschen und Pusteln. Sie zeigen sich am und im Mund, an den Händen und Armen, an den Füßen und Beinen. Manchmal auch noch an anderen Stellen. Viele Eltern wissen dann schon: Hand-Mund-Fuß. Die ansteckende Kinderkrankheit kommt in den Kitas und Schulen der Region immer häufiger vor. Dabei trat sie bis vor ein paar Jahren scheinbar noch gar nicht auf. Immer wieder hören Eltern: „Das gab’s bei uns früher nicht.“

Die Kindergärten und Schulen stellen sich darauf ein. Sie machen Aushänge, wenn die Kinderkrankheit mal wieder aufgetreten ist. Sie bekommen Merkblätter vom Gesundheitsamt, die auf die Anzeichen und Übertragungswege aufmerksam machen. Und immer wieder heißt es in der Familie oder unter Freunden: „Ja, meiner hatte mal wieder Hand-Mund-Fuß.“

Kitas müssen Erkrankung melden

Die Krankheit ist im Gegensatz zu Kinderkrankheiten wie Masern oder Röteln nicht meldepflichtig. Deshalb weiß das Gesundheitsamt des Landkreises auch nicht genau, wie oft die Krankheit tatsächlich auftritt und wie viele Kinder früher erkrankt sind. „Trotzdem haben wir auch das Gefühl, dass die Krankheit zunimmt“, sagt die Sachgebietsleiterin Jugendärztlicher Dienst Ulrike Menzel. Sie stützt die Vermutung auf die Tatsache, dass Kitas dem Gesundheitsamt melden müssen, wenn mindestens zwei Kinder in der Einrichtung gleichzeitig erkrankt sind. „Wir müssen aber trotzdem damit rechnen, dass nicht alles gemeldet wird. Deshalb gibt es keine echten Zahlen“, sagt Ulrike Menzel.

Die Krankheit wurde bereits 1948 zum ersten Mal beschrieben und das Virus, das sie auslöst, 1969 identifiziert. Eine Erklärung dafür, weshalb viele das Virus trotzdem nicht kennen, existiert nur ansatzweise. „Erkrankungen wandeln sich. Es gibt Gipfel in den Erkrankungszahlen und dann ist wieder gut“, sagt die Ärztin Ulrike Menzel. Dabei kann es natürlich auch regionale Unterschiede geben, da die Krankheit über Viren übertragen wird. Außerdem hat die öffentliche Aufmerksamkeit für die Krankheit zugenommen. Eltern und Erzieher kennen die Symptome und bringen oder schicken die Kinder eher zum Arzt.

Kind wird krank geschrieben

Dazu kommt: Viele Kinder fühlen sich während der Krankheit nur vorübergehend schlecht oder gar nicht. Die Erkrankung zeigt sich dann nur in den roten, nicht juckenden Pusteln. Eine Medizin braucht das Kind meist nicht. Es wird aber in der Regel vom Arzt krank geschrieben und darf die Kita oder die Schule nicht besuchen. Das hilft laut Informationen des Robert-Koch-Instituts aber nur bedingt. Es gibt auch kein gesetzliches Verbot für den Besuch von Kita oder Schule.

80 Prozent der Infizierten zeigen zudem überhaupt keine Symptome. Die Virusmenge in der Einrichtung werde zwar durch Krankschreibungen reduziert. Trotzdem können die Viren selbst noch Wochen nach dem Verschwinden der letzten Pusteln über den Stuhl ausgeschieden werden. Ulrike Menzel vom Landratsamt sieht in der Krankschreibung trotzdem ein gutes Mittel. „Wir müssen versuchen, Infektketten zu unterbrechen“, sagt Ulrike Menzel. „Da haben Eltern auch eine Verantwortung den anderen Kindern gegenüber.“

Händewaschen hilft

Die Krankheit kann auf verschiedenen und relativ einfachen Wegen übertragen werden. Niesen und Husten sind zwei Möglichkeiten. Das Sekret aus den Bläschen überträgt das Virus ebenfalls, genauso wie Stuhl. Selbst ein Spielzeug oder eine Türklinke, die von einem kranken Kind berührt wurden, können die Erreger weitergeben. Ein Kind kann die Krankheit immer wieder bekommen. Es ist zwar gegen den einen Enteroviren-Typ immun, den es überwunden hat, doch die Krankheit kann von verschiedenen Enteroviren ausgelöst werden.

Erwachsene bekommen die Krankheit in der Regel nicht, heißt es. Es kann trotzdem vorkommen, dass sie erkranken. „Viele hatten dann möglicherweise einen engen Kontakt zum Kind oder ihr Immunsystem ist nicht intakt“, sagt Ulrike Menzel. Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn sich Schwangere kurz vor der Geburt damit infizieren. Sie könnten das Virus auf das Neugeborene übertragen.

Die Spielregeln, an die man sich halten sollte, um nicht zu erkranken, sind die gleichen, wie bei anderen Viruserkrankungen. Ein eigenes Handtuch ist förderlich. Besteck und Tassen sollte man natürlich auch nicht unbedingt mit einem infizierten Kind teilen. „Und Hände waschen ist das A und O. Normales Händewaschen ohne Desinfektionsmittel reicht aber“, sagt Ulrike Menzel. Und dann kann man nur noch abwarten. Drei bis zehn Tage lang ist die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit.