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Wenn die Erde bebt

Der kleine Ort Stroga feiert sein Musikfestival. „Das hat Niveau“, sagen selbst ältere Einwohner.

© Kristin Richter

Von Thomas Riemer

Stroga. Cora Schöneich ist selig. Der Riesen-Calamaris, den sie mit ihren Mitstreitern im früheren Schweinestall installiert hat, ist rechtzeitig fertig geworden. Knallrot hebt er sich ein wenig von den anderen Kunstprojekten ab. Getreu dem Motto „Unterwasserwelt“ des diesjährigen Stroga-Festivals dominiert eher meeresblau. Farbenfroh ist das Gesamtensemble allemal, bereichert durch verschiedene Effekte, exotisch anmutende Sitzgruppen, Mitmachangebote. Sandy, Franz, Winni und noch mal Franz haben es sich bequem gemacht. Aus Löbau sind sie ins beschauliche Stroga gekommen, zum dritten Mal bereits. „Hier ist es einfach cool“, sagt Winni. Schon bald macht sich das Quartett auf den Weg zu einem der vier Floors, auf dem an zwei Tagen quasi ohne Unterbrechung wahrlich harte Klänge aus den Boxen knallen. „Los, abtanzen“, fordert Sandy ihre drei Freunde auf.

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Impressionen vom Stroga-Festival

Die lustige Idee „Push the Button“Bei der die Festivalbesucher sich selbst fotografieren können und die Bilder dann ausdrucken lassen, gehörte zu den Rennern. Hier ist es eine Gruppe aus Radeburg, die den einmaligen Moment dokumentiert bekommt.
Die lustige Idee „Push the Button“Bei der die Festivalbesucher sich selbst fotografieren können und die Bilder dann ausdrucken lassen, gehörte zu den Rennern. Hier ist es eine Gruppe aus Radeburg, die den einmaligen Moment dokumentiert bekommt.
Verspielt und scheinbar grenzenlos sind die Kunstprojekte des Festivals. Der knallrote Riesen-Calamaris ist einer der Farbtupfer in der „Unterwasserwelt“.
Verspielt und scheinbar grenzenlos sind die Kunstprojekte des Festivals. Der knallrote Riesen-Calamaris ist einer der Farbtupfer in der „Unterwasserwelt“.
Das diesjährige Motto "Unterwasserwelten"  inspirierte auch die Besucher  Matthias, Sandy und Riccardo waren aus Riesa angereist und hatten ihre herrlichen Matrosenkostüme im virtuellen Kostümverleih gefunden.
Das diesjährige Motto "Unterwasserwelten" inspirierte auch die Besucher Matthias, Sandy und Riccardo waren aus Riesa angereist und hatten ihre herrlichen Matrosenkostüme im virtuellen Kostümverleih gefunden.
Die lustvolle künstlerische Gestaltung des Geländes zum diesjährigen Thema war verspielt und schier grenzenlos.  Das fanden auch Sylvia Junghanß und Heike Ehresmann,  die Muttis aus Stroga. Sie helfen jedes Jahr begeistert mit, basteln Strohpuppen und betreuen die Duschen.
Die lustvolle künstlerische Gestaltung des Geländes zum diesjährigen Thema war verspielt und schier grenzenlos. Das fanden auch Sylvia Junghanß und Heike Ehresmann, die Muttis aus Stroga. Sie helfen jedes Jahr begeistert mit, basteln Strohpuppen und betreuen die Duschen.
Sandra Striegler aus Meißen
Sandra Striegler aus Meißen
Sandra Jahn aus Meißen
Sandra Jahn aus Meißen
Von links : Luisa, Frank, Ole und Stephan aus Dresden und Zabeltitz sind treue Besucher des Festivals.
Von links : Luisa, Frank, Ole und Stephan aus Dresden und Zabeltitz sind treue Besucher des Festivals.
Kai und Leo kündigen mit ihrem Schild den nächsten DJ auf der Hauptbühne an.  Quentin und seine Lampe.
Kai und Leo kündigen mit ihrem Schild den nächsten DJ auf der Hauptbühne an. Quentin und seine Lampe.
Mandy Zeiger und Thomas Bergmann sind aus Naumburg angereist.
Mandy Zeiger und Thomas Bergmann sind aus Naumburg angereist.
Christian und Gustav haben sich das Thema Unterwasserwelten zu Herzen genommen und tauchen standesgemäß ein und wieder auf.
Christian und Gustav haben sich das Thema Unterwasserwelten zu Herzen genommen und tauchen standesgemäß ein und wieder auf.
Von links : Christin, Isabell, Nicole und Mareen gehören zum Kreativteam.  Das Festival-Publikum wünschte sich aufgrund des allgemeinen Zuwachses auch mal Mode für die Kleinsten.
Von links : Christin, Isabell, Nicole und Mareen gehören zum Kreativteam. Das Festival-Publikum wünschte sich aufgrund des allgemeinen Zuwachses auch mal Mode für die Kleinsten.

Wieder einmal hat das Veranstalterteam von Verein Stroga-Festival weder Kosten noch Mühen und schon gar nicht Kreativität gescheut, um dieses eine Wochenende am Dorfrand zur Partymeile werden zu lassen. Die 1 000 Tickets im freien Vorverkauf waren im Frühjahr binnen einer halben Stunde vergriffen. Wer trotzdem ohne Karte anreiste, organisierte sich halt auf dem provisorisch hergerichteten Campingplatz sein eigenes Festival.

Drinnen herrscht hingegen eine ganz eigene Atmosphäre. „Es soll alles ein bisschen familiär werden“, hatte Mario Douadi, einer der Cheforganisatoren, im Vorfeld versprochen. Nun gut, daran erinnern beispielsweise „Familienfotos“, die sich die Teilnehmer an einem der Projekte selbst stellen und anschließend kaufen können.

Bei all dem Treiben kommen die Strogaer Ureinwohner mächtig ins Staunen. Als Dank für das Verständnis und die Unterstützung haben sie an den Veranstaltungstagen freien Eintritt. Viele schauen persönlich vorbei, übernehmen bereitwillig Aufgaben als Ordner, Betreuer der Sanitäreinrichtungen oder beim Aufräumen. Dass einmal im Jahr so ein Event in ihr verschlafenes Dörfchen kommt, damit haben sich die meisten längst arrangiert. „Stroga ist doch ansonsten ein Schlafdorf“, sagt ein Mittsiebziger. Fast etwas traurig verfolgt er am Sonntag den Beginn der Abfahrtswelle der Besucher. Aus ganz Deutschland kommen sie mittlerweile. „Die meisten sind lieb und freundlich, das Dorf ist sauber geblieben. Das Festival hat Niveau. Es ist einfach herrlich, wir freuen uns aufs nächste Mal.“

„Stroga ist Kult“, sagt auch Sandy aus Löbau. Zwei Tage und Nächte hat die 26-Jährige mit ihren Freunden durchgefeiert und -getanzt. Kultstücke sind auch längst die Souvenirs, die das Festival verkörpern. Bedruckte Energy-Dosen und T-Shirts sind der absolute Renner. Ein Oberteil trägt die Aufschrift: „Erschöpft, verschwitzt, halb taub, glücklich“. Das passt.