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Wenn die Galle Probleme macht

Eine Operation ist das letzte Mittel. Doch wenn sie angeraten ist, sollten Patienten nicht lange warten, hieß es am Mittwoch beim SZ-Gesundheitsforum.

Von Ingolf Reinsch
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Zwei Oberärzte gaben beim SZ-Gesundheitsforum Auskunft: Chirurg Dr. Andreas Manthey (links) und Internist Dr. Dirk Heimerl.
Zwei Oberärzte gaben beim SZ-Gesundheitsforum Auskunft: Chirurg Dr. Andreas Manthey (links) und Internist Dr. Dirk Heimerl. © Steffen Unger

Bischofswerda. Wer Probleme mit der Galle hat, wendet sich gewöhnlich zuerst an seinen Hausarzt oder einen Internisten. Dort ist er richtig. Denn ihm oder ihr kann auf vielfältige Weise geholfen werden – zunächst natürlich schmerzlindernd und durch gründliche Untersuchungen von Gallenblase und Gallenwegen, aber auch durch moderne Therapien. 

Bei diesen Untersuchungen lässt sich oft schon feststellen, ob eine operative Entfernung der Gallenblase angeraten ist, sagte Dr. Dirk Heimerl, Oberarzt in der Medizinischen Klinik des Krankenhauses Bischofswerda, am Mittwochabend beim SZ-Gesundheitsforum. In Abstimmung mit den Ärzten aus der Chirurgie kann man dann dem Patienten empfehlen, wann operiert werden sollte. Kurze Wege unter einem Dach sind da für die Konsultation von Vorteil. Diese Kooperation wurde auch am Mittwochabend deutlich. Denn Ärzte beider Kliniken gaben den Gästen des Forums Auskunft. Neben Dirk Heimerl informierte Dr. Andreas Manthey, Leitender Oberarzt in der Chirurgischen Klinik, über Gallen-Operationen.

Etwa 20 Prozent der Bevölkerung haben Gallensteine. Vielen Menschen bereiten diese keine Sorgen. Das Risiko wächst mit dem Alter, sagte Dr. Dirk Heimerl. Etwa jede zweite Frau und jeder dritte Mann über 70 sind betroffen. Das Geschlecht spielt hier generell eine Rolle. Denn Frauen sind im Schnitt dreimal häufiger Gallensteinträger als Männer. Auch erbliche Vorbelastungen können die Bildung von Gallensteinen fördern. Falsche Ernährung mit ballaststoffarmer und zu fetter Kost, Übergewicht, Bewegungsmangel, aber auch schneller Gewichtsverlust sind Risikofaktoren. Trotzdem, sagte Dr. Dirk Heimerl, sind die Möglichkeiten als Patient, der Bildung von Gallensteinen vorzubeugen, begrenzt. Er erläuterte anhand zahlreicher Schaubilder Untersuchungs- und Therapiemöglichkeiten, darunter den endoskopischen Eingriff (ERCP) sowie das MRCP-Verfahren (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie). Im Unterschied zum ERCP stellt die MRCP keinen Eingriff dar. Die Untersuchung bedarf aber eines Kontrastmittels, welches dem Patienten verabreicht wird.

Schonendes Knopfloch-Verfahren

Dr. Andreas Manthey ermöglichte den Besuchern mit zahlreichen Fotos einen Blick in den OP-Saal. Operiert wird heute am Großbildschirm, der Ärzten und Schwestern die gleiche Sicht ermöglicht. In den meisten Fällen entscheiden sich die Ärzte für das schonende Knopfloch-Verfahren, wenn die Gallenblase entnommen wird. Dafür sind nur vier kleine Schnitte im Baubereich erforderlich. Dieses OP-Verfahren gilt als minimal-invasiv. Trotzdem ist es mitunter auch heute noch medizinisch erforderlich, sich für das offene Verfahren zu entscheiden. In dem Fall muss die Bauchdecke geöffnet werden; es bleibt eine zwölf bis 15 Zentimeter lange Narbe.

Schwierig wird es für den Chirurgen, wenn die Gallenblase entzündet ist, sagte Dr. Andreas Manthey. Dabei hat der erfahrende Mediziner nicht nur das chirurgische Handwerk im Blick, sondern zuallererst die erhöhten Risiken für den Patienten. Sein Rat auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum: Wer Gallensteine hat, regelmäßig an Koliken leidet und wo eine OP empfohlen wird, sollte man die Entscheidung, die Gallenblase entfernen zu lassen, nicht unnötig lange hinauszögern. Wie sein Kollege Dr. Dirk Heimerl ergänzte, entstehen etwa 90 Prozent aller Gallensteine in der Gallenblase, die meisten als Cholesterinkristalle.

Das nächstes SZ-Gesundheitsforum im Krankenhaus Bischofswerda findet am 26. Juni 2019, 17 Uhr statt.Dann geht es um das Thema Borreliose.