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Geige trifft auf Fußball

Radeberger Brauerei und SZ holten den Solo-Violonisten Florian Mayer mit einem ungewöhnlichen Programm zu „Bier&Kultur“.

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© Kristin Richter

Jens Fritzsche

Radeberg. Dass die Fernseh-Einschaltquoten beim Abspielen der Nationalhymnen vor einem Fußball-Länderspiel meist recht mäßig sind, liegt jedenfalls nicht an ihm. Denn während die meisten in diesen Minuten vorm Anpfiff noch rätselnd vorm Kühlschrank stehen, wie viele der kühl gestellten Radeberger Pilsner-Flaschen sie für die erste Halbzeit brauchen können, sitzt er längst gespannt vorm Fernseher. Was natürlich nicht heißt, dass er kein Radeberger mag. Vielmehr ist Florian Mayer ein echter Fan von Nationalhymnen. Und deshalb holt er sich zum Fußball-Gucken das Radeberger einfach ein bisschen eher aus dem Kühlschrank.

Und da der Dresdner nicht nur Fußball- und Nationalhymnen-Fan ist, sondern auch studierter Musiker – noch dazu einer der gefragtesten Solo-Violinisten an allen großen Opern-Häusern des Landes –, hatte er eine kuriose Idee: nämlich Fußball, Musik und Nationalhymnen an einem Abend zu vereinen. Für ein Projekt, das zugegeben ein wenig aus dem üblichen Bilderrahmen der klassischen Musik fällt: Florian Mayer spielt nämlich sämtliche Nationalhymnen aller 24 Teilnehmer der demnächst in Frankreich startenden Fußball-Europameisterschaft. Und zwar auf der Geige.

Wunderbarer Hintersinn

Freitagabend feierte das Projekt Premiere, Florian Mayer war damit im Conrad-Brüne-Haus der Radeberger Exportbierbrauerei zu erleben, Brauerei und Rödertal-SZ hatten den Klassik-Star in die gemeinsame Veranstaltungsreihe „Bier&Kultur“ eingeladen. Und es wurde ein wirklich furios-begeisternder Abend! Nicht nur, weil Florian Mayer in seinem Programm zeigt, dass eine Violine durchaus auch das Zeug zur veritablen Rock-Gitarre hat. Und überhaupt fasziniert, was Florian Mayer auf seiner Geige so alles kann!

Aber er präsentierte sich in Radeberg nicht nur als grandios-virtuoser Musiker, sondern auch als echter Verbal-Entertainer mit wunderbar tiefem Hintersinn. Ein treffsicheres Pointen-Salut zündete er da im Brüne-Haus; sehr zur Freude der begeisterten Zuschauer. Denn Florian Mayer wusste eine Menge Hintergründiges über die Hymnen zu berichten. Wobei er nicht den Oberlehrer mimte, sondern wortakrobatisch Spannendes augenzwinkernd zu erzählen wusste. So übersetzte er die Texte der Hymnen – und philosophierte mit durchaus fundiertem Fußball-Wissen über mögliche Sieger und Verlierer der anstehenden EM. Wobei er sich im Übrigen bei der Programm-Gestaltung exakt an die ausgelosten Vorrunden-Gruppen hielt.

Hier wurde – anders als auf so manchem Fußballplatz – also niemand irgendwie bevorzugt. Nur einmal ließ er sich dann doch ein ganz klein wenig verführen, als er zugab, die britische Hymne sei für ihn die schönste der Welt. Los ging‘s aber mit Frankreich und in die Pause verabschiedete Florian Mayer sein Publikum dann mit der deutschen Hymne. Wobei sich kurz zuvor auch die ersten auf den Zuschauerstühlen trauten, auch mal selbst mitzusingen. Bei der russischen Nationalhymne klangen da die ersten vorsichtigen Stimmen. Was auch Florian Mayer sichtlich freute.

Faszinierende Nähe

Denn während beispielsweise der aktuell sehr angesagte Pop-Geiger David Garrett für seine große Hallen füllenden Shows neben seiner Geige eben auch eine Band, Showballett, Hightech-Leinwände sowie jede Menge Pyrotechnik auffährt, um seine Fans zu begeistern, sucht Florian Mayer mit seinen ungewöhnlichen Programmen ganz gezielt die kleineren Clubs. Die Nähe zum Publikum fasziniert ihn sichtlich; und auch die Zuschauer sind fasziniert von dieser Nähe. So wird der Abend dann auch ein Stück weit interaktiv.

Eine wunderbar verrückte Idee, dieser Abend. Eine Idee, die bestens ankommt. In Radeberg hat Florian Mayer seit Freitagabend jedenfalls eine Menge neuer Fans! Demnächst gibt‘s Mayers Hymnen übrigens auch auf CD. Alle europäischen Hymnen hat der Dresdner dafür eingespielt. Er wäre also in Radeberg auf reichlich, Verlängerung eingestellt gewesen, „aber das wäre ja wieder irgendwie unfair“, sagte er augenzwinkernd.

Die nächste Ausgabe von „Bier&Kultur“ gibt‘s am 30. September. Dann ist die Dresdner Puppenspielerin Cornelia Fritzsche gemeinsam mit Frank Weiland und ihrem Programm Faust-Maßnahme zu erleben.