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Wenn die Liebe zum Premier das Häuschen kostet

Eine serbische Hobby-Sängerin wird wegen einer bizarren Ode auf den Regierungschef von ihrer entgeisterten Tante enterbt.

© Screenshot: youtube

Von Thomas Roser

Dass mit schrillen Oden keineswegs nur Sangesruhm zu ergattern ist, musste in diesem Jahr ein serbisches Goldkehlchen erfahren: Ihr Youtube-Loblied auf Serbiens Premier bescherte ihr zwar ein Millionen-Publikum – und zugleich die Enterbung durch eine entgeisterte Tante.

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Er ist rechthaberisch, herrisch – und lässt seinen vielen Versprechen nur selten deren Einlösung folgen. Aber obwohl Serbiens nationalpopulistischer Regierungschef Aleksander Vucic seinen gebeutelten Landsleuten eher folgenlos immer wieder baldiges Licht im endlosen Krisentunnel verspricht, kann sich der gestrenge Herr der hehren Verheißungen der Unterstützung seiner Bewunderer sicher sein. Die Zuneigung zum autoritären Oberlehrer der Nation geht selbst unter die Haut: Tattoos mit dem Konterfei des nicht sonderlich ansehnlichen Polit-Idols sind in Serbiens Tätowier-Studios durchaus gefragt.

Doch nicht nur am eintätowierten Vucic können dessen Fans noch lebenslang zu knabbern haben. Ein Wechselbad der Gefühle hat eine bizarre Ode auf den bewunderten Premier einem Blondkehlchen aus Kumodraz beschert. Ein von der trällernden Hausfrau Marija „Maksima“ Micic dargebrachtes Loblied auf Vucic hat sich mit inzwischen über 1,2 Millionen Klicks zu Serbiens Youtube-Hit des Jahres gemausert.

Auf weniger Begeisterung stieß der Sangeseinsatz der dreifachen Mutter im eigenen Familienkreis. Die derzeit populärste Sängerin des Landes habe „wegen Vucic das Haus verloren“, vermeldete das Boulevardblatt Kurir eine Blitz-Enterbung.

Mit dem von ihr „veranstalteten Zirkus“ habe die 30-Jährige die ganze Familie „beschämt“, klagte Vida Micic, die wohlhabende Erbtante der Familie – und ließ ihr Testament ändern. Marija werde „keinen Dinar“ erhalten, schäumte die verbitterte Witwe in den heimischen Medien: „Nun machen sich alle lustig über sie.“

Tatsächlich gehen aufrechte Begeisterung für den rappenden Turbofolk-Hit bei dessen Millionenpublikum mit entgeisterter Verblüffung und hämischer Schadenfreude über die dargebrachten Schüttelreime einher. Sich vor einer Landesflagge rhythmisch ringelnd, singt die blonde Marija ihr wunderliches Loblied auf ihr Idol: „Er ist unsere Rettung, unsere Stimme, die der Planet hören muss. Er soll uns alle führen, zum Sieg, zur Staatswahrheit und in die EU. Er ist Vucic Aleksander. Yes, Yes, er ist Serbiens Elliot Ness.“

Zunächst witterte die regierende SNS des besungenen Premiers hinter dem Song gar eine Parodie. Doch ebenso wie die seither von ihrer Familie streng abgeschirmte Erfolgsbardin beteuerte auch ihr vom Medienwirbel eher entsetzter Mann, dass seine Frau das Liedchen aus reiner Sympathie für den Premier verfasst habe.

Und während die Familie des Schlager-sternchens wegen des Rummels noch die Emigration ins Ausland erwog, elektrisierte die Kunde, dass Marija auch über Außenminister Ivica Dacic ein Liedchen verfasst haben soll, zumindest einen weiteren Würdenträger. Er wisse zwar nicht, was Marija Maksima über ihn singe, so Serbiens Chefdiplomat: „Aber wer singt, denkt nie was Schlechtes.“