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Wenn die Schilddrüse Ärger macht

Beim SZ-Gesundheitsforum in Bautzen widmen sich zwei Spezialisten einer echten Volkskrankheit. Die Heilungschancen stehen gut, sagen sie.

Von Carmen Schumann
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Chefarzt Dr. Ulrich Keßler und Endokrinologin Katrin Stange sprechen beim nächsten SZ-Gesundheitsforum in Bautzen zum Thema Schilddrüsenerkrankungen.
Chefarzt Dr. Ulrich Keßler und Endokrinologin Katrin Stange sprechen beim nächsten SZ-Gesundheitsforum in Bautzen zum Thema Schilddrüsenerkrankungen. © Carmen Schumann

Bautzen. Erkrankungen an der Schilddrüse sind sehr häufig, weswegen man tatsächlich schon von einer Volkskrankheit sprechen kann. Rund 20 bis 25 Prozent aller Erwachsenen leiden unter dem sogenannten „Knotenstruma“. Beim nächsten SZ-Gesundheitsforum sprechen Chefarzt Dr. Ulrich Keßler und Katrin Stange Endokrinologin am Medizinischen Versorgungszentrum am Donnerstag nach Ostern über Diagnostik und Therapie der Schilddrüsenerkrankungen.

Wie Katrin Stange sagt, sollte man zum Arzt gehen, wenn man Symptome wie Druckgefühl im Hals, Heiserkeit oder Luftnot verspürt. Dahinter können sich Knoten in der Schilddrüse verbergen. Es gilt abzuklären, ob es sich dabei um „heiße“ oder „kalte“ Knoten handelt.

Die heißen Knoten sind ein Zeichen für die Überfunktion der Schilddrüse. Kalte Knoten dagegen sprechen für eine Unterfunktion. Letztere sind eher krebsverdächtig. Jedoch plädiert Katrin Stange dafür, sich alle Knoten genau anzusehen. Dafür stehen verschiedene Untersuchungsmethoden wie Labortests, Szintigrafie oder Ultraschall zur Verfügung. Misstrauisch werden die Ärzte auch, wenn der Knoten sehr schnell wächst. „Gutartige Knoten wachsen langsamer“, benennt Katrin Stange einen Richtwert.

Nicht mit der Behandlung warten

Doch zu spaßen sei auch mit den scheinbar harmloseren „heißen“ Knoten nicht. Denn sie können bei extremer Größe in den Brustkorb hineinwachsen, wo sie zu einer Einengung der Luftröhre führen können. Sie können aber auch auf Nerven und Blutgefäße drücken, was zu ernsthaften Folgen führen kann. Manchmal wachsen die Knoten aber auch nach außen und bilden dann den sogenannten „Kropf“, der schon aus ästhetischen Gründen entfernt werden sollte.

Chefarzt Dr. Ulrich Keßler betont, dass Patienten die Behandlung nicht lange hinausschieben sollten. Denn je älter der Patient ist, desto höher ist auch das Risiko. Wichtig zu wissen für den Patienten ist, dass sich die OP-Techniken in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt haben. „Sie sind jetzt viel gewebeschonender“, sagt der erfahrene Chirurg. Wie er sagt, werden in Deutschland jährlich rund 100 000 Schilddrüsen-Operationen durchgeführt, mit abnehmender Tendenz. – Der Schilddrüsenkrebs macht nur ein bis zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus. Die gute Botschaft: „Die Heilungsaussichten sind sehr gut, denn rund 90 Prozent aller Schilddrüsenkrebserkrankungen können dauerhaft geheilt werden“, sagt Dr. Ulrich Keßler. Bei der Operation wird nicht nur die Schilddrüse entfernt, sondern auch Lymphknoten im Halsbereich. Für eine solche Operation ist viel Erfahrung und Geduld nötig. Sie dauert deshalb viele Stunden. Entnommenes Gewebe wird noch während des Eingriffs zum Pathologen gegeben, der das Untersuchungsergebnis schnellstmöglich telefonisch in den OP-Saal meldet. Es sei ein großer Vorteil, dass die Pathologie direkt am Ort im Bautzener Krankenhaus ist, sagt Dr.Ulrich Keßler.

Erkrankungen der Schilddrüse seien genetisch bedingt. Deshalb seien auch genetische Untersuchungen nötig. Denn auch die Nebenschilddrüsen und die Bauchspeicheldrüse könnten mit erkrankt sein.

Das SZ-Gesundheitsforum findet am 25. April um 19 Uhr im Konferenzbereich des Krankenhauses Bautzen statt.