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Bauen und Wohnen

Wenn die Versicherung nicht zahlt

Mit Sachverständigen und Wetterdaten können sich Hausbesitzer wehren. Manchmal sind sie aber auch selbst schuld.

Nach einer Windhose in Minden in Nordrhein-Westfalen stehen 23. Mai 2016 Hausbesitzer in ihrem Garten im Stadtteil Meißen, in dem Teile eines schwer beschädigten Hauses liegen (Symbolfoto).
Nach einer Windhose in Minden in Nordrhein-Westfalen stehen 23. Mai 2016 Hausbesitzer in ihrem Garten im Stadtteil Meißen, in dem Teile eines schwer beschädigten Hauses liegen (Symbolfoto). © Oliver Krato/dpa (Symbolfoto)

Den ersten Schritt machen Eigentümer selbst, indem sie „überlegen, warum der Schutz versagt wird“, sagt Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Typische Gründe seien, dass entweder kein Schutz besteht, weil die Police das Ereignis nicht abdeckt, oder der Eigentümer seine Verkehrssicherungspflicht vernachlässigt hat. Auch dann ist die Versicherung oft raus. Ein solcher Fall wäre der bei Sturm aufs Dach krachende morsche Baum, von dem der Hausbesitzer länger wusste, ohne etwas zu unternehmen. „Die Versicherung kann die Zahlung ganz oder teilweise verweigern“, sagt Happ. Er empfiehlt, das Gebäude vorsorglich regelmäßig zu begehen. So könnten Schwachstellen entdeckt und ausgebessert werden, bevor Schlimmeres passiert. Versicherungsverträge halten manchmal Eigenheimbesitzer zu solcher Prävention an. Ein Blick in die Unterlagen kann also Ärger vorbeugen.

Versicherte dürfen „Notarbeiten“ ausführen oder beauftragen

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Oft wird über die Höhe des Schadens gestritten. Auch hier kann der Versicherungsvertrag hilfreich sein. Er zeigt, warum weniger Geld ausgezahlt werden soll als erwartet: „Für den Zeitwert gibt es weniger als für den Neuwert“, sagt Happ. Der Versicherungsvertrag ist zudem für das Verhalten im Schadensfall aufschlussreich. „Der Verbraucher muss dafür sorgen, dass der Schaden sich nicht vergrößert“, benennt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen einen zentralen Punkt. Das heißt ganz praktisch: Regnet es durch, einen Eimer unter das lecke Dach stellen, damit kein Wasser in die darunter liegende Wohnung sickert. Versicherte dürfen auch „Notarbeiten“ ausführen oder beauftragen. Die Kosten dafür übernimmt in der Regel später die Versicherung.

Ihr sind Schäden außerdem möglichst schnell zu melden. Und zwar, bevor Handwerker beauftragt werden. Denn die Gesellschaften wollen Schäden meist vorher angucken. Es spricht jedoch nichts dagegen, wenn „Versicherte mit dem Handwerker ihres Vertrauens den Schaden in Fotos dokumentieren und einen Kostenvoranschlag machen lassen. Dann weiß man, wohin die Reise geht“, sagt der auf Versicherungsrecht spezialisierte Anwalt Jens Dötsch. Alternativ kann ein Sachverständiger hinzugezogen werden. Dessen Honorar muss der Hausbesitzer zahlen. Die Ausgabe für den Handwerker ist eventuell mit dem Auftrag verrechenbar.

Beweisverfahren ist billiger

Vor allem bei Wasser- und Brandschäden arbeiten Versicherungen mit Vertragsfirmen zusammen. Sie beheben nach Dötschs Erfahrung die Probleme zu günstigeren Konditionen als andere. Aber: „Niemand kann verpflichtet werden, die Vertragsfirmen zu nehmen.“ Wer eigene Handwerker beauftrage, müsse allerdings auf den Kostenrahmen der Versicherung achten. Wird es teurer, besteht die Gefahr, dass Versicherte auf dem Restbetrag sitzenbleiben.

Eine Option, sich mit der Versicherung gütlich zu einigen, ist die sogenannte fiktive Abrechnung. Der Geschädigte erhält zügig den veranschlagten Netto-Reparaturbetrag. Der Rest soll nach Vorlage der Rechnung fließen. Eigentlich. Er „habe noch nicht erlebt, dass in der Praxis die Rechnung nachgefordert wurde“, sagt Dötsch. Der Eigenheimbesitzer kann mit der ausbezahlten Summe, eine Art Abschlagszahlung, den Schaden auch selbst beheben. Netto statt brutto kann günstiger sein, als lange um die Gesamtsumme zu streiten.

Kommen beide Seiten partout nicht zusammen, können Eigentümer ein selbstständiges Beweisverfahren einleiten. Dazu bitten sie das Amtsgericht um die Bestellung eines Sachverständigen. Er sieht sich die Sache an und ermittelt die Schadenshöhe. Die Information bekommt dann die Versicherung. „Da hat man richtig was in der Hand. In 99 Prozent der Fälle akzeptieren die Versicherungen das Ergebnis des gerichtlich bestellten Sachverständigen“, sagt Dötsch. Das Verfahren sei meist innerhalb weniger Monate abgeschlossen und damit wesentlich schneller als ein Prozess. Außerdem erfüllen Versicherte ihre Pflicht, den Schaden gering zu halten: Das Verfahren ist billiger als ein Prozess. Die Gerichtskosten hängen vom Streitwert ab. Bei 2 000 Euro betragen sie 267 Euro, hinzu kommt das Gutachterhonorar.

Nicht von den Rechtsexperten, sondern von den Wetterleuten bekommen Hausbesitzer Hilfe, die über Sturm, Hagel und Starkregen mit der Versicherung über Kreuz liegen. Üblicherweise greift der Schutz ab Windstärke acht. Verweigert die Versicherung die Regulierung mit dem Argument, es habe kein Sturm geherrscht, hilft ein Blick in die offiziellen Daten: „Beim Wetterdienst sind Informationen zu Windgeschwindigkeiten, Zeiten und Regionen abrufbar“, sagt Weidenbach. Das hilft enorm bei der Beweisführung. (dpa)

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