merken

Riesa

Wenn die zündende Idee auf sich warten lässt

Mancherorts fehlen die Schwimmbäder, woanders befüllt man die Schaukästen. Ein traditionsreicher Rückblick von SZ-Redakteur Kevin Schwarzbach.

SZ-Redakteur Kevin Schwarzbach. © Archiv/Lutz Weidler

Altkreis Riesa. So ein Ausflug ins Schwimmbad kann Balsam für die Seele sein, liebe Leserinnen und Leser. Ganz entspannt seine Bahnen ziehen, dem Plätschern des Wassers zuhören und die Gedanken schweifen lassen. Natürlich muss man zur richtigen Zeit im Becken sein. Denn wenn sich dort noch hundert andere Menschen tummeln, wird das mit dem Abschalten vorerst nichts.

Solche Probleme kennt man in Gröditz glücklicherweise nicht. Dort ist das Schwimmbad bereits seit 2013 geschlossen. Ein Zustand, den die Linken-Fraktion im Stadtrat bereits seit Jahren ändern will. Immer wieder warb sie für eine Reaktivierung des dichtgemachten Bades. Weil daraus bisher nichts wurde, scheint man nun ins nächste Level aufzusteigen. Manchmal muss man groß denken, um Kleines zu erreichen. In diesem Fall ist die Vision nicht weniger als ein neues Schwimmbad für Gröditz.

Anzeige
Wein mit allen Sinnen erleben

An den Tagen des offenen Weingutes lädt Schloss Wackerbarth zu Weinbergswanderungen und Manufakturführungen ein.

Für alle, die jetzt umgehend Schnappatmung bekommen, haben die Lokalpolitiker natürlich auch noch eine überzeugende Argumentation im Gepäck. Die Forderung nach einer neuen Schwimmhalle begründen sie unter anderem damit, dass die Förderpolitik des Landes auf Neubauten ausgerichtet sei. Außerdem sei eine Sanierung der alten Schwimmhalle aus energetischen Gründen abgelehnt worden. Da könne ein Neubau dieses Problem doch lösen. Ziel sei schließlich nicht der Erhalt der alten Schwimmhalle um jeden Preis, sondern dass es in Gröditz überhaupt eine Schwimmhalle gebe. Bei der Kommunalwahl hätte dieser Vorstoß der Partei sicher einige Stimmen gebracht, doch die Wahl ist nun schon wieder einige Monate her. Die besten Ideen hat man leider immer viel zu spät. Blöd auch, wenn man in der eigenen Stadt kein Bad hat, in dem man seine Bahnen ziehen und die Gedanken schweifen lassen kann.

Antiquierte Verwaltungen

Mit der eigenen Meinung nicht hinter dem Berg halten die Lokalpolitiker oftmals bei einem anderen Thema. Regelmäßig ist die Beschwerde zu hören, dass sich kaum Bürger bei den Sitzungen der Stadt- und Gemeinderäte einfinden und damit hautnah erleben, was in ihrer Region beschlossen wird. Womöglich sogar an der Entscheidung teilhaben, indem sie bei der Bürgerfragestunde ihre Meinung einbringen. Stattdessen muss dieser Tagesordnungspunkt häufig übersprungen werden. Denn wenn niemand da ist, kann auch keiner Fragen stellen. Maximal noch per Videochat. Aber im digitalen Zeitalter sind wir auf den Dörfern ja noch lange nicht angekommen.

Das zeigt auch der Umgang mancher Verwaltungen mit öffentlichen Bekanntmachungen. So sind die Sitzungen des Gemeinderates der Röderaue nur an den Schaukästen einzusehen. Wer informiert sein will, kann sich also nicht mal eben durchs Internet klicken, sondern muss sich aufs Fahrrad oder ins Auto schwingen und den nächstgelegenen Schaukasten aufsuchen. Ziemlich retro, oder?

In anderen Gemeinden hat man die Information dagegen schon ins Internet verlagert. In Zeithain findet man zum Beispiel neben den Terminen auch die Tagesordnungen aller Ratssitzungen mit ein paar Klicks. Noch vorbildlicher geht es in Gröditz zu: Dort sind fast zwei Wochen vor der nächsten Sitzung sogar alle Beschlussvorlagen einsehbar. Aber wir alle wissen ja, dass die Verantwortlichen dort nun einmal reichlich Zeit haben, da es keine Schwimmhalle zum Entspannen gibt.

Diese Woche kann wohl kaum traditionsreicher werden.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.
Wahl-Special