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Wenn eine Hotelchefin in die Kasse greift

Kristina M. bekommt neun Monate auf Bewährung. Sie konnte ihre Finger nicht von fremden Geld lassen.

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Von Kristin Wolf

Die frühere Hotelchefin pflegte offensichtlich einen lockeren Umgang mit dem Geld anderer. Ungezwungen griff Kristina M. in die Kasse ihres Arbeitgebers und entwendete mit einem Schlag 10.000 Euro. Gestern saß sie, die einst Hotels in Hohnstein und Freital leitete, dafür auf der Anklagebank im Pirnaer Amtsgericht.Richter Peter Kehr verurteilte die 41-Jährige wegen gewerbsmäßiger Untreue: Die Angeklagte erhielt neun Monate auf Bewährung und muss monatlich 200 Euro an das Hohnsteiner Hotel zurückzahlen. Doch wieso bediente sich Kristina M. unerlaubt in der Hotelkasse?

Nach eigener Aussage verdiente sie 1.700 Euro netto monatlich in Hohnstein. Die Stelle als Chefin hatte sie im April 2008 angetreten, zuvor arbeitete sie bereits in einem Freitaler Hotel. Dennoch geriet sie in finanzielle Schwierigkeiten.

Versuchung war zu groß

Aus ihrer Tat machte die Angeklagte keinen Hehl. „Es ist richtig, ich habe das Geld aus der Hotelkasse entnommen“, gestand sie vor Gericht. Anfangs habe noch eine Kollegin die Kasse geführt, sagt sie. Doch nach etwa einem Vierteljahr sei das Vertrauen in ihre Arbeit gestiegen, fortan führte sie selbst die Kasse. Daraus Geld für sich abzuzweigen, sei zunächst nicht geplant gewesen. Allerdings wurde die Versuchung nach einer Weile groß – Kristina M. drückten noch Schulden aus früheren Zeiten.

Mit zusammengefalteten Händen, gekleidet in einer weiß-blauen Bluse, saß die 41-Jährige vor Gericht. „Weil mein Ex-Freund Schulden hinterließ, musste ich eine offene Handy-Rechnung bezahlen und einen Kredit von 400 Euro abstottern“, sagt sie. So habe sie zunächst kleine Beträge wie 50 oder 100 Euro aus der Hotelkasse herausgenommen. Doch Kristina M. schuldete darüber hinaus einem ehemaligen Arbeitgeber Geld. Die Ex-Firma hatte statt 3.500 Euro fälschlicherweise monatlich 5.000 Euro auf ihr Konto überwiesen. Über 10.000 Euro musste sie zurückzahlen, so ordnete es das Amtsgericht Dresden vor geraumer Zeit an. Sie bezahlte – allerdings mit dem Geld aus der Hohnsteiner Hotelkasse.

Warum denn das Minus bei der Endabrechnung nicht aufgefallen sei, fragte Richter Kehr und bat dazu Jens V. in den Zeugenstand. Der 43-Jährige war zu der Zeit General Manager im Haus und berichtete über die gute Zusammenarbeit mit Kristina M. „Wir hatten großes Vertrauen in ihre Arbeit.“ Zudem habe sie großen Anteil am Erfolg des Hotels gehabt. V. erklärte, dass es eine Kasse an der Rezeption gab, zudem eine Handkasse. Aller 14 Tage ging die Kasse an den Buchprüfer. „Ich habe zwar ab und zu 100 Euro hineingelegt, doch die Lücke konnte ich nicht mehr füllen“, sagt Kristina M., und wies daher einen Fehlbetrag in der Kasse aus.

Erst im Dezember 2009, anderthalb Jahre danach, habe der Buchhalter das Minus hinterfragt – 28 .06 Euro hatte die Angeklagte bis dahin veruntreut. Zeuge V. räumte lasche Kontrollen ein, zu groß sei das Vertrauen in die sorgsame Arbeit der Angeklagten gewesen. Wegen der Untreue-Vorwürfe saß Kristina M. bereits einmal fünf Tage in U-Haft.

Nach eigener Aussage wollte sie das Geld mit monatlich 50 Euro an das Hotel zurückzahlen. „Ich war zwischendurch auf Hartz IV angewiesen und konnte einfach nicht mehr aufbringen“, sagt sie. Doch der Betrag sei dem Anwalt des Hotels zu gering gewesen, und so zahlte die Angeklagte letztlich gar nicht. Bis heute, obwohl sie längst wieder als Service-Managerin arbeitet und gut verdient.