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Wenn eine Leiche im Fenster liegt

Die Spielbühne Freital gerät wieder „Außer Kontrolle“, plant drei Premieren – und sucht eine neue Spielstätte.

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Von Thomas Morgenroth

Es sollte nur ein kleines romantisches Treffen im Londoner Westminster-Hotel werden. Doch gerade, als sie sich in der Suite ihrer Kleidung entledigen, machen Staatsminister Richard Willey und die liebreizende Jane, Sekretärin der Opposition, eine schreckliche Entdeckung: Ein toter Mann klemmt zwischen Schiebefenster und Sims. Willey alarmiert sofort – nein, nicht die Polizei, sondern seinen Sekretär. Mit Georges Hilfe soll alles schnell und diskret geregelt werden. Aber schon bald geraten die Dinge „Außer Kontrolle“.

Mit dieser sehr britischen Komödie von Ray Cooney startet die Spielbühne Freital am Sonnabend in ihre 44. Spielzeit. „Außer Kontrolle“, inszeniert von Mario Grünewald, ist eine Wiederaufnahme, die Premiere war im Herbst 2015. Seitdem erlebte das spritzige Stück zehn ausverkaufte Vorstellungen. Vier weitere Termine gibt es nun im September und Oktober, auch dafür sei die Nachfrage bereits groß, sagt Intendantin Kerstin Hofmann. Sie selbst ist am Sonntag auf Schloss Burgk in der Sommerkomödie „Gretchen 89ff“ von Lutz Hübner in mehreren Rollen zu erleben.

Märchen und Sommertheater

Auch diese Inszenierung, die der Dresdner René Rothe besorgte, stammt noch aus der vorangegangenen Spielzeit. In der Regel hat das Amateurtheater die Stücke zwei Jahre lang im Repertoire. So laufen auch Erich Kästners „Emil und die Detektive“ (Regie: Christoph Fleischer) und der „Stürmische Schiller“, eine Stückentwicklung unter Leitung von Mario Grünewald, noch einmal in diesem Herbst. Der Freitaler Schauspieler ist zudem Trainer der Improvisationsshow „Sport im Theater“, die ursprünglich aus Kanada kommt. Die Spielbühne gastiert damit auch außerhalb ihres Theaters, wie in diesem Sommer beim Bergmannstag auf Schloss Burgk, oder jetzt im Oktober im Hotel Zur Linde in Freital.

Mario Grünewald führt auch für das neue Märchen Regie, das am ersten Adventswochenende Premiere feiert. Es ist ein Klassiker der Brüder Grimm: „Die Bremer Stadtmusikanten.“ Grünewald hat sich für die Version des ostfriesischen Autors Manfred Hinrichs entschieden, der den Stoff mit Zitaten aus anderen Märchen anreichert und sogar Wilhelm Buschs Witwe Bolte als Müllerin aufleben lässt.

Mario Grünewald übernimmt zudem die Spielleitung für das neue Sommertheater auf Schloss Burgk, für das der 49-Jährige gerade nach einem geeigneten Stück von William Shakespeare sucht. Mit Shakespeares Klassiker „Wie es euch gefällt“ hatte die Spielbühne unter Grünewalds Spielleitung 2011 das Sommertheater in Freitals schönstem Anwesen begründet. In diesem Sommer läuft dort „Gretchen 89ff“ in der Regie von René Rothe, der die dritte neue Inszenierung der Spielbühne in der kommenden Saison übernimmt. Mit „Die Beleidigten“ von Ulrich Hub ist es ein Kammerspiel, in dem vier Musiker für einen Auftritt proben. Premiere ist im März 2017.

Die Spielbühne, die pro Spielzeit rund 40 Vorstellungen anbietet, kümmert sich von jeher nicht nur um die Erwachsenen, sondern auch um Kinder und Jugendliche. Bestes Beispiel dafür ist „Emil und die Detektive“, das ausschließlich vom Nachwuchs gespielt wird. Andrea Kempe will mit der Spielbühnenjugend, zu der sich noch Interessierte gesellen können, jetzt ein neues Stück entwickeln. Mit den Ideen der Jugendlichen selbst, die bereits mehrere Themen vorgeschlagen haben. Die Jüngsten, die Theaterspatzen, die sich montags mit Spielbühnen-Mitgründerin Hannelore Umlauft treffen, spielen aktuell „Riese Rick macht sich schick“.

Schick würde sich die Spielbühne auch gerne machen, allerdings nicht in ihrer derzeitigen Spielstätte im ehemaligen Kupplungswerk hinter der Aral-Tankstelle. „Unsere Zukunft hier ist ungewiss“, sagt Kerstin Hofmann. Mangels Alternativen bleibt das Theater, das rund 60 Sitzplätze hat, aber zunächst dort. „Wir hatten auf die Lederfabrik gehofft“, sagt die Intendantin, „aber das scheint sich ja gerade zu zerschlagen.“ Möglicherweise ergibt sich etwas durch das Soziokulturelle Zentrum Freital, das die Spielbühne mitgegründet hat.

„Aber unser finanzieller Spielraum ist begrenzt“, sagt Kerstin Hofmann. Die ehrenamtlich arbeitende Spielbühne, die etwas mehr als vierzig Mitglieder zählt, speist ihr Budget durch Beiträge, Einnahmen aus dem Spielbetrieb, Spenden und Zuschüsse der Stadt. Angesichts hoher Fixkosten muss der Verein aufpassen, dass nichts „Außer Kontrolle“ gerät. Das darf nur das Techtelmechtel zwischen Minister und Sekretärin auf der Bühne.

Die nächsten Vorstellungen: „Außer Kontrolle“ am 3.9., 20 Uhr; „Gretchen 89ff“ am 4.9., 19 Uhr, auf Schloss Burgk sowie am 10.9., 20 Uhr, 11.9., 19 Uhr, in der Spielbühne; „Emil und die Detektive“ am 25.9., 17 Uhr.

www.spielbuehne-freital.org