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Wenn es eng wird in der Straßenbahn

Der eigene Erfolg bringt die Verkehrsbetriebe in Schwierigkeiten. Der Platz in den Fahrzeugen wird knapp.

© Sven Ellger

Von Christoph Springer

Es ist so voll wie nie zuvor. Kaum ist die 11 in Bühlau abgefahren, schon sind alle Sitzplätze belegt. Wer auf dem Weißen Hirsch zusteigt, muss sich bereits mit einem Stehplatz begnügen. Sechs Haltestellen später passt kein Kinderwagen mehr in die Bahn. An der Nordstraße ist deshalb eine Mutter dazu verdammt, auf die nächste 11 zu warten. Das passiert in der Adventszeit nicht nur an Wochenenden, wenn halb Dresden in die Innenstadt strömt, um Weihnachtsmärkte zu besuchen oder Geschenke einzukaufen. Diese Beobachtung machte ein Fahrgast an einem Wochentag, vormittags kurz vor 10 Uhr. Am gleichen Tag veröffentlichte eine Dresdnerin ein Straßenbahnfoto bei Facebook. Es zeigt: Die Bahn ist brechend voll. Vor ihr drängt sich eine Frau mit ausladender Jacke an ihren Sitzplatz. Sie steht so dicht, dass die Dresdnerin ihre Haare zählen kann. „Ich fahre ja immer mit der Straßenbahn. Aber ich fahre wirklich nicht gerne“, schreibt sie zu ihrem Foto.

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Alltag im Advent. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) wissen, dass Busse und Bahnen in dieser Zeit besonders gefragt sind. Sprecher Falk Lösch sagt: „Dass die Straßenbahnen auch tagsüber gut besucht sind, haben wir registriert.“ Er geht davon aus, dass das besondere Gedränge in diesem Jahr auch der extra kurzen Adventszeit geschuldet ist. Alle Dresdner müssten ihre Besorgungen innerhalb von nur drei Wochen erledigen und dazu noch wenigstens ein Mal einen Weihnachtsmarkt besuchen – das spüre man auch in den Bussen und Bahnen, meint der DVB-Sprecher.

Dass es enger wird in den Fahrzeugen des Unternehmens, ist den Verantwortlichen schon lange bekannt. Diesen Trend belegen auch die Fahrgastzahlen.
157,1 Millionen waren es im vergangenen Jahr. 2017 rechnen die DVB mit mehr als 160 Millionen. Tendenz weiter steigend. „Irgendwann in den nächsten Jahren sind wir bei 170 Millionen Fahrgästen“, prognostiziert Lösch.

Das bedeutet, es wird künftig noch enger in den Dresdner Straßenbahnen und Bussen. Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ist noch Platz in der Linie 11 und allen anderen Dresdner Linien. Denn der Verband hält vier Personen pro Stehplatz-Quadratmeter für zumutbar. Die DVB rechnen anders. Sie streben an, dass sich nicht mehr als drei Personen die ein mal einen Meter große Fläche teilen müssen und begründen das mit dem Fahrgastkomfort.

Auch der Fahrgastbeirat Dresden kennt das Platzproblem. Das unabhängige Gremium vertritt die Kunden und berät die Verkehrsprobleme. Bernd Hoffmann ist Vorstand des Vereins. „Das beobachten wir auch und das haben wir auch schon oft mit den DVB diskutiert“, sagt er zum Gedränge in Bus und Bahn. Immerhin würden ja schon die alten Tatrastraßenbahnen und Busse zur Verstärkung eingesetzt. Außerdem werde jetzt weniger Fahrrad gefahren. Das bedeutet, dass jetzt auch viele Radfahrer auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. „Die Adventszeit belastet natürlich zusätzlich“, weiß auch Hoffmann. „Die Verkehrsbetriebe sehen sich außerstande, jetzt weitere Verstärkungen zu bringen.“ Die Fahrgäste selbst könnten zur Entspannung beitragen, wenn sie nicht regelmäßig an den Türen stehen bleiben, sondern weiter in die Busse und Straßenbahnen hineingehen, rät der Vorstand des Dresdner Fahrgastbeirats.

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Mehr Platz in den Dresdner Straßenbahnen gibt es erst, wenn Anfang des nächsten Jahrzehnts die ersten neuen Züge kommen. Sie sind breiter als die Stadtbahnen, die die Dresdner seit 21 Jahren kennen und bieten deshalb mehr Platz. Zum Vergleich: In den zurzeit größten Straßenbahnen können laut den VDV-Vorgaben maximal 260 Menschen sitzen und stehen. Dann sind es bis zu 295.

Bis es so weit ist, müssen sich DVB-Kunden zur Not in die bekannten Stadtbahnen quetschen. In der Vorweihnachtszeit 2018 vielleicht noch etwas mehr als in diesem Jahr. Schließlich rechnen die DVB damit, dass die Zahl ihrer Fahrgäste weiter steigt.