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Wenn Freund Baum zum Problem wird

Unschön oder Unfallriskio – wild wucherndes Grün ärgert Autofahrer und Anwohner in Görlitz.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Görlitz. Wenn Harald Werner* mit dem Auto sommers nach Görlitz fährt, ärgert ihn seit Jahren immer wieder eines: „Man wird von üppigem Grün empfangen.“ Herr Werner meint damit allerdings nicht schön angelegte Parks und Gärten, sondern wild wucherndes Unkraut entlang von Bordsteinen. „Mir persönlich fällt es grundsätzlich auf, wenn ich meinen täglichen Weg aus Richtung Klingewalde nach Görlitz komme, Rothenburger Straße zwischen Schlesischer Straße und Hirschwinkel“, so Harald Werner. Dort befinde sich ein durchgehender, teilweise schon einen Meter hoher Unkrautstreifen zwischen Fußweg und Straße im Bordstein. „Wenn man darauf achtet, lassen sich unzählige weitere Ecken in der Stadt finden, die so aussehen“, ärgert sich Herr Werner. Eine davon befindet sich am Lutherplatz. Auch grünt es, recken sich Äste bis auf die Fahrbahn.

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Im Rathaus ist das Problem bekannt. „Das wildwachsende Unkraut an den Bordsteinkanten wird an den öffentlichen Straßen, an denen die Straßenreinigung erfolgt, in der Regel einmal pro Jahr entfernt“, so der städtische Bauamtsleiter Torsten Tschage. Die Stadt Görlitz habe dafür eine Firma beauftragt und gibt rund 25000 Euro im Jahr dafür aus.

Allerdings wachse das Unkraut gerade im Sommer aber schnell wieder nach, wobei für weitere Reinigungen keine Gelder vorhanden sind, so Torsten Tschage. „Die Reinigung der Straße von Unkraut ist rechtlich keine Pflichtaufgabe der Stadt, sondern eine freiwillige Aufgabe – sofern das Unkraut keine Gefahr darstellt“, sagt der Bauamtsleiter. Und: „ Gleichwohl ist es natürlich ein Bedürfnis, die Straßen sauber zu halten und die Lebens- und Wohnqualität auf einem entsprechenden Niveau zu halten. Dabei ist aber nicht nur die Verwaltung gefragt, sondern auch der Anlieger.“

So viel Platz muss sein

In der Höhe müssen Fahrbahnen 4,50 Meter von Bewuchs freigehalten werden. Über Gehwegen sind es 2,50 Meter.

Von der Fahrbahnkante muss der Bewuchs einen halben Meter weit zurückgeschnitten werden.

Vor allem Verkehrszeichen und die Straßenbeleuchtung müssen jederzeit sichtbar sein.

Die Sicht durch den Rückspiegel darf nicht durch überhängende Äste oder Strauchwerk behindert werden.

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Unkraut ist die eine Seite des Grüns, das sich auf den Straßen ausbreitet – nicht immer schön anzusehen, aber in der Regel ungefährlich. Schlimmer wird es, wenn sich Hecken, Bäume, Sträucher ausbreiten, Autofahrern die Sicht nehmen oder Rettungsdiensten gar den Weg versperren. Oder Müllautos. Das musste der Regiebetrieb Abfallwirtschaft des Kreises an der Parsevalstraße feststellen. Neben geparkten Autos war es der Bewuchs am Straßenrand, der ein Befahren unmöglich machte. Die Anlieger wurden aufgefordert, das Grün zurückzuschneiden. Das wurde auf der einen Seite von Bombardier getan, auf der anderen von den Kleingärtnern der angrenzenden Sparte Liebighöhe. Manches wächst nicht auf den eigenen Grundstücken, sondern auch vor den Zäunen – zusätzliche Enge auf der Straße. Dass dann trotzdem kein Durchkommen war, lag allerdings nicht an den Sträuchern, sondern an der Parksituation. Für die Abfallwirtschaft des Kreises sind wuchernde Pflanzen an den Straßen aber offensichtlich generell ein Problem. Gerade auf engen Straßen haben die Fahrzeuge damit Probleme – nicht nur in Görlitz. Anders sieht man es bei der Feuerwehr in der Stadt. „Mir ist kein Problem in dieser Richtung bekannt“, sagt Einsatzleiter Michael Schuhmacher.

Harald Werner hat zumindest für die Optik einen Tipp: „Egal wer, beim normalen Rasenmähen zwei Meter weiter schauen und mit der Motorsense nicht nur die ,vereinbarte, vertraglich geregelte Rasenfläche’ schneiden, sondern auch das, was nicht dazugehört, dann sollte es einfach ordentlicher aussehen.“* Name geändert