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Ärger mit Google Maps in Meißen

Das Haus eines Meißners sollte laut des Online-Kartendienstes zu einem Türkischen Kulturverein gehören. Der echte Besitzer ist darüber empört.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Das ging schnell. Nur wenige Augenblicke, nachdem die SZ bei der Presseabteilung von Google Deutschland wegen eines falschen Eintrags des Online-Kartendienstes „Google Maps“ einer Meißner Adresse nachhakt, ist dieser schon verschwunden. Nachfragen, weshalb bis zum vergangenen Mittwochnachmittag am Eckhaus Großenhainer Straße 4 ein Ortsmarker mit der Bezeichnung „Türkischer Kulturverein“ auf dem Bildschirm aufploppte, beantwortet der US-Internetriese jedoch nicht. Das Haus an der Großenhainer Straße gehört jedenfalls dem Meißner Jochen Pleß. Obwohl er eigentlich längst im Wanderurlaub im Harz weilen wollte, habe er diesen abgesagt, sagt er.

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Denn letzten Freitag sei sein Nachbar zu ihm gekommen und habe ihn auf die merkwürdige Bezeichnung aufmerksam gemacht, die bei Google Maps für sein Haus angezeigt wurde. „Ich bin erstaunt und ärgerlich zugleich. Ich vermiete das Haus, unter anderem an einen Fahrrad-Reparaturladen im Erdgeschoss. Aber von einem Türkischen Kulturverein habe ich nie etwas gehört“, sagt Pleß. Er fragt sowohl beim Ordnungsamt der Stadt Meißen, der Ausländerbehörde und den Amtsgerichten in Meißen und Dresden nach. „Als mir dort niemand weiterhelfen konnte, habe ich den hiesigen Kulturverein kontaktiert, ob die etwas über einen türkischen Ableger wissen“, erzählt Jochen Pleß.

Kulturvereinschef Walter Hannot muss das verneinen, gibt Pleß aber den Tipp, sich an die Zeitung zu wenden. Das bringt letztlich den Erfolg. Der Eintrag bei Google Maps am Haus an der Großenhainer Straße ist weg. Doch wie ist er überhaupt dahin gekommen? Google gibt darauf keine Antwort. Einen Türkischen Kulturverein gibt es in Meißen nicht. Vereine mit dieser Bezeichnung sind unter anderem in Chemnitz, Kulmbach, Erlangen, Esslingen am Neckar oder Ulm bekannt. Als deren Zweck wird in der Regel die Förderung und Pflege der türkischen Kultur in der jeweiligen Umgebung angegeben. Es gibt allerdings auch Presse- und TV-Berichte, die im Zusammenhang mit sogenannten Türkischen Kulturvereinen von Drogen und Gewaltexzessen sowie islamistischer Propaganda hinter verschlossenen Türen berichten. Weder das eine noch das andere ist in der Domstadt bekannt.

Anregungen an Google Maps – etwa zu fehlenden Orten oder Straßen in der Karte oder zu falschen Angaben – kann grundsätzlich jeder versenden, sofern er ein Google-Konto hat. Nach Eingabe des Nutzernamens und eines Passwortes können über die Option „Feedback geben“ diese weitergegeben werden. Google prüft dann die Glaubwürdigkeit und informiert per E-Mail, ob der Hinweis in Maps aufgenommen wird. Doch wer genau prüft zum Beispiel den Vorschlag mit dem Türkischen Verein? Und wer schlägt das überhaupt vor? Zur zweiten Frage macht der Internetkonzern aus Datenschutzgründen keine Angabe. Neu sind derartige Probleme indes nicht. Dass Unbekannte den größten Kartendienst der Welt manipulieren, ist schon zigfach passiert.

„Da, wo Nutzer Inhalte der Plattform verändern können, kommt es zu Manipulationen. Wenn andere Nutzer das merken, bleiben die falschen Angaben nicht lange stehen. Aber sie merken es nicht immer“, hieß es bereits in einem Bericht von Zeit-Online vom Sommer 2014. Google Maps sei in Teilen eine Crowdsourcing-Plattform, deren Inhalte von Nutzern bereitgestellt werden. Deshalb sei das Unternehmen für diese Inhalte rechtlich nur begrenzt verantwortlich. Die Sicherheitsvorkehrungen Googles helfen kaum gegen Betrüger – das zeigte nun auch der Fall des Jochen Pleß.