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Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht

Der Kultusminister schaut während des Lehrerstreiks in Riesa vorbei, die Teigwaren sind gerettet und Heidehäuser gespalten. Ein Rückblick.

Kevin Schwarzbach
Kevin Schwarzbach © Archiv/Schröter

Riesa. Diese Ruhe und Gelassenheit muss man erst einmal haben, liebe Leserinnen und Leser. Während in Dresden vor dem Landtag Tausende Lehrer für höhere Löhne und mehr Anerkennung demonstrierten, schaute der für sie zuständige Kultusminister erst einmal ganz entspannt in Riesa vorbei. Natürlich in einer Schule.

Aber wer mag es Christian Piwarz (CDU) schon verdenken? Der Minister hatte halt einfach so gar keinen Bock auf diese nervigen Trillerpfeifen, die immer gleichen Protestplakate und die altbekannten Gewerkschaftsfahnen. Piwarz wollte mal was Neues sehen, bisschen frischen Wind reinbringen. 

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Also hat er die ganzen Lehrer einfach Lehrer sein lassen und sich denen gewidmet, die es noch nicht sind – aber werden wollen. Piwarz traf sich an der 1. Grundschule mit jungen Menschen, die das sogenannte Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) Pädagogik absolvieren oder schon absolviert haben. Ja, so mancher mag bei diesen Worten staunen, aber es gibt auch in der heutigen Gesellschaft noch Menschen, die Dinge freiwillig machen.

Beispielsweise Kultusminister Piwarz. Der kam am vergangenen Donnerstag ganz freiwillig nach Riesa, weil er das Engagement dieser jungen Menschen so toll findet, dass er sie sogar lieber hat als die streikenden Lehrer. 

Aber ja, man muss sich seinen Untertanen ja bekanntlich annehmen, bevor sie einem über den Kopf hinauswachsen. Nein, nein, nein! Bevor jetzt hier falsche Deutungen aufkommen: Die terminliche Überschneidung beider Veranstaltungen war reiner Zufall. Das kann ich Ihnen als ein von der Politiker gesteuerter Journalist glaubhaft versichern.

Eine schriftliche Zusicherung haben vergangene Woche auch die Beschäftigten der Teigwaren Riesa bekommen. Nach gefühlt einer Trillion Streiks und riesigen Sorgen um die Zukunft der Riesaer Nudel hat das Unternehmen jetzt eine tarifliche Vereinbarung unterzeichnet. 

Für die Beschäftigten gibt es die ohnehin vereinbarten sieben Prozent mehr Lohn und weitere Verhandlungen bis spätestens Ende März. Puh, da ist die Reputation der Stadt gerade noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.

Wäre die Produktion noch länger ab und an ausgefallen, hätten schon bald in dem ein oder anderen Einkaufsmarkt vielleicht keine Riesaer Nudeln mehr im Regal gestanden. Und heutzutage sind die Menschen bekanntlich gnadenlos. 

Getreu dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Was ist in den heutigen Zeiten schon so ein Batzen Teig? Auch wenn er in bestimmten Läden so gut wie jede Woche im Angebot ist.

Ich finde, dieser Aspekt ist bei den ganzen Diskussionen zuletzt ohnehin viel zu kurz gekommen. Diese ganzen Debatten über Preiserhöhungen und deren mögliche Negativfolgen ... Lasst uns die Riesaer Nudeln doch ruhig teurer machen. 

An der Kasse fällt das den Kunden doch ohnehin nicht auf. Haben sie doch in manchem Edeka nahezu jede Woche die Chance, die Teigwaren mit Rabatt zu erwerben. Und wir alle wissen ja, was passiert, wenn Menschen irgendwo ein Schnäppchen wittern.

Nicht ganz billig wird dagegen die Instandsetzung der Straßenbeleuchtung in Heidehäuser. Rund 50 000 Euro hat die Gemeinde Wülknitz dafür im Haushalt eingeplant – obwohl der Ort gar nicht vollständig auf eigenem Territorium liegt. Auch der Gemeinde Zeithain gehört ein Teil des Dorfes. 

Zwar sind alle etwa 80 Einwohner von Heidehäuser in Wülknitz gemeldet und auch dort wahlberechtigt. Ihre Grundsteuer jedoch zahlen diejenigen, deren Grundstücke auf Zeithainer Gebiet liegen, wiederum an Zeithain.

Der Wülknitzer Gemeinderat Jens Kraze (CDU) hat deswegen auch gar keine Lust, die komplette Instandsetzung der Straßenbeleuchtung aus der Wülknitzer Gemeindekasse zu bezahlen. „Ich bin nicht der Meinung, dass wir Zeithain alimentieren sollten“, so Kraze.

 Ganz im Gegenteil: Für Kraze sind die Lampen in Heidehäuser Zeithainer Sache – zumindest dort, wo Heidehäuser auf Zeithainer Territorium liegt. Und weil das so sei, solle Zeithain sich an den Planungs- und Baukosten beteiligen.

Den Einwohnern von Heidehäuser dürfte indes ziemlich egal sein, ob jetzt Wülknitz oder Zeithain dafür aufkommt, dass sie in der Nacht nicht über dunkle Gehwege stolpern müssen. Diese Menschen wollen am Ende einfach nur sicher nach Hause kommen – wer auch immer dafür blechen muss.

Diese Woche kann wohl kaum kurioser werden.