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Wenn Kleidung nicht viel kosten darf

Der Heimatverein hilft Leute mit geringem Einkommen. Jetzt soll das Kleiderstübchen raus aus seinem alten Quartier.

© André Braun

Von Sylvia Jentzsch

Hartha. Anne ist neun Jahre alt. Vor etwa einem Jahr zog ihre alleinstehende Mutter mit drei Kindern nach Hartha. Sie war froh, als sie das Kleiderstübchen entdeckte und hier ihren Kindern so manchen Wunsch erfüllen kann. Anne kommt zwei- bis dreimal in der Woche im Stübchen an der Straße der Jugend 1 bei Karin Hübner vorbei. „Ich schaue mich um, ob ich etwas Neues entdecke. Hier gibt es ja nicht nur Sachen, sondern auch Spielzeug“, sagte Anne.

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Karin Hübner sei immer so nett. Und wenn die Neunjährige einen besonderen Wunsch hat, dann setzt die Leiterin des Kleiderstübchens einige Hebel in Bewegung, um diesen zu erfüllen. Und so hofft Anne, dass ihr großer Weihnachtswunsch, eine Filly-Pferdchen-Burg, wahr wird. Am Lächeln von Karin Hübner ist zu sehen, dass sich Anne auf das Fest und die Überraschung freuen darf. Anne hat noch einen weiteren Wunsch. Sie möchte gern ein Fahrrad. Doch da muss zurzeit auch Karin Hübner passen.

Eine Art Seelsorgerin

Seit sechs Jahren verkauft sie im Kleiderstübchen, das zuerst als Kleiderkammer geführt wurde. Sie sorgt mit ihrem Engagement nicht nur dafür, dass Leute mit wenig Geld schicke Kleidung kaufen und tragen können. Sie ist auch eine Art Seelsorgerin, weil sie sich die Probleme der Leute anhört, aber an freudigen Ereignissen Anteil nimmt.

„Das Kleiderstübchen ist zu klein. Deshalb wollen wir in eine Wohnung mit zwei Kinderzimmern umziehen“, sagte Karin Hübner und meint das symbolisch. Denn die Wohnung an der Straße der Jugend 1, in der sich das Kleiderstübchen seit 2012 befindet, ist einfach zu klein für die vielen Angebote. „Zurzeit ist nirgendwo richtig Platz, um die schönen Dinge zu präsentieren“, sagte Karin Hübner.

Deshalb freute sie sich über das Angebot der Wohnungsgenossenschaft Hartha, in eine größere Wohnung mit einem zusätzlichen Zimmer zu ziehen. „Dann kann ich wieder eine Waschmaschine aufstellen, um das eine oder andere zu reinigen. Ein Balkon zum Trocknen der Wäsche steht mir dann ebenfalls zur Verfügung.“

Auch wenn Karin Hübner zurzeit voll mit dem Weihnachtsgeschäft ausgelastet ist, macht sie sich schon jetzt Gedanken, wie sie das neue Kleiderstübchen einrichten will. Die Kleidung für die Frauen kommt ins Wohnzimmer. Da ist dann ausreichend Bewegungsfreiheit.

Umzug im Frühjahr

Die Herren- und die Kindersachen sollen in den beiden Kinderzimmern ihren Platz bekommen. Auch eine Ecke für Schnick-Schnack soll es geben. Denn kleine Geschenkartikel nimmt Karin Hübner ebenfalls entgegen, um sie dann im Kleiderstübchen anzubieten. Im Schnick-Schnack-Regal stöbert auch Anne gern. Am Dienstag entdeckte sie ein Glas, das zu denen daheim passt. Sorgfältig wickelte es Karin Hübner ein. Bei ihr hat niemand das Gefühl, Waren aus zweiter Hand zu bekommen. „Ich bin mit dem Herzen dabei und das merken die Leute. Ich liebe meine Aufgabe“, sagte sie.

Nicht nur die Wohnungsgenossenschaft Hartha hat ihre Zustimmung für den Umzug der sozialen Einrichtung in eine größere Wohnung gegeben. Auch der Heimatverein als Träger des Kleiderstübchens, ist mit der Vergrößerung einverstanden, auch wenn sich die monatlichen Kosten um etwa 30 Euro erhöhen.

„Wir rechnen im Frühjahr mit dem Umzug“, so Vereinsvorsitzende Silke Weise. Anfang des neuen Jahres sollen die Räume besichtigt und festgestellt werden, was alles auf Vordermann gebracht werden muss. Dann wird es sicher einen Arbeitseinsatz geben. Für die neuen Räume werden noch Regale benötigt. „Vielleicht hat jemand welche übrig“, so Karin Hübner.

Sie nimmt vor den Feiertagen von Montag bis Freitag noch gern schöne Sachen, Geschenkartikel sowie Spielzeug an. Dann ist das Kleiderstübchen vom 21. Dezember bis 4. Januar geschlossen.