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Zwillingsmutter vor Gericht

Eine Frau wurde mit ihren Zwillingen in die Kinderklinik Kreischa verlegt. Doch dort lief alles aus dem Ruder.

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© Symbolbild/dpa

Von Yvonne Popp

Man habe zu keiner Zeit die Absicht gehabt, der Angeklagten die Kinder wegzunehmen, versichert eine als Zeugin geladene Kinderärztin vor Gericht. Sie und das Personal des Kinderzentrums der Bavaria-Klinik in Kreischa hätten immer nur das Wohlergehen der Zwillingsmädchen von Claudia L. im Blick gehabt. Das sei aber gefährdet gewesen, erklärt die Ärztin, als L. nach nur zwei Tagen Aufenthalt die Klinik wieder verlassen wollte. Zu diesem Zeitpunkt, so sagt die Zeugin weiter, sei zumindest eines der viel zu früh geborenen Mädchen nicht reisefähig gewesen.

Doch davon wollte die Angeklagte nichts wissen. Jedem Gesprächsversuch stellte sie sich entgegen. Weder nannte sie Gründe, die sie zur vorzeitigen Abreise bewogen hatten, noch zeigte sie Einsicht. Insgesamt sei ihr aufbrausendes Verhalten untragbar gewesen, schildert die Ärztin. Schließlich habe man das Jugendamt hinzugezogen, welches dann die zeitweilige Inobhutnahme ihrer kleinen Tochter angeordnet hatte.

Völlig aufgebracht hatte die Angeklagte daraufhin die Polizei gerufen. Im Beisein der Beamten drohte sie der Stationsschwester und der Ärztin: „Wenn meinem Kind etwas passiert, bringe ich euch um.“ Beim Verlassen des Hauses soll sie dann noch „Ich kille euch alle“ gerufen haben.

Urteil bleibt bestehen

Wegen dieser massiven Drohungen war die Frau aus Thüringen bereits per Strafbefehl zu einer Zahlung von 600 Euro verurteilt worden. Dagegen hatte sie umfassend Einspruch eingelegt.

Am Amtsgericht in Dippoldiswalde gibt die Frau nun zu, versucht zu haben, mit der Todesdrohung die Klinikmitarbeiterinnen einzuschüchtern. „Man darf aber nicht vergessen, was mir da in den Knochen gesteckt hat“, sagt sie. Dann erzählt sie von ihrer Scheidung, der Angst um ihre Zwillingsfrühchen und davon, wie ihre Tochter in einer anderen Klinik beinahe wegen eines Behandlungsfehlers gestorben wäre. In der Kinderklinik im Kreischaer Ortsteil Zscheckwitz, an die sie sich auf eigenen Wunsch hin hatte überweisen lassen, habe sie sich aber vom ersten Moment an nicht wohl gefühlt. „Ich bekam ein Zimmer zugewiesen und danach hat sich keiner mehr um mich gekümmert“, beschwert sie sich. Die Stationsschwester sagt aus, dass sie und ihre Kolleginnen sich viel Mühe mit Frau L. gegeben haben. „Bei uns bekommen die Eltern Anleitung und Hilfe bei der Pflege ihrer Frühgeborenen. Wir versuchen, sie optimal auf das Leben zu Hause vorzubereiten“, erklärt die junge Frau. Sie sagt, dass die Angeklagte von Anfang an sehr abweisend war. Mit den Worten: „Ich mach’ das schon“ habe sie alle Hilfsangebote von vornherein abgewiegelt.

Als es schließlich zu der Auseinandersetzung in der Kinderklinik kam, war die Stimmung schon so angespannt, dass es nicht mehr möglich war, ein normales Gespräch mit Claudia L. zu führen. Auf alle Versuche, die Sache in Ruhe zu klären, habe die Frau sehr wütend reagiert, berichtet die Krankenschwester. Zwar komme es gelegentlich vor, dass Ärzte und Eltern verschiedener Meinung sind, aber noch nie sei das so ausgeartet. Sie sagt weiter, dass sie deshalb Frau L.s Drohungen durchaus ernst genommen hatte.

Wegen der Zeugenaussagen des Klinikpersonals sieht das Gericht am Ende der Verhandlung keinen Grund, die zuvor verhängte Strafe zu mildern. Die Eskalation sei nur auf das Verhalten der Angeklagten zurückzuführen, da alle anderen um Schlichtung bemüht gewesen seien, begründet Richterin Daniela Höllrich-Wirth ihre Entscheidung und erhält das Urteil aus dem Strafbefehl aufrecht. Claudia L. muss nach wie vor wegen Bedrohung 600 Euro zahlen oder ersatzweise gemeinnützige Arbeit leisten.