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Döbeln

Wenn Mist den Boden heilt

Die Biogärtnerei Auenhof will den Humusgehalt auf seinen Flächen steigern. Dadurch wird mehr Wasser gespeichert.

Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt war zu Gast in der Biogärtnerei Auenhof in Niederlützschera. Oliver Leipacher erklärte ihm, wie er das Gerüst von Zelten als Windfang nutzt. © Lars Halbauer

Ostrau. Für die Biogärtnerei Auenhof ist Bio nicht nur ein Siegel, sondern hier wird Bio gelebt. Wer denkt, dass Bio-Gärtnern eher den Ursprüngen des Landbaus entspricht und recht simpel ist, der hat sich getäuscht.

„Bei uns wird innovativ und zukunftsorientiert gearbeitet. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, damit wir im Einklang mit der Natur unsere Produkte auch noch künftig erzeugen können“, sagte Katrin Leipacher. Das ließ auch Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) erklären. 

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Er besuchte die Biogärtnerei in Niederlützschera auf Einladung der beiden Geschäftsführer. „Wir waren beim Bürgergespräch des Ministerpräsidenten in Freiberg dabei. Da habe ich gefragt, ob der Minister uns nicht einmal besuchen will. Und nun ist er da“, sagte Katrin Leipacher.

Dabei ging es nicht nur um die Vorstellung des Betriebes, sondern auch um Probleme mit denen die Landwirte kämpfen müssen. Dazu gehören das Wassermanagement, das Baurecht und auch die Düngeverordnung. Laut dieser muss die Biogärtnerei bis nächstes Jahr über eine sogenannte Mistplatte verfügen. Das heißt, es müsste Boden versiegelt werden, um den Mist lagern zu können. 

„Das ist kontraproduktiv zum Naturschutz“, sagte Oliver Leipacher. Sollte diese Verordnung durchgesetzt werden, könnte es sein, dass auf dem Auenhof kein Mist mehr verwendet wird. Dabei ist der ein wertvolles Mittel, um den Humusgehalt des Bodens zu erhöhen. Leipacher verwendet den Mist nicht pur, sondern reichert ihn an mit Holzschnitzeln, Ernteresten, selbst hergestellter Holzkohle und Mikroorganismen. 

„Dieses Gemisch ist ein Heilmittel für den Boden, und kein Dünger“, sagte der Bio-Gärtner. „Die Kosten, um den Mist so aufzuarbeiten liegen immerhin bei 10 000 Euro“, so Leipacher und zeigt auf den großen Komposthaufen.

Der „Komposttee“, den Oliver Leipacher ansetzt, fällt nicht unter die Düngeverordnung. Er belebt die Pflanzen. Dafür wird das Wasser aufbereitet und unter anderem mit Mikronährstoffen versetzt.

Im vergangenen Jahr hatten die heftigen Stürme Folie-Zelte weggerissen. Nicht alle wurden wieder aufgebaut. Da damit zu rechnen ist, dass diese Stürme immer wieder kommen und heftiger ausfallen, will Leipacher den Wind sozusagen ausbremsen. Dafür nutzt er die stehengebliebenen Stangen der Foliezelte. 

Sie dienen nun als Rankhilfen für Bohnen, Zuckermais oder Kapuzinerkresse. Gleichzeitig bilden sie einen Schirm gegen den Wind. Zwischen 80 und 100 Kulturen baut die Biogärtnerei an. Nicht alle werden auf großen Flächen gezogen. Wird in kleiner Stückzahl angebaut, dann wachsen die Pflanzen, die zu 95 Prozent aus der eigenen Anzucht stammen, in einem „Market-Garding“. 

Dabei handelt es sich um eine kleinräumige, gärtnerische Nutzung. Pflanzen, die in Größenordnungen angebaut werden, wachsen sowohl in Foliezelten als auch auf kleinen Dämmen. Die können das Wasser besser speichern. Denn auch darüber müssen sich die Biogärtner langfristig Gedanken machen. Die Trockenheit wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zunehmen.

Leipachers Bauantrag zur Entwicklung der Gärtnerei wurde genehmigt. Nun sei klar, wie die weitere Entwicklung des Unternehmens aussieht. Diesen Plan hat Oliver Leipacher nicht nur für das Unternehmen, er hat auch eine Strategie, wie er über gesunde Pflanzen zu einem gesunden Boden kommt. Und mit daran beteiligt sind all jene, die auf gesunde Ernährung setzen.