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Wenn Politiker vor Polizisten warnen

Im Landtag schlägt man Alarm, weil unsere Beamten aufrüsten. Sollten wir uns echt fürchten? Das beantwortet SZ-Redakteur Gunnar Saft in seiner Kolumne.

© dpa/Andreas Arnold

Von Gunnar Saft

Die Welt wird immer brutaler und auch in Sachsen sind die ruhigen Tage gezählt. Das glaubt jedenfalls die Opposition im Landtag und schlägt deshalb schon seit Tagen lauthals Alarm. Gewarnt wird jedoch nicht vor einfallenden bösen Hunnen oder grünen Aliens aus dem Weltall, sondern vor der sächsischen Polizei. Es ist also quasi ein Notruf, der alle Bürger vor jenen Beamten schützen soll, die zu unserem Schutz da sind. Das ist ungewöhnlich und klingt noch viel gefährlicher als Aliens und Hunnen, die plötzlich gemeinsam auftauchen.

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Gunnar Saft © Robert Michael

Sorgen machen sich einige Abgeordnete vor allem deshalb, weil Sachsens Polizei ihre Spezialkräfte bald nicht nur mit Panzerwagen, sondern auch mit Maschinengewehren und Handgranaten ausrüsten lassen will – also alles Dinge, die kein Bürger in seinem Werkzeugkasten hat. Dass wir somit gegen die Staatsmacht keine Chance haben, ist natürlich klar. Und wer jetzt vor Schreck vergisst, kurz mal darüber nachzudenken, warum die Polizei eigentlich uns damit angreifen sollte und nicht schwer bewaffnete Spitzbuben, bekommt es tatsächlich mit der Angst zu tun. Wenn das der Plan der Politiker war, hat er funktioniert.

Zum Glück gab es dieser Tage aber eine andere Meldung, die zeigt, dass noch nicht alles verloren ist. So ist die Zahl der privaten Waffenbesitzer im Freistaat auf einen neuen Rekordstand gestiegen. Fragen Sie also beim Nachbarn nach, ob er mit einer Flinte aushilft, und nageln Sie dann ein Schild an die Haustür: „Vorsicht, nachbarschaftliche Schützenhilfe!“ Wetten, dass sich nun keiner der um Ihre Sicherheit besorgten Politiker in die Nähe traut. Falls aber doch einer klopft, um Sie weiter vor was auch immer zu warnen, fuchteln Sie einfach mit einem schwarzbemalten Ei vor dem Guckloch herum und schreien „Bumm, bumm!“. Geht er immer noch nicht, greifen Sie bitte zur mächtigsten Waffe – und rufen die Polizei.