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Wenn sich die Busse drängen

Zum Verdruss mancher Anwohner hat der Verkehr auf dem Busbahnhof zugenommen. Das hat mehrere Ursachen.

© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

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Döbeln. Es wird manchmal eng auf dem Döbelner Busbahnhof. In Rekordzeitzeiten hat Matthias Schmidt bis zu 13 Busse gleichzeitig auf dem relativ kleinen Areal an der Zwingerstraße gezählt. Schmidt wohnt gleich nebenan im Zwingergässchen. Seit die Bahnlinie nach Dresden eingestellt ist, hat sich aus seiner Sicht die Situation verschlechtert. Vorher habe auf dem Busbahnhof nur der Stadtverkehr halt gemacht. „Was das für uns als Anwohner bedeutet, sowie eigentlich für alle, die in der Stadt leben, kann man sich ja vorstellen. Wir ziehen uns alle Emissionen von Lärm bis Feinstaub direkt in die Innenstadt. Jeder Bus der nach Freiberg, Meißen, Roßwein, Waldheim oder Leisnig fährt, hält direkt im Stadtzentrum, fährt anschließend zum Bahnhof und geht anschließend auf Tour.“ Er habe sich deswegen an das Landratsamt gewandt: „Ich habe gefragt, ob das denn alles so richtig ist. Die Antwort können sie sich ja von einem Unternehmen, an dem der Kreis beteiligt vorstellen. Alles in Ordnung! Ein Witz ist das.“

Das Busunternehmen ist Regiobus. Und es gibt noch einen Grund, warum der Verkehr auf dem Busbahnhof zugenommen hat: Regiobus hatte ihn vor etwa eineinhalb Jahren zum Drehkreuz für seinen Busverkehr in Döbeln gemacht und die Fahrpläne entsprechend angepasst. Die Passagiere können so auf dem Busbahnhof in jede Richtung umsteigen. „Das Drehkreuz hat sich bewährt“, sagte Michael Tanne, Geschäftsführer von Regio-Bus. Nach einigen „Justierungen“ kurz nach der Umstellung funktioniere das System jetzt einwandfrei. Nach Tannes Meinung ist der Busbahnhof auch nicht zu klein. „Aber es stimmt schon, dass er zu bestimmten Zeiten gut gefüllt ist.“ Verschärfend komme hinzu, dass manche Buslinien wie die nach Freiberg am Hauptbahnhof eingesetzt werden und deshalb den Busbahnhof auf der Tour zweimal anfahren. „Die Busse werden nachgefragt. Wir haben auch steigende Zahlen beim Schülerverkehr“, sagte Tanne. „Der ländliche Raum darf nicht auf der Strecke bleiben.“

Nach einem Treffen mit der Stadtverwaltung seien die Busfahrer angewiesen, die Motoren nicht unnötig laufenzulassen. „Das wurde auch kontrolliert“, sagte Tanne. In der kalten Jahreszeit könne das aber nicht immer eingehalten werden.

Durch die Verbreiterung der Flutmulde ist der Busbahnhof merklich kleiner geworden. Damals hatte die Landestalsperrenverwaltung ein Stück abgeknapst und auf ihre Kosten einen Bussteig neu gebaut, der modernen Standards entspricht. So gibt es auf dem Boden Markierungen für Sehbehinderte und Blinde. Außerdem liegt der Bussteig jetzt höher, sodass ältere Leute und Rollifahrer beim Einsteigen nicht durch eine Stufe behindert werden. Damit ist noch nicht Ende der Fahnenstange. Früher oder später ist die Modernisierung des gesamten Busbahnhofs vorgesehen. Zuständig dafür ist die Stadt. Genaue Pläne dafür gibt es aber noch nicht, sagte Baudezernent Thomas Hanns. Auch im Haushalt seien bisher noch keine Mittel vorgesehen. Ohnehin müsse dafür der Neubau der benachbarten Brücke Straße des Friedens abgewartet werden.

Über eine Modernisierung des Busbahnhofs hat Regiobus mit der Stadtverwaltung schon mehrfach gesprochen, sagte Tanne. Das sei dann auch eine Gelegenheit, die Schallimmissionen zu reduzieren. Denkbar seien verlängerte Überdachungen an den Bussteigen mit einer Wetterschutzrückwand, die den Lärm dämpfen. Über eine Verlagerung des Bahnhofs wird nicht nachgedacht. Baudezernent Thomas Hanns hält den Standort direkt im Stadtzentrum für ideal, auch für ältere Leute, die etwa den Wochenmarkt besuchen .