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„Wenn wir krank sind, wird es kritisch“

Immer mehr Eltern in Meißen wollen ihre Kinder in die Obhut von Tagesmüttern geben. Doch diese müssen häufig aus einem bestimmten Grund ablehnen.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

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Meißen. Das Kinderzimmer in der 100-Quadratmeter-Wohnung von Regina Philipp auf der Hafenstraße ist geräumig. Alles liegt oder steht an seinem Platz. Spielzeug, Malhefte, Windeln. Ordnung muss sein, findet die 61-Jährige. Momentan kümmert sie sich an fünf von sieben Wochentagen jeweils acht Stunden um vier Kleinkinder. Ihre eigenen sind längst aus dem Haus. Regina Philipp ist Tagesmutter. Wie die Mehrzahl der aktuell zwölf Kindertagespflegerinnen in Meißen kümmert sie sich in den eigenen vier Wänden um ihre Schützlinge.

„Für mich ist mein Job ein Traum. Es gibt nicht viel Schöneres, als Kindern dabei zuzusehen, wie sie wachsen, zu sprechen anfangen und jeden Tag Neues lernen“, sagt Philipp. Für immer mehr Eltern in Meißen stellt die Kindertagespflege bei einer Tagesmutter eine Alternative zur Kinderkrippe dar. „Viele entscheiden sich ganz bewusst dafür. Denn die Vorteile liegen auf der Hand.“ Als Beispiel nennt die Mutter von vier leiblichen, einem Adoptiv- und einem Pflegekind die wesentlich kleineren Gruppen. Maximal fünf Kindern betreue eine Tagesmutter. Bei den meisten sind es vier oder gar nur drei. „Dadurch können wir uns besser um die individuellen Belange der Kinder kümmern, als eine Erzieherin, die neun oder zehn Kinder betreut wie in manchen Kitas“, erklärt Philipp. Außerdem sei es für die null bis drei Jahre alten Jungen und Mädchen besser nur eine Bezugsperson zu haben, ergänzt die ehemalige Krankenschwester.

Die Vorteile sehen auch die Eltern. Deshalb hat sich die Zahl der Tagesmütter in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Dass der Trend anhält, sieht auch die Stadtverwaltung. „Wir stehen einer Steigerung der Zahl von Tagesmüttern offen gegenüber. Der Bedarf an einer Betreuung von Kindern zwischen null und drei Jahren besteht“, sagt Anne Dziallas, Leiterin des Büros des Meißner Oberbürgermeisters. Um Eltern bei der Suche nach freien Plätzen zu unterstützen, hat die Stadt kürzlich das Vergabeprogramm „Little Bird“ auf den Weg gebracht. Hier können die Erziehungsberechtigten im Internet auswählen, ob sie ihr Kind in einer Kita oder im kleineren Umfeld einer Tagesmutter betreuen lassen. „Die Tagesmütter entscheiden über die Aufnahme selbst. Zum Stand 18. April 2017 waren noch sieben Plätze unbesetzt“, sagt Dziallas. Trotzdem wachse der Druck auf die Tagesmütter, ist Regina Philipp überzeugt. Das zeige sich besonders dann, wenn eine der zwölf Frauen krank werde. Weil es bisher keine Krankenvertretung gebe, die Kinder aber nach dem Gesetz Anspruch auf Betreuung haben, entstehen Probleme.

Tagesmütter in Meißen

Die Nachfrage steigt. Gab es 2011 in Meißen nur sieben Tagesmütter, sind es heute schon zwölf.

Voraussetzung für den Beruf sind ein über 200 Stunden langes Bildungs-Curriculum, danach gibt es jährliche Weiterbildungsangebote verschiedener Initiativen und Vereine.

Das Alter der Tagesmütter in Meißen bewegt sich aktuell zwischen 30 und 61 Jahren.

47 Mädchen und Jungen werden derzeit von Tagesmüttern betreut. Insgesamt stehen maximal 54 Plätze in der Stadt zu Verfügung.

Zum Aktionstag Kindertagespflege am 25. April wollen sich die Meißner Tagesmütter gegen 9.30 Uhr vor dem Rathaus treffen und stehen für Gespräche zur Verfügung.

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„Die drei oder vier Kinder im Krippenalter kommen dann in eine Kita der Stadt. In ein völlig neues Umfeld. Das ist für alle Beteiligten keine gute Lösung.“ Deshalb hätten sich die Tagesmütter bereits mit einem Brief an Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) gewandt, der die Möglichkeit einer Krankenvertretung prüfen solle. Wird es nichts, so Philipp, bliebe den Tagesmüttern nichts übrig, als Verträge mit Eltern mit fehlendem sozialen Umfeld zu vermeiden. „Denn wir wollen möglichst sichergehen, dass die Kinder bei Angehörigen in der Nähe unterkommen, wenn wir einmal krank sind. Das ist insgesamt eine kritische Situation“, erzählt Philipp und hofft auf positive Nachrichten des OB‘s.

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