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Wenn zum Löschen der Hubschrauber fehlt

Die Dürre hinterlässt Spuren. Die Grünen fordern zur Bekämpfung von Großbränden in Sachsen bessere Technik.

© Marko Förster

Von Gunnar Klehm

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Der Oktober mit seiner prächtigen Laubfärbung gilt als einer der schönsten Reisemonate in der Sächsischen Schweiz. Doch nicht jedes Braun im Wald ist derzeit auf die Jahreszeit zurückzuführen. Zum einen frisst der Borkenkäfer in noch nie da gewesenem Ausmaß Fichtenbestände nieder. Zum anderen gab es so viele Waldbrände wie lange nicht. Das größte Feuer wütete im Basteigebiet. Von der Elbe aus war die Fläche gut auszumachen. Dort waren Laub und Nadeln schon im Sommer braun. Die Dürre in diesem Jahr hat ihre Spuren hinterlassen.

Dass sich angesichts der Klimaveränderungen daran zukünftig so schnell nichts ändern wird, davon ist die Partei Bündnis 90/Die Grünen überzeugt und fordert bessere Technik. „Ich habe Sorge, dass die sächsischen Feuerwehren auf einen großflächigen Waldbrand wie im Basteigebiet in der Sächsischen Schweiz nicht ausreichend vorbereitet sind, insbesondere auch deshalb, weil Innenminister Wöller die Lage offenbar nicht ernst genug nimmt“, erklärt Valentin Lippmann, innenpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion. Insbesondere prangert er an, dass es in Sachsen derzeit keine Löschhubschrauber oder Löschflugzeuge gibt. Auch die Anzahl der Tanklöschfahrzeuge, die über eine besonders hohe Bodenfreiheit und große Tankkapazität verfügen, hält er mit 15 Fahrzeugen in ganz Sachsen für zu gering. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist auch keines stationiert. „Zudem verfügt Sachsen nicht über speziell ausgebildete Waldbrandspezialisten oder spezielle Einsatzkleidung für die Waldbrandbekämpfung“, erläutert Lippmann. Unter anderem beklagten Feuerwehrleute beim Einsatz im Basteigebiet, dass die vorhandenen Schuhe zwar sehr gut für Gebäudebrände geeignet sind, aber nicht für den Dauereinsatz in unwegsamen Gelände.

Bedarf abfragen

Auf eine Anfrage Lippmanns erklärte jetzt Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU), dass in den Landkreisen Bautzen, Görlitz und Nordsachsen drei Löschzüge Waldbrand als Katastrophenschutzeinheiten aufgestellt wurden. Zudem verweist der Minister darauf, dass Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz Aufgaben der Gemeinden und Landkreise sind.

Wenn es um geeignetes Schuhwerk geht, sind die Gemeinden und Landkreise sicherlich die besten Ansprechpartner. Bei der möglichen Anschaffung eines Löschhubschraubers müsse der Innenminister aber seine Aufgabe als oberster Brand- und Katastrophenschützer wahrnehmen, erklärt Lippmann. „Ich erwarte, dass sich der Innenminister aufgrund der diesjährigen Dürre mit den Feuerwehren der Gemeinden und Landkreise zusammensetzt und den erforderlichen Bedarf für eine effektive Waldbrandbekämpfung abfragt“, sagt der Grünen-Abgeordnete.

In Tschechien hilft Polizei

Dass Einsatzstrategien für Hubschrauber bei Großbränden entwickelt werden müssen, diese Bitte hatte zuletzt auch Kreisbrandmeister Karsten Neumann ans Innenministerium herangetragen. Dabei gehe es ihm nicht nur um das bloße Abwerfen von Wasser aus der Luft. Neumann hält Hubschrauber auch für den Transport von Technik und Wasserbehältern in unwegsames Gelände wie das zerklüftete Elbsandsteingebirge für äußerst hilfreich. In der Sächsischen Schweiz flogen in den vergangenen Jahren zweimal Hubschrauber zu Löscheinsätzen. Das war am 1. September 2015 bei einem Großbrand in den Affensteinen und am 30. Mai 2017 in den Schrammsteinen. Da wurde jeweils die Bundeswehr um Unterstützung gebeten. Sie hatte zufällig Kapazitäten frei. Ein regulärer Einsatz der Bundeswehr zur Brandbekämpfung ist aber nicht vorgesehen.

Beim Waldbrand an der tschechischen Grenze zu Rosenthal-Bielatal war erst kürzlich den ganzen Tag ein Löschhubschrauber der Polizei aus Tschechien im Einsatz und warf Wasser ab. Bis 2004 gab es eine solche Zusammenarbeit der Feuerwehren mit der Landespolizei auch in Sachsen. Auch Übungen wurden abgehalten. Doch dann wurde der entsprechende Hubschrauber verschrottet. An die Aktivitäten von 2004 müsse wieder angeknüpft werden, so Lippmann. Der Innenminister müsse sich mit der Koordinierung der Übungen, etwa zusammen mit der Polizei, sowie mit den Katastrophenschutzplänen für Waldbrände beschäftigen und diese an die aktuellen Entwicklungen anpassen.