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Arbeit und Bildung

Wer abbricht, ist nicht plötzlich dümmer

„Der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen.“ Dieses Zitat wird Friedrich II. zugeschrieben.

Nicht jeder ist fürs Studieren gemacht. Auch im Handwerk stehen vielfältige Chancen offen.
Nicht jeder ist fürs Studieren gemacht. Auch im Handwerk stehen vielfältige Chancen offen. © Foto: André Wirsig/HWK Dresden

Ob ein gewählter Weg letztlich der richtige war, zeigt sich manchmal erst nach ein paar Schritten.

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Ist ein Studium der richtige Weg?

Seit Januar diesen Jahres gibt es das Webportal Weg X. „Es richtet sich an alle, die im Studium feststecken, die sich unsicher sind, ob ein Studium für sie der richtige Weg ist“, erläutert Daniel Bagehorn. Er ist Pressereferent der Handwerkskammer Dresden, die das Portal federführend betreut. Unter dem Motto „Dein Ausstieg. Deine Chance“ werden hier Alternativen aufgezeigt und Hilfen angeboten. Ziel ist es, den jungen Leuten eine berufliche Perspektive zu vermitteln.

Dafür hat die Handwerkskammer gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter und der IHK bereits seit vier Jahren ein breites Netzwerk rund um das Thema geknüpft. „Wir arbeiten zudem eng mit den Studienberatungen der Technischen Universität und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, der Dresdner Bildungsberatung und der psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerks zusammen“ sagt Daniel Bagehorn. Das Webportal Weg X ist ein Baustein der gemeinsamen Arbeit. „Auf der Website können sich Studienzweifler zunächst ganz anonym informieren“, sagt Bagehorn. Denn wer sich mit dem Gedanken trägt, sein Studium zu beenden, trifft nicht überall auf Zustimmung. „Manchmal spüren die jungen Leute aus ihrem Umfeld einen großen Druck, studieren zu müssen“, beschreibt Daniel Bagehorn. „Doch es gibt auch abseits der Uni großartige Karrieremöglichkeiten.“

Berufliche Orientierung schaffen

Bis es tatsächlich zum Abbruch des Studiums kommt, ist in der Regel ein längerer Prozess vorangegangen. „Die Leute, die wir beraten, sind im Durchschnitt Mitte zwanzig und viele von ihnen haben schon mehrere verschiedene Studiengänge begonnen“, sagt der Pressereferent. In dieser Phase des Abwägens und Umorientierens kann das Netzwerk bereits ansetzen und mitunter auch einen Studienabbruch verhindern. „Viele der Frauen und Männer, die zu uns kommen, sind orientierungslos und stehen unter einem enormen Druck. Eine berufliche Orientierung ist in diesem Fall der erste Schritt“, beschreibt Daniel Bagehorn. Dabei werden Alternativen innerhalb und außerhalb der Hochschule erörtert, beispielsweise ein Wechsel der Studienform oder der Beginn einer verkürzten Ausbildung. „Wir bestärken die jungen Leute darin, ihre eigene Entscheidung zu treffen und auf ihr Herz zu hören. Nur weil man sein Studium abbricht, ist man ja nicht plötzlich dümmer als vorher“, sagt der Pressereferent.

Eine Herausforderung für die Berater ist es, die Hilfesuchenden zu motivieren und ihnen wieder Freude an dem, was sie tun, zu vermitteln. Hierbei kann auch ein Praktikum hilfreich sein, um zu sehen, was einem tatsächlich liegt. „Und wer sich im Betrieb wohlfühlt, bringt auch gute Leistungen“, sagt Bagehorn. Hier arbeitet das Netzwerk eng mit Unternehmen zusammen. Denn auch für die Firmen stellt ein Studienabbruch längst keinen Makel mehr dar. „Die Betriebe sind froh, gute Fachkräfte zu bekommen.“

Von Silke Rödel