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Wer bezahlt die muslimischen Gebetsräume?

Allein in Riesa werden 500 Euro Miete pro Monat fällig – anderswo noch deutlich mehr.

© Lutz Weidler

Von Christoph Scharf

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Riesa. Die Miete fließt immer pünktlich, sagt der Vermieter. Der Riesaer Unternehmer hat an seinen neuen Mietern in der Goethestraße nichts auszusetzen. Laut eigenen Angaben zahlt die Unternehmensgesellschaft SBS pro Monat 500 Euro, um eine „multikulturelle Begegnungsstätte“ in Riesa anbieten zu können, die vor allem für das muslimische Freitagsgebet genutzt wird. Gut 70 Prozent der Besucher machen Syrer aus, sagt SBS-Geschäftsführer Saad Elgazar. Auch Asylbewerber aus anderen Ländern seien dankbar für das Angebot.

Eine Frage drängt sich auf: Wie lässt sich so ein Raum finanzieren, wenn die meisten Nutzer Asylbewerber sind, denen das Geld kaum locker in der Tasche sitzen dürfte? Denn die erst 2016 gegründete Gesellschaft SBS – das Kürzel steht für „Sächsische Begegnungsstätte“ – betreibt nicht nur in Riesa einen Gebetsraum. Auf der Internet-Präsenz tauchen neben Riesa noch Objekte in Meißen, Görlitz, Zittau, Pirna, Leipzig, Dresden auf. Neuerdings sind auch Orte außerhalb von Sachsen dazugekommen: Brandenburg an der Havel und Rastatt und Bruchsal in Süddeutschland.

Die meisten Räumlichkeiten sind nach Angaben der SBS angemietet. Riesa ist dabei mit aktuell 500 Euro noch das günstigste Objekt – selbst der frühere Gebetsraum in Riesa, nur eine Straßenecke weiter, war mit 650 Euro pro Monat teurer. In Meißen werden demnach 650 Euro Miete im Monat fällig, in Zittau 740 Euro, in Rastatt gar 1 400 Euro. In Pirna dagegen kann sich die SBS mittlerweile die Miete sparen: Dort hat die Gesellschaft ein Objekt gekauft, unterschiedlichen Angaben zufolge hat es 260 000 Euro oder 300 000 Euro gekostet.

Und das schafft eine GmbH mit einem Stammkapital von 1 000 Euro, die noch kein Jahr alt ist? Das funktioniert alles über Spenden, sagt Muhammed-Ronald Wellenreuther vom Vorstand der SBS. Zu denen rufe man regelmäßig in den Freitagspredigten auf. Ein Sachverhalt, den ein Nutzer der Meißner SBS-Einrichtung der SZ gegenüber bestätigt hatte.

Zudem fordere der Islam ohnehin seine Gläubigen zu Abgaben auf. So bildet die Zakat, eine für Muslime verpflichtende Abgabe, eine der sogenannten Fünf Säulen des Islams. Wer mehr als eine bestimmte Menge Besitz hat, muss zweieinhalb Prozent des Wertes der Güter als „Läuterungsabgabe“ zahlen. Neben der obligatorischen Zakat gibt es im Koran noch den Begriff Sadaqa – eine Art freiwilliges Almosen, um das in der Freitagspredigt gebeten wird.

Laut Wellenreuther würden sich mit diesen Spenden die Objekte der SBS finanzieren lassen – weil sämtliche Arbeiten in der Gesellschaft von Ehrenamtlichen geleistet würden. Außerdem habe man in Dresden eine ganz andere Basis an Muslimen: So habe das Marwa Elsherbiny Kultur- und Bildungszentrum Dresden, aus dessen Umfeld die SBS entstanden ist, 3 500 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern. Darunter seien längst nicht nur Asylbewerber, sondern auch viele Selbstständige, Ärzte oder Studenten – und einige deutsche Konvertiten. Deren Spenden würden im Stillen fließen – so etwas hänge man nicht an die große Glocke.

Aussagen des Verfassungsschutzes, dass die SBS vielfältige Kontakte zur vom Verfassungsschutz beobachteten Muslimbruderschaft unterhalte, tritt die Organisation ebenso wiederholt entgegen. Man sei unabhängig, sagt Wellenreuther. „Wir gehören auch keinem Dachverband an und wollen auch keinem beitreten.“

Die Zeichen stehen auf Expansion. Laut SBS-Homepage befinde man sich mittlerweile zu Objekten in Bautzen, Senftenberg und Luckenwalde in Verhandlungen. „Wir wollen überall dort hin, wo Bedarf ist“, heißt es dort.

Laut geht es dabei nicht zu. In Riesa teilen sich die Muslimen die angemieteten Gewerberäume mit einer Finanzmaklerin – da gibt es einen gemeinsamen Flur, eine gemeinsame Küche, getrennte Toiletten. „Von den Leuten ist fast nichts zu bemerken“, sagt die Maklerin.