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Wer braucht in Glashütte einen Parkplatz?

Im März können Anlieger ihr Interesse an einem Miet-Stellplatz anmelden. Danach entscheidet sich auch die Zukunft eines Garagenkomplexes.

© Frank Baldauf

Von Maik Brückner

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Glashütte. Tagtäglich pendeln knapp 2 000 Leute in die Uhrenstadt Glashütte. Viele kommen mit dem Auto. Deshalb sind Parkplätze knapp. Das nervt Anwohner und Gewerbetreibende. Ihnen möchte die Stadt nun Parkplätze zur Miete anbieten. Das hat der Technische Ausschuss in seiner Sitzung am Dienstag beschlossen. Pro Stellfläche würden zwischen 30 und 40 Euro im Monat fällig werden. Wer Interesse daran hat, muss sich verbindlich entscheiden, diese mindestens fünf Jahre zu mieten.

Die Abfrage des Bedarfs soll voraussichtlich ab Mitte März starten und einen Monat dauern. Nach dem Eingang der Meldungen wird sich der Stadtrat mit dem Thema befassen. Die rund 54 Stellplätze, die die Stadt anbietet, gibt es noch nicht. Sie müssten erst an der Emil-Lange-Straße geschaffen werden. Dazu müssten 34 Garagen abgerissen werden. Die sind zwar privat, stehen aber auf städtischem Grund und Boden. Das ist ein Relikt aus DDR-Zeiten und wurde inzwischen rechtlich geregelt. Demnach kann die Stadt als Grundstückseigentümer die Garagen ohne Entschädigung abreißen.

Ob das passieren soll, muss der Stadtrat entscheiden. Zuvor dürfte es eine kontroverse Debatte geben. Denn die Kosten für die Schaffung der Stellflächen sind hoch. Die Stadt rechnet mit einer Investitionssumme von 700 000 Euro. Diese beinhaltet nicht nur den Abriss der Garagen, sondern auch den Bau einer Stützwand. Diese ist nötig, um den Hang entlang der Straße zu sichern, erklärte Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler (CDU). Bereits jetzt fallen hin und wieder Gesteinsbrocken auf die Dächer der Garagen. Zudem drückt Wasser aus dem Berg. Mehrere Garagen hätten deshalb feuchte Wände. Es sei eine Frage der Zeit, wie lange diese Garagen noch nutzbar sind, erklärte er.

Bereits in der Sitzung meldeten die Stadträte Lothar Mauer und Helmut Wagner (beide Wählervereinigung Zeitlos) Zweifel an, dass diese Rechnung aufgehe. Denn für diese Investitionssumme entstehen vergleichsweise wenig Parkplätze, sagte Mauer. Wagner machte eine Gegenrechnung auf: Bisher gibt es 34 Garagen. Außen existieren bereits zehn Stellflächen an der Straße. Demnach gibt es nach Abriss und Bau der Stützwand nur zehn Stellflächen mehr, rechnete er vor. Zudem müsse man mit dem Widerstand der Garagenbesitzer rechnen. „In Glashütte eine Garage zu besitzen, ist ein Privileg“, sagte er. Vielmehr sollte die Stadt versuchen, an anderen Stellen Parkplätze zu schaffen.

So könnte man unter anderem Parkbuchten entlang der Hauptstraße zusammenlegen, schlug er vor. Doch das sei nicht so einfach und nicht so preiswert, wie es auf den ersten Blick scheint, sagte Dreßler. Denn dabei müssten die Interessen der Straßenbaubehörde des Freistaates beachtet werden. Zudem habe sich die Stadt schon mit mehreren Flächen befasst, auf denen Parkplätze entstehen könnten. „Seit 20 Jahren suchen wir nach Lösungen, um die Situation zu verbessern“, versicherte auch sein Stellvertreter, Stadtrat Andreas Loose (CDU). Wo es ging, habe man die Chance ergriffen.

So hat sich der Technische Aussschuss mit der vergleichsweise großen Fläche befasst, die an der Dresdener Straße gegenüber dem Autohaus Kühnel liegt. Nach Einschätzung der Stadt hätten hier bis zu zehn Parkplätze entstehen können. Der beauftragte Planer brachte Ernüchterung in die Debatte. Maximal könnten vier Stellplätze hier entstehen. „Das ist zu wenig für den Aufwand“, sagte Dreßler. „Die Stadt müsste die Dresdner Straße verschieben.“

Auch die freie Fläche gegenüber dem Ärztehaus wurde geprüft. Bis zu 30 Stellflächen könnten hier entstehen. Doch das werde nicht durch die Stadt geschehen, sondern wohl eher durch die Firma Lange, die diese Fläche inzwischen vom Bund gekauft hat. Auch andere Stellen wurden geprüft. Doch an vielen Stellen gibt es Hanglagen und die verteuern den Bau, auch den von Parkplätzen, sagt Loose, der beim Schlottwitzer Bauunternehmen Zimmermann arbeitet und als Bauexperte gilt. Er sei zum Schluss gekommen, dass man in Glashütte viel Geld in die Hand nehmen muss, um Parkplätze zu schaffen. Ob das nötig sein wird, werden die Ergebnisse der Befragung zeigen. „Wir sollten diese Tippel-Tappel-Tour gehen“, sagte Loose.

Ähnlich sieht es Dreßler. Er kündigte an, dass sich die Garagennutzer zu den Plänen an der Emil-Lange-Straße äußern können und möchte dem Stadtrat vorschlagen, dass diese im Falle eines Abrisses ihrer Garage „für eine bestimmte Zeit ein Stellplatz zu vergünstigten Konditionen“ bekommen sollen. Sollte sich herausstellen, dass es zu wenig Interessenten für die potenziellen Stellflächen an der Emil-Lange-Straße gibt, werde die Stadt ihre Bemühungen einstellen. Denn auch Dreßler sieht die hohen Kosten und ein gewisses Risiko, das bei der Stadt trotz der avisierten Vermietung bleiben wird.