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Wer bringt das in Ordnung?

Bislang kümmert sich die Stadt Zittau um die Waldwege im Gebirge. Ein Gerichtsurteil stellt das nun infrage.

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© SZ-Archiv/Sampedro

Von Holger Gutte

Zittau. Der Körtingweg ist einer der beliebtesten, aber auch reparaturbedürftigste Wanderweg im Zittauer Gebirge. Er führt vom Kammloch am Hochwald vorbei in Richtung Lückendorfer Forsthaus. Seit August 2010 gibt es hier in der Nähe von Lückendorf zwei Stellen, wo der Wanderer höllisch aufpassen muss. Die starken Niederschlägen vor sechs Jahren haben nicht nur für die Hochwasserkatastrophe in vielen Ortschaften gesorgt. Auch einige Waldwege im Gebirge sind ausgespült worden. Beim Körtingweg in Lückendorf gab es damals zwei Erdrutsche, deren Folgen bis heute nicht behoben werden konnten.

Zuständig dafür schien bisher die Stadt Zittau als Eigentümer der überwiegenden Waldflächen im Gebirge. Nach einem Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichtes im Mai 2015 sieht das jetzt etwas anders aus. Dem Urteil lag ein Rechtsstreit der Bahn AG mit der Stadt Dresden zugrunde. Konkret ging es um einen Weg, der in der Dresdner Heide eine Bahnstrecke überquert. Die Stadt Dresden war der Auffassung, dass sie hier nicht verantwortlich ist, weil der Wald dem Freistaat gehört und der Weg nicht von ihr öffentlich gewidmet ist. Dies sieht das Gericht anders.

Ganz streng ausgelegt, könnte das für den Zittauer Stadtwald im Gebirge bedeuten, dass für die Waldwege dort die jeweilige Kommune zuständig ist. Aus diesem Grund hatte nun bei der jüngsten Zittauer Ratssitzung Stadtjustiziar Horst Schiermeyer in Zusammenarbeit mit der Leiterin des städtischen Forstbetriebes, Angela Bültemeier, den Abgeordneten einen Prüfbericht zur Unterhaltspflicht bei Waldwegen vorgelegt.

Die Stadt Zittau will die Zuständigkeit für die Waldwege demnach aber nicht einfach den Gebirgsgemeinden geben. „Uns liegt an einer guten Zusammenarbeit mit den Gemeinden“, sagt Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm). Er will das Thema jetzt erst einmal mit dem Vorstand des Naturparkes Zittauer Gebirge besprechen. Zudem soll es ein Thema auf der demnächst anstehenden Sitzung der Naturparkgemeinden sein. Die Stadt verschickt den Bericht aber nicht einfach so an die Gemeinden, sondern will mit ihnen darüber sprechen, berichtet der Oberbürgermeister. „Ich sehe keine klare Lösung und erwarte dabei keine schnellen Erkenntnisse“, fügt Thomas Zenker hinzu. Stadtrat Matthias Böhm (Grüne) befürchtet, dass sich Zittau mit dem Bericht weiter bei den Gebirgsgemeinden unbeliebt macht. Man solle über die Gründung eines Zweckverbandes für Kultur und Tourismus nachdenken, damit man nicht gegen-, sondern miteinander arbeitet, findet er.

Darüber könnte ja gesprochen werden. So einen Zweckverband hatte vor über einem Jahr auch schon der Geschäftsführer und jetzige Liquidator der Lausche-Lift GmbH, Ralph Bürger, angeregt. Mit Geld aus dem Fond so eines Zweckverbandes könnte in schneearmen Zeiten der Liftbetrieb für die Skisaison am Lauschehang aufrechterhalten werden, meinte er damals. Mitstreiter für so einen Verband fand er bisher nicht. Zumindest ist noch nichts Konkretes dabei herausgekommen.

Und das In-Ordnung-bringen der Waldwege ist noch mal eine wesentlich kostspieligere Ebene. Um nach Forstarbeiten die Waldwege wieder in Ordnung zu bringen, beträgt allein der Instandsetzungsaufwand für die Stadt Zittau jährlich zwischen 20 000 bis 40 000 Euro.

Für den Körtingweg sind vor sechs Jahren gleich nach der Hochwasserkatastrophe von einem Ingenieurbüro Pläne erstellt worden. An einer der beiden großen Erdrutschstellen ist eine Brücke vorgesehen gewesen. An der anderen sollte der Weg in Terrassenform aufgebaut werden. Bei etwa 300 000 Euro an Kosten für das Projekt musste die Stadt allerdings passen, schildert die Leiterin des Forstbetriebes. Seither heißt es hier besonders aufpassen. An einer Stelle ragt auf der einen Seite eine Felswand empor, an der ein Seil als Handlauf angebracht ist. Auf der anderen Seite geht es steil bergab. In der Mitte gibt es für die Wanderer zwei circa 30 Zentimeter breite Querungshilfen.

„Und wie den Körtingweg gibt es noch andere Wege, die nicht forstwirtschaftlich genutzt werden, wo aber ebenso Handlungsbedarf besteht“, sagt Angela Bültemeier. Dazu zählt in Jonsdorf der Wanderweg von der Lichtenwalder Straße zum Aufgang Nonnenfelsen. Hier kommt an manchen Stellen schon der zu DDR-Zeiten zum Auffüllen von Schlaglöchern benutzte Bauschutt ans Licht. Redebedarf könnte es auch bei den Wegen zu Bauden oder einzelnen Häusern geben. So betragen die Kosten für die Zufahrt zum Töpfer, damit diese für den Gebirgsexpress geeignet ist, etwa 450 000 Euro. Hierfür könnte es zwar eine 90-prozentige Förderung geben, dennoch bleibt ein Eigenanteil von 45 000 Euro.

Eine Lösung muss also gefunden werden. Alles allein wird die Stadt Zittau nicht stemmen können.