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Wer ist Täter, wer ist Opfer?

Zwei Männer sollen in Freital einen Asylsuchenden angegriffen und verletzt haben. Der habe sie aber zuerst attackiert.

© Egbert Kamprath

Von Yvonne Popp

Gerichtsbericht. Es ist eine der ersten richtig warmen Nächte im Mai des vergangenen Jahres, als ein Asylbewerber auf der Dresdner Straße in Freital unterwegs ist. Auf Höhe der Gaststätte „Jux“ stößt er auf andere Migranten, die mit Gästen heftig diskutieren. Dort habe ihn ein junger Mann beschimpft und anschließend ins Gesicht geschlagen, so sagt er es gegenüber der Polizei aus. Kurze Zeit später sei ein weiterer Mann dazu gekommen, der ihm einen Kopfstoß versetzt habe, bei dem auch seine Brille kaputt ging. Bei den Beschuldigten handelt es sich um Dave L. und Alexander K. Beide kannten sich vorher nicht. Nun müssen sie sich gemeinsam wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde verantworten. Dave L. erzählt, dass er an dem Sonnabend mit einem Freund im „Jux“ etwas trinken war. „Wir saßen draußen, als mehrere ausländisch aussehende Personen vorbeigekommen sind“, sagt der Dresdner. In gebrochenem Deutsch hätten sie ihn angesprochen und gefragt, ob er Drogen kaufen wolle. „Ich wunderte mich, wie sie darauf kommen, dass ich Hasch oder Koks von ihnen haben will. Also bin ich ihnen hinterher gelaufen, um das zu klären.“ Statt zu antworten, habe einer der Männer aber sofort mit einer Bierflasche nach ihm geworfen. Als ein weiterer Migrant ein Messer zog und es demonstrativ in die Runde hielt, machte Dave kehrt. Der Asylbewerber soll ihm daraufhin den Weg versperrt und ihn bedroht haben. „Ich sagte nur, er solle sich benehmen und bin an ihm vorbei, zurück an meinen Tisch. Ich habe ihn weder angerempelt, noch geschlagen.“

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Alexander K. streitet ebenfalls ab, den Araber angegriffen zu haben. „Ich wollte im „Jux“ mit Freunden in meinen Geburtstag hinein feiern.“ Schon den ganzen Abend sei auf der Dresdner Straße viel los gewesen, sagt der 40-jährige Straßenbauer. Befürworter und Gegner der gegenwärtigen Asylpolitik hatten demonstriert. Kurz vor Mitternacht rief Alexander K.s Lebensgefährtin an. Sie wollte wissen, ob sie gefahrlos mit den Hunden noch einmal vor die Tür gehen konnte. „Da unsere gemeinsame Wohnung nicht weit vom „Jux“ entfernt liegt, bin ich aufgestanden und ein Stück die Straße entlang gegangen, um nachzusehen.“ Als er wieder zurück an den Tisch gehen wollte, sei er in einen Pulk aufgebrachter Ausländer geraten. Die Stimmung innerhalb dieser Gruppe sei sehr aggressiv gewesen. „Ich weiß nicht, was genau da los war, oder wen diese Leute bedroht haben“, sagt er. „Ich sah ein Messer aufblitzen und wollte einfach da raus und zurück zu meinen Gästen.“ Er sei recht zügig durch die Gruppe gelaufen. Geschlagen oder mit dem Kopf nach einer der Personen gestoßen, habe er dabei nicht. „Ich kann mir nur vorstellen, dass ich versehentlich jemanden angerempelt habe.“

Auch die Polizei konnte außer der zerbrochenen Brille keine Spuren körperlicher Gewalt bei dem Asylbewerber feststellen. Weil keiner der zahlreichen Kneipengäste etwas gesehen haben wollte, konnten sie nur die Personalien und Aussagen der unmittelbar Beteiligten aufnehmen. Festgenommen wurde niemand. Allerdings fanden die Beamten ein Messer in einem der umliegenden Hauseingänge. Die Beamten alarmiert hat ein Iraner, der in der Nähe des „Jux“ mit dem vermeintlichen Opfer in einer Asylbewerberunterkunft lebt. Dort seien gegen Mitternacht mehrere Deutsche eingedrungen, die sich im Flur lautstark der Wohnung des Arabers gestritten hätten. Vor Gericht erkannte der Zeuge aber keinen der Männer wieder.

Ende Januar muss nun geklärt werden, ob der Asylbewerber tatsächlich geschlagen worden ist und ob der Vorfall in seinem Wohnhaus mit den Angriffen auf der Straße zusammenhängt. Außerdem soll er sich selbst zu den Geschehnissen äußern. Er hatte am ersten Verhandlungstag unentschuldigt gefehlt.