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Wer ist verantwortlich für den Unfalltod eines Ehepaares?

Gleich zwei Fahrzeuge waren auf der Autobahn mit dem Opel eines Ehepaares kollidiert. Doch wer trägt die Hauptschuld?

© Roland Halkasch

Von Yvonne Popp

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Ein ungewöhnlicher Unfall mit tragischem Ausgang beschäftigt derzeit das Amtsgericht in Dippoldiswalde. Am Abend des 20. November 2016 war ein damals 19-Jähriger in seinem Skoda Fabia auf der A 4 von Dresden kommend Richtung Chemnitz unterwegs. Auf Höhe des Autobahnzubringers Wilsdruff hatte er einen Lkw überholt. Beim Einscheren auf die rechte Fahrspur muss Nick A. einen silbernen Opel Astra übersehen haben. Mit seinem rechten vorderen Kotflügel touchierte er das Heck des Opels und riss ihm dabei den hinteren Kotflügel ab. Durch den Anprall wurde der Opel gegen die rechte Leitplanke geschleudert. Von dort prallte er in Schräglage zurück auf den rechten Fahrstreifen, wo er von dem dahinter fahrenden Lkw getroffen wurde. Durch die Wucht des erneuten Aufpralls wurde der Opel gegen die linke Leitplanke geschleudert. Dort kam er schließlich zum Stehen.

Während der Skoda-Fahrer und der Lkw-Fahrer unverletzt blieben, hatten die 57-jährige Fahrerin des Opels und ihr 61-jähriger Ehemann schwerste Verletzungen davon getragen. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen waren sie noch an der Unfallstelle verstorben.

Wegen fahrlässiger Tötung müssen sich nun Nick A. und der Fahrer des Lkw, Christian B., in Dippoldiswalde verantworten. Zu klären ist die Frage, welcher der beiden deutschen Männer letztendlich den Tod des Ehepaares verursacht hat. Waren die Opfer schon beim ersten Anprall tödlich verletzt worden oder geschah das erst durch das Auffahren des Lkws? Auch muss geklärt werden, ob der Bremsassistent des Lasters aktiviert war und wenn ja, warum er augenscheinlich nicht funktioniert hatte. Denn dem Gutachten des Dekra-Sachverständigen zufolge war der Sattelzug Mercedes Actros dem Opel nicht nur einmal, sondern noch ein zweites Mal hinten aufgefahren. Technisch war der Lkw sonst aber in ordnungsgemäßem Zustand.

Die Lenk- und Ruhezeiten hatte Christian B. bis zum Unfallzeitpunkt gegen 22.30 Uhr vorschriftsmäßig eingehalten. Auch Alkohol war nicht im Spiel. Ebenso wenig wie bei Nick A. Hier zeigte das Gutachten zudem, dass der junge Mann während des Überholvorgangs mit maximal 120 Kilometern pro Stunde keineswegs zu schnell gefahren war.

Seit Prozessbeginn im Oktober dieses Jahres schweigen die beiden Angeklagten. Für sie steht auch zwei Jahre nach dem Unfall noch die Verhängung von Fahrverboten im Raum. Zusätzlich zum Dekra-Gutachten und der rechtsmedizinischen Auswertung müssen Zeugenaussagen helfen, den Sachverhalt möglichst genau aufzuarbeiten. Zum Zeitpunkt des Unfalls, einem Sonntagabend, herrschte wenig Verkehr auf der Autobahn. Daher gibt es nicht allzu viele Zeugen. Die meisten befanden sich zu weit hinter der Unfallstelle, als das sie etwas vom Geschehen hätten sehen können.

Wie der Fahrer eines Volvo. „Ich sah nur Warnblinker vor mir und Trümmerteile auf der Fahrbahn liegen“, sagte er am Dienstag am Amtsgericht in Dippoldiswalde. Deshalb habe er sofort eine Gefahrenbremsung eingeleitet. Anfangs hatte er nur den völlig zerstörten Opel Astra und den Skoda Fabia von Nick A. wahrgenommen. Das noch ein Lkw in den Unfall verwickelt war, hatte er erst später mitbekommen. Da er selbst dann noch Opfer eines weiteren Auffahrunfalls geworden war, hatte er später mit den beiden Angeklagten in einem Einsatzwagen der Polizei gesessen. Dort habe man sich aber über den Unfallhergang nicht unterhalten, erklärte der Volvo-Fahrer. Ob und wie der Unfall hätte vermieden werden können, ist derzeit noch offen. Ein Urteil wurde bis Redaktionsschluss nicht gefällt.