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Wer rettet das Viadukt?

Die Eisenbahnbrücke in Königsbrück ist eine Meisterleistung. Doch sie verfällt und niemand fühlt sich zuständig.

© Matthias Schumann

Nicole Preuß

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Königsbrück. Die Rostflecken werden größer. Zentimeter für Zentimeter fressen sie sich durch das Eisen der Stützstreben. Die Metallteile des Königsbrücker Eisenbahnviadukts haben über die Jahre schon einige Schadflächen bekommen. Risse ziehen sich durch die Betonfüße, die den Eisenstreben Halt geben. Das Kulturdenkmal im Pulsnitztal ist augenscheinlich nicht mehr im besten Zustand. Einigen Königsbrückern bereitet das Sorgen. Schließlich gehört die Eisenbahnbrücke zu den wichtigen Zeugnissen der gesamten Region.

Ihr Bau ging einher mit dem Ausbau des sächsischen Eisenbahnnetzes Ende des 19. Jahrhunderts. Damals wurde das Schienenetz von der Schmalspur auf die Normalspur umgerüstet. 2002 wurde das Viadukt in die Liste der sächsischen Denkmäler aufgenommen. Das Landesamt für Denkmalschutz spricht von der verkehrs-, technik- und landschaftsgestaltenden Bedeutung des Bauwerks. „Es besteht ein öffentliches Erhaltungsinteresse“, sagt der Leiter der Abteilung Fachdienste Dr. Hartmut Ritschel. Deshalb bekam es auch den Status eines Denkmals. Der Chef des Königsbrücker Heimatvereins Peter Sonntag hat schon mit einigen Fachleuten über das Viadukt gesprochen. „Das Besondere ist die damalige Bauweise. Die Brücke wurde als Kurve angelegt und hat auch noch eine Steigung zu bewältigen. Das Bauwerk zu bauen und zu planen, war auf jeden Fall eine technische Meisterleistung.“

An privates Unternehmen verkauft

Das wissen allerdings bisher nur wenige zu würdigen. Die Deutsche Bahn hat das Viadukt 2004 zusammen mit der stillgelegten Bahnstrecke Königsbrück-Straßgräbchen an ein privates Unternehmen aus Oybin verkauft. Das ließ schnell die Schienen abbauen und wegbringen. Daraufhin tat sich wenig. Der neue Eigentümer betonte damals unter anderem im Königsbrücker Stadtrat, dass er nicht ausschließlich an dem Verkauf des Schrotts interessiert sei. Es solle ein Reit-, Rad- und Wanderweg entstehen, der erst einmal von Straßgräbchen bis Zeisholz führen solle und dann möglicherweise weiter ins Brandenburgische.

Doch das Erstellen des Konzepts könne gut und gern zehn bis 15 Jahre in Anspruch nehmen. Die Zeit ist inzwischen fast vorüber. Doch sichtbare Erfolge gibt es kaum. Vor einigen Jahren erklärten die Unternehmer das noch mit dem mangelnden Interesse der Kommunen. Das Viadukt spielte in den Veröffentlichungen damals keine Rolle. Die SZ hätte gern mit den Käufern der Strecke über das Bauwerk gesprochen und schickte dem Unternehmen vor drei Wochen Fragen dazu, bekam aber bis heute keine Antwort.

Das Sächsische Denkmalschutzgesetz schreibt vor, dass Denkmäler im Rahmen des Zumutbaren erhalten werden müssen, erklärt das Denkmalschutzamt auf Nachfrage. Bezeichnend ist aber auch, dass gerade in den vergangenen zehn Jahren in Sachsen fast 70 denkmalgeschützte Straßen- und Bahnbrücken abgerissen wurden. Im Landkreis Bautzen waren es zwei und für die kommenden Jahre wurden sechs Abrissanträge für weitere Brücken gestellt.

Abriss aus Sicherheitsfragen

Peter Sonntag vom Heimatverein befürchtet, dass das auch das Schicksal des Königsbrücker Viadukts sein könnte. „Der bauliche Zustand wird immer prekärer“, sagt er. „Und wenn man einfach die Zeit laufen lässt, kann man den Abriss irgendwann mit Sicherheitsfragen begründen.“ Ein solches Muster hätte man schon bei der Beseitigung von anderen Denkmälern in der Vergangenheit beobachten können.“

Doch wie sieht die Lösung für das Problem aus? Peter Sonntag hat kein fertiges Konzept in der Schublade, aber ein paar Ideen, die weitreichen. Eine Möglichkeit zur Rettung des Bauwerks wäre zum Beispiel, das besondere Denkmal touristisch zu nutzen. Man könnte versuchen, die Bahnbrücke begehbar zu machen. Das ist bisher nicht möglich. In der Vergangenheit kletterten zwar schon hin und wieder Jugendliche darauf herum, doch das ist illegal und auch gefährlich. „Davor müsste man aber erst einmal schauen, wie hoch die vorhandene Brüstung ist und was darüber hinaus gemacht werden müsste“, sagt Sonntag. „Und wenn man diesen Weg dann ins Wanderwegesystem einbindet, könnte man auch Fördermittel bekommen“, ist sich der erfahrene Projektleiter sicher. Allerdings müssten die Unternehmer auch einen Eigenanteil tragen.

Die Stadt Königsbrück kann sich angesichts knapper Mittel daran voraussichtlich nicht beteiligen. „Ich finde es sehr schade, dass der Bund die Strecke überhaupt aus der Hand gegeben hat. Das war nicht besonders weit gedacht“, sagt Bürgermeister Heiko Driesnack (CDU). Die Zukunft des Viadukts ist damit weiter offen. Die Bahn will den Käufer auf den Zustand hinweisen. Denn: „Die Pflicht zur Verkehrssicherung liegt beim Käufer“, heißt es auf Anfrage.