merken

Politik

Wer steckt hinter den Tanker-Attacken?

Nach den mysteriösen Zwischenfällen mit zwei Schiffen im Golf von Oman machen die USA den Iran dafür verantwortlich. Viele andere sind sich da nicht so sicher.

US-Außenminister Mike Pompeo macht den Iran für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman verantwortlich.
US-Außenminister Mike Pompeo macht den Iran für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman verantwortlich. © Alex Brandon/AP/dpa

Washington. Nach den mutmaßlichen Attacken auf zwei Tanker im Golf von Oman herrscht weiter Rätselraten über die Hintergründe - und es geht die Angst um vor einer militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump untermauerte am Freitag die US-Sichtweise und sagte in einem Interview mit dem Sender Fox News: "Der Iran hat es getan." Der geschäftsführende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan stellte in Aussicht, die US-Regierung wolle bald weitere Belege für ihre Einschätzung veröffentlichen, um international Konsens in der Frage herzustellen. Mehrere andere Staaten und internationale Organisationen hielten sich dagegen mit Schuldzuweisungen ausdrücklich zurück und forderten eine genaue Untersuchung der Vorfälle. Der Iran wies jede Schuld von sich.

Bei den Zwischenfällen nahe der Küste des Irans waren am frühen Donnerstagmorgen zwei Tanker beschädigt worden. Die "Front Altair" geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der "Kokuka Courageous" berichtet von zwei Detonationen. Die genauen Umstände blieben zunächst aber unklar.

Anzeige
Ein gesunder Rücken kann entzücken

Im Adventskalender des Rückenstudios Dresden finden Sie viele Angebote rund um das Thema Wellness und Erholung.

Die betroffene Meerenge im Golf von Oman, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. An den Märkten herrschte Unsicherheit angesichts der Krise.

Die USA beschuldigen den Iran, für die mutmaßlichen Angriffe verantwortlich zu sein. US-Außenminister Mike Pompeo hatte noch am Donnerstag erklärt, US-Erkenntnissen zufolge stecke der Iran dahinter. Er sprach von einer "nicht hinnehmbaren Eskalation". Dem Land gehe es darum, die Aufhebung der US-Sanktionen zu erzwingen.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

USA wollen See-Allianz gegen Iran gründen

Nach Angriffen auf Tanker im Golf von Oman wollen die USA den Schutz von Handelsschiffen vorantreiben. Aus Teheran kommen Drohungen.

Symbolbild verwandter Artikel

USA wollen Anti-Iran-Bündnis schmieden

Präsident Trump verfügt weitere Sanktionen gegen Teheran, während US-Außenminister Pompeo für eine globale Allianz gegen den Iran wirbt.

Symbolbild verwandter Artikel

Trump kündigt neue Iran-Sanktionen an

Der US-Präsident erhöht den Druck auf Teheran weiter. Auch die militärische Option lässt er auf dem Tisch. 

Symbolbild verwandter Artikel

Iran schießt US-Drohne ab

Die Lage am Persischen Golf eskaliert weiter: Im Süden des Landes haben Revolutionsgarden nach eigenen Angaben eine Drohne der USA vom Himmel geholt.

Symbolbild verwandter Artikel

USA erhöhen Druck auf Iran

Noch immer ist ungeklärt, was bei den Angriffen auf zwei Tanker am Golf geschah. Kanzlerin Merkel appelliert an Teheran.

Symbolbild verwandter Artikel

USA zeigen neue Fotos zu Tanker-Angriff

Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA eskalieren nach den Angriffen auf Tanker. Die US-Regierung reagiert nicht nur mit Aufklärungsbildern.

Symbolbild verwandter Artikel

Angriffe auf Tanker: EU bleibt skeptisch

Die USA, Großbritannien und Saudi Arabien werfen dem Iran vor, hinter den Attacken im Golf von Oman zu stehen. Die EU-Staaten halten sich weiter bedeckt.

Auch Saudi-Arabien verurteilte die Angriffe und sprach von "Terroroperationen". Das sunnitische Königreich sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind und verschärft seit Wochen den Ton gegenüber Teheran. Es wirft dem Iran vor, sich in die Angelegenheiten arabischer Länder einzumischen und die Region zu destabilisieren.

Der Iran wies die Anschuldigungen scharf zurück. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Golf am meisten profitiere, hieß es aus dem Außenministerium in Teheran. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif warf den USA vor, die Vorfälle als Vorwand zu nehmen. "Mit einem Fetzen an Indizien haben die USA sofort den Iran beschuldigt ... damit ist klar, dass das amerikanischen B-Team auf Plan B und auf Sabotage-Diplomatie umgeschaltet hat", schrieb Sarif auf Twitter.

Mit dem B-Team meint Sarif die Mannschaft von US-Sicherheitsberater John Bolton, der nach Ansicht Teherans einen Regimewechsel im Iran plant und dafür sogar einen militärischen Konflikt provozieren würde. Schon zuvor hatte der Iran angedeutet, dass die USA und ihre Alliierten selber für die Angriffe verantwortlich sein könnten und sie nun Teheran in die Schuhe schieben wollten.

Die US-Regierung hatte am Donnerstag zur Untermauerung der Vorwürfe gegen den Iran ein Video präsentiert, das nach der Explosion spielt. Es soll zeigen, wie ein Schnellboot vom Typ "Gaschti" der iranischen Revolutionsgarden auf den Tanker "Kokuka Courageous" zufährt und die Besatzung eine nicht explodierte Haftmine vom Tankerrumpf entfernt. Eine mögliche Erklärung wäre die Bergung des Sprengstoffes.

Trump verwies am Freitag auf dieses Video und sagte: "Nun ja, der Iran hat es getan, und sie haben es (...) getan, weil man das Schiff gesehen hat." Er fügte hinzu: "Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben."

Das Video soll die US-These einer iranischen Urheberschaft bestätigen, liefert tatsächlich jedoch keine klaren Belege. Von vielen Seiten kamen Warnungen vor voreiligen Schlüssen.

Die EU gab sich in Sachen Schuldzuweisungen vorsichtig. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein EU-Beamter am Freitag in Brüssel. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach sich für unabhängige Untersuchungen aus. "Es ist sehr wichtig, die Wahrheit zu kennen. Und es ist sehr wichtig, dass Verantwortlichkeiten geklärt werden", sagte er nach einem Treffen mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit.

Auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte - wie beispielsweise auch China - vor übereilten Reaktionen und forderte eine ernsthafte Untersuchung. Die UN-Vetomacht China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf.

Die britische Regierung stellte sich dagegen an die Seite der USA. Außenminister Jeremy Hunt äußerte die Überzeugung, dass die mutmaßlichen Angriffe vom Iran, von dessen Revolutionsgarden, ausgeführt wurden. Beweise legte aber auch Hunt nicht vor.

Der Fernsehsender CNN meldete am Freitag unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise, in den Stunden vor den mutmaßlichen Attacken hätten sich iranische Boote laut Aufnahmen einer amerikanischen Drohne den Tankern genähert. Offizielle Angaben gab es dazu nicht.

Shanahan sagte am Freitag in Washington, die US-Regierung sei bemüht, möglichst viele Informationen zur Untermauerung ihrer Einschätzung freizugeben und diese schnell zu veröffentlichen. Der Fokus liege darauf, "internationalen Konsens" in der Frage herzustellen. Es handele sich um ein internationales Problem und nicht um ein amerikanisches. Er betonte zugleich, es sei nötig, Notfallpläne zu erstellen, falls sich die Lage verschärfe.

Bislang betont die US-Regierung, Ziel sei, den Iran durch diplomatische und wirtschaftliche Bemühungen zum Umsteuern zu bewegen. Auch Trump betonte am Freitag mit Blick auf den Iran: "Wir wollen sie zurück an den Verhandlungstisch holen, wenn sie zurückkommen wollen. Ich bin bereit, wenn sie es sind", sagte er. "In der Zwischenzeit bin ich nicht in Eile."

Die US-Regierung war vor gut einem Jahr im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und versucht, das Land mit wuchtigen Wirtschaftssanktionen unter Druck zu setzen, um eine neues, strengeres Abkommen auszuhandeln. Der Iran machte bislang aber keine Anstalten, sich dem Druck zu beugen. (dpa)