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Dresden

Wer traut sich?

Immer mehr Dresdnerinnen machen sich selbstständig. Jetzt winkt sogar ein Preis dafür.

Sie haben den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt: Stephanie Oppitz (von links), Gesche Weger und Anja Gena. Ihnen tun es immer mehr Dresdnerinnen gleich.
Sie haben den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt: Stephanie Oppitz (von links), Gesche Weger und Anja Gena. Ihnen tun es immer mehr Dresdnerinnen gleich. © Ellen Fotografie, Packwise, Sven Ellger

Wie hart der Kampf in einer Männerdomäne ist, weiß Petra Köpping (SPD) aus eigener Erfahrung. „Politik, gerade Kommunalpolitik, ist immer noch oft Männersache“, sagte Sachsens Gleichstellungsministerin am Donnerstag. Die Ministerin lud zum Ladies Lunch nach Hellerau ein, einer Netzwerkveranstaltung, und 150 Gründerinnen folgten. Frauen sollten sich gegenseitig Mut machen und austauschen, so Köpping. Immer mehr tun es. 

Zunehmend mehr Dresdnerinnen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Zurzeit gibt es rund 14.400 weibliche Gewerbetreibende, so das Amt für Wirtschaftsförderung. Meldeten 2017 1.112 Frauen ein Gewerbe an, waren es im Jahr 2010 erst 740 Frauen. Die Felder, in denen sich Frauen am häufigsten selbstständig machen, sind das Friseurhandwerk, Fußpflege, Kosmetik, Gastronomie oder als Personaltrainerin. Trotzdem wagen die Männer den Schritt Richtung Selbstständigkeit immer noch häufiger. Im Raum Dresden gibt es derzeit 3.843 inhabergeführte Betriebe. Von diesen werden aber nur 1.105 von Frauen betrieben und 2.735 von Männern. Warum trauen sich weniger Frauen? 

„Die Hindernisse, die Frauen von der Selbstständigkeit abhalten, unterscheiden sich nicht von denen, die auch Männer abhalten,“ so Handwerkskammer-Chef Andreas Brzezinski. Oftmals seien es bürokratische Hürden und Lasten, die Gründungswillige zurückschrecken lassen. Doch sowohl die Handwerkskammer als auch die Stadt geben den Gründern Hilfe mit auf den Weg. Im Startercenter der Kammer stehen Fachleute bereit, die durch den Gründungsprozess begleiten. Der Wirtschaftsservice der Stadt bietet eine Gründungsberatung, berät zu Fördermitteln und vermittelt Kontakte. Außerdem werden die Gründer in ihrem ersten Jahr betreut.

Diese drei Gründerinnen haben es geschafft

© Ellen Fotografie

Die Erfahrene: 2009 brachte Anja Gena ihr erstes Stadtspiel, ein Spiel für die Schnitzeljagd in Städten, heraus. „Ich habe mir drei Jahre gegeben, um zu schauen, ob meine Idee funktioniert“, sagt sie. Die Selbstständigkeit sei der ideale Weg, um eigene Ideen in die Tat umzusetzen. Klarer Vorteil: die Flexibilität und die Entscheidungsfreiheit. „Ohne in vielen Meetings zu verharren, die ergebnislos zu Ende gehen, kann ich Entscheidungen treffen, die auch umgesetzt werden.“ Immer noch schwierig sei die Kinderbetreuung, so die Mutter zweier Kinder. Vor allem was den späten Nachmittag oder Abend betrifft, an dem eben auch einmal Veranstaltungen sind. 

© Packwise

Die Technikerin: Von der Schweiz nach Dresden. Gesche Weger hat früher als Analystin bei einer Schweizer Großbank gearbeitet. Um an einem gemeinsamen Wohnort die Familienplanung fortzuführen, entschieden sie und ihr Mann, Mitgründer Felix Weger, ihr Start-up-Unternehmen Packwise hier 2017 zu gründen. Die Idee hinter Packwise ist, die Wiederverwendung von Industrieverpackungen für Flüssiggüter der Chemie- und Lebensmittelbranche. „In der Selbstständigkeit können wir unsere Vorstellungen im Miteinander mit flachen Hierarchien und einer persönlichen Kommunikation leben“, so Weger. Die Kinderbetreuung funktioniere gut in Dresden. 

© Sven Ellger

Die Innovative: Drei Kinder, die in kurzen Abständen auf die Welt kamen. Da türmen sich schnell die Windeln. Stephanie Oppitz suchte nach einer Alternative und fand sie. Sie gründete 2013 die Windelmanufaktur. „Ich wollte Stoffwindeln, welche sowohl auslaufsicher als auch schön und einfach zu handhaben sind.“ Heute verkaufen sie und ihre Mitarbeiter täglich Dutzende davon. Und Oppitz gründete sogar mit Von Ocker und Rot noch ein weiteres Label für Stoffbinden für die Monatshygiene ohne Müll. Wie sie das schafft mit drei Kindern? Gute Organisation ist alles. Nebenbei beteiligte sich die Familie auch noch an der Gründung einer Waldorfschule. 

Preis für Gründerinnen:

Die Bewerbungsphase um den „Sächsischen Gründerinnenpreis 2020“ startet am 1. Juli. Es werden zwei Preise vergeben. Der erste Platz ist mit 5.000 Euro dotiert, der zweite Platz mit 2.000 Euro.

Mehr Informationen gibt es online unter www.saechsischer-gruenderinnenpreis.de

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