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Werbung auf der Baustelle

Die geplante Epitaphien-Ausstellung in der Klosterkirche ist erstmals vorgestellt worden – als neuer Zittauer Schatz.

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© Matthias Weber

Von Thomas Mielke

Zittau. Die Ausstellung in der Klosterkirche wird bundesweite Aufmerksamkeit erregen. Sie soll an die international beachtete Habsburg-Ausstellung im Jahr 2002 anknüpfen. Dabei stehen die Epitaphien in ihrer Bedeutung den Fastentüchern in nichts nach. – Mit diesen Superlativen haben am Sonntag die Verantwortlichen von Stadt und Museum sowie Unterstützer wie der Bundestagsabgeordnete Michael Kretschmer (CDU) auf der Baustelle in der Klosterkirche erstmals die Mitte 2017 geplante Schau vor einer handverlesenen Schar aus Wirtschaft, Kultur und Politik vorgestellt und um weitere Unterstützung geworben. Neben der Bitte um Geld ging es Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) vor allem darum, dass die Gäste bei anderen Interesse wecken. Es gehe bei den Epitaphen um Menschen, um Zittauer, um ihr Leben in der Zeit der Reformation, um ihre Hoffnungen, um ihren Glauben, sagte Marius Winzeler, Ex-Chef der Städtischen Museen und jetzt an der Nationalgalerie Prag tätig.

Die Epitaphe sind Gedächtnisbilder von Verstorbenen, die sie für sich oder ihre Familie anfertigen und in Kirchen aufhängen ließen. In Text und Bild werden die Schicksale beschrieben und gezeigt. Zum Teil ist Zittau vor der Zerstörung 1757 zu sehen. Immer wieder ist am Sonntag die Rede davon gewesen, dass die Epitaphe ein Schatz sind. „Wir haben etwas, das andere nicht haben“, sagte Peter Knüvener, Leiter der Städtischen Museen. In den meisten Städten sind die Epitaphien im 19. Jahrhundert vernichtet worden. In Zittau wurden rund 80 aufbewahrt, einige von 1931 bis in die 50er Jahre sogar im Museum gezeigt. Danach aber waren sie kulturpolitisch nicht mehr gefragt, wurden abgehängt und verfielen. Erst zur Habsburgausstellung 2002 sind sie wiederentdeckt, die ersten restauriert und öffentlich gezeigt worden. Mit der deutschlandweiten Lutherdekade ab 2008 ist die Idee gereift, die in Zeiten der in der Oberlausitz um sich greifenden Reformation entstandenen Bildnisse zu restaurieren und in einer großen Schau zu zeigen.

Inzwischen ist die Ausstellung in eine deutschlandweite Luther-Veranstaltungsreihe zu „500 Jahre Reformation“ im nächsten Jahr aufgenommen worden. Bis dahin wird die Klosterkirche von der Kirchgemeinde noch saniert, das Gotteshaus in einer Stiftung von Gemeinde und Stadt überführt und an das benachbarte Museum angeschlossen.

Seit Sonntag wird die Vorbereitung der Ausstellung sogar von einem Kuratorium begleitet. Darin wirken unter anderem Rudolf von Sandersleben, der schon bei der Habsburg-Ausstellung dabei war, Zittaus Ehrenbürger Franz Knippenberg, die Direktorin der Landesstelle für Museumswesen, Katja Margarethe Mieth, Landtagsabgeordneter Stephan Meyer (CDU) und die drei Nachwende-Museumschefs Volker Dudeck, Marius Winzeler, Peter Knüvener mit.