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Werkzeug-Klau aus Handwerkerautos

Die Diebe sind organisiert. Ihre Beute taucht in der Regel nicht mehr auf dem Markt in Deutschland auf.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

Radebeul. Der Schaden geht in die Tausende. Schon zweimal fand ein Radebeuler Heizungstechniker sein Firmenauto ausgeräumt vor. Diebe hatten die Heckscheibe eingeschlagen und das Werkzeug mitgehen lassen. Kein Einzelfall. Es hat sich herumgesprochen unter den Handwerkern in der Stadt, dass in letzter Zeit wieder öfter Transporter aufgebrochen werden und Werkzeug geklaut wird. Denn damit lässt sich offenbar gutes Geld machen. Das Spezialwerkzeug von Handwerkern ist teuer.

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Vor zwei Wochen etwa schlugen Unbekannte die Heckscheibe eines Transporters ein, der auf dem Damaschkeweg geparkt war, und stahlen verschiedene Werkzeuge im Wert von 5 000 Euro. Am Auto entstand obendrein ein Sachschaden von 500 Euro. Anfang September waren Werkzeugdiebe in Altserkowitz unterwegs. Auch dort wurde die Heckscheibe eines Fahrzeugs eingeschlagen und Werkezug im Wert von mindestens 2 500 Euro gestohlen. In derselben Nacht verschwand auch Werkzeug aus Fahrzeugen, die in Dresden an der Ortsgrenze zu Radebeul geparkt waren. Besonders großen Schaden hinterließen Autoknacker im Juni in Radebeul. Auf der Maxim-Gorki-Straße stahlen sie aus einem Wagen Elektrowerkzeuge im Gesamtwert von rund 10 000 Euro.

Die Polizei geht davon aus, dass organisierte Banden am Werk sind, die gezielt vorgehen. Gelegenheitsdiebe hätten es eher auf Navis abgesehen oder Handtaschen, die sichtbar im Auto liegen, sagt Polizeisprecher Marko Laske. Werkzeug hingegen werde nicht von Gelegenheitsdieben gestohlen. Denn die Handwerksutensilien wieder zu Geld zu machen, ist aufwendig.

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Dresden wurden im August zehn Fälle von Werkzeugklau aus Fahrzeugen verzeichnet. Bis Mitte September kamen weitere acht Einbrüche dazu. „Bei der Masse aller Straftaten ist das noch kein Schwerpunkt“, sagt Laske. Man könne aber von einer kleinen Häufung sprechen.

Die Ermittlungen in diesen Fällen seien schwierig. Denn das Diebesgut bleibt meist nicht lange in Deutschland. „Unserer Erfahrung nach handelt es sich um Tätergruppierungen aus Osteuropa“, so der Polizeisprecher. Das Werkzeug taucht auf dem deutschen Markt nicht wieder auf. „Es ist unwahrscheinlich, dass sie in Deutschland zum Kauf angeboten werden“, sagt Laske.

Ein anderes Problem: Durch Werbung an den Fahrzeugen werden die Diebe erst auf Firmantransporter und darin liegendes Werkzeug aufmerksam. „Die Fahrzeuge werden gezielt ausgesucht, weil sie plakatiert sind“, sagt Laske. Doch die Handwerker sind auf die Außenwerbung an ihren Fahrzeugen angewiesen. Die Polizei rät den Unternehmern deshalb, ihr Eigentum zu katalogisieren und sich die Identitätsnummern der Geräte aufzuschreiben.

Der Radebeuler Heizungstechniker, dessen Wagen schon zweimal ausgeraubt wurde, lässt sein Auto nicht mehr über Nacht auf offener Straße stehen. „Am besten, man stellt die Fahrzeuge auf ein Grundstück mit Bewegungsmelder“, sagt er. Von seinem gestohlenen Werkzeug hat der Handwerker nur eine Maschine wiedergesehen. Das Gerät hat die Polizei bei einem Dresdner gefunden. Der Mann kam vor Gericht. Für den anderen Einbruch in das Firmenauto soll ein Pole verantwortlich sein, sagt der Radebeuler. Der sei allerdings nicht auffindbar, weshalb die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt habe. Ein anderer Handwerker aus Radebeul berichtet, dass er auf Baustellen schon gehört hat, dass wieder Werkzeugdiebe unterwegs sind. Der Klempner lässt deshalb über Nacht nichts mehr im Auto. „Ich nehme das Werkzeug mit nach Hause“, sagt er.

Eine genaue Aussage, ob und um wie viel Werkzeugklau aus Firmenautos zugenommen hat, ist schwer zu treffen. Jens-Torsten Jacob, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in der Region Meißen, berichtet, dass es vor anderthalb Jahren auch schon mehrere Fälle gab. Bei der Polizei wird der Werkzeugklau in der Statistik unter der Kategorie Diebstahl aus Fahrzeugen geführt. Laut Kriminalitätsatlas sind diese im Landkreis Meißen zwischen 2012 und 2016 zwar zurückgegangen. Allerdings erfasst die Statistik nicht, bei wie vielen der 538 Fällen, die 2016 gemeldet wurden, Werkzeug geklaut wurde. Und bei wie vielen Handtaschen, Geldbörsen oder Navis.